Hertha-Profi Per Skjelbred gibt in jedem Spiel bis zur letzten Minuten alles. 
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BerlinMitten hinein in die Turbulenzen, die der Rücktritt von Jürgen Klinsmann verursachte, platzte die Meldung, dass der Norweger Per Skjelbred, 32, am Saisonende den Verein verlassen und zurück zu seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim gehen wird. Nach sieben Jahren in Berlin. Ein kleiner Rückblick ist deshalb angebracht.

Für mich geht mit Skjelbred nicht nur ein nimmermüder, einsatzstarker Mittelfeldspieler, sondern ein Kicker vom „alten Schlag“. Ich meine Profis, die eine natürliche Autorität ausstrahlen, die den Teamgeist nicht nur predigen, sondern leben, die stets bis zur letzten Minute kämpfen, denen die eigene Frisur nicht wichtiger als das Spiel ist und die nicht jede Phase ihres Lebens auf Instagram der ganzen Welt zeigen wollen. Skjelbred verkörpert für mich den Typ „gestandener Mann“ auf dem Rasen, von denen Hertha gerne mehr im Team haben könnte.

Skjelbred erlebt bei Hertha BSC fünf Trainer

Skjelbred erlebte in Berlin fünf Trainer: Jos Luhukay, Pal Dardai, Ante Covic, Jürgen Klinsmann und nun Alexander Nouri am Schluss seiner Bundesliga-Karriere. Immer gehörte er zum Stamm der Mannschaft, überwand auch kleine Krisen, in denen die Trainer kurzzeitig nicht auf ihn setzten. Sein Auftritt zuletzt beim 2:1-Sieg in Paderborn war sein 171. Bundesligaspiel für Hertha.

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Hertha-Kolumne

Michael Jahn begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Immer mittwochs gibt er in dieser Kolumne seine Expertise zu der Mannschaft, dem Klub und seinem Umfeld ab.

In zahlreichen Interviews habe ich ihn als meinungsstarken, sympathischen Spieler kennengelernt, mit dem ich liebend gern einmal im Winter in Norwegen in seiner schneesicheren Hütte einen Schnaps getrunken hätte. Er schwärmte oft vom imposanten Trondheim-Fjord, seinem kleinem Dorf Lade nahe der 200.000-Einwohner Stadt Trondheim, von Fahrten mit dem großen Holzschlitten im Schnee und von seiner Familie, seiner Frau und den zwei Kindern. All das und vor allem seine vielen Freunde in der Heimat haben ihm immer mehr gefehlt, je länger er in Berlin lebte. Dennoch fühlte er sich bei Hertha sehr wohl, setzte sich immer wieder gegen neue Konkurrenten durch. Als er sich einmal als Spielertyp beschreiben sollte, sagte er: „Ich bin wie eine Kartoffel!“ Als ich völlig verdutzt schaute, klärte er auf: „Kartoffel sagt man bei uns in Norwegen zu einem sehr vielseitigen Fußballer.“

In einem Telefonat mit seinem Landsmann Kjetil Rekdal, der einst auch Kapitän bei Hertha BSC war, wollte ich etwas über Skjelbreds Reputation erfahren. Rekdal, 51, arbeitet als TV-Experte und kam auf 83 Länderspiele. „Per Skjelbred besitzt bei uns einen sehr guten Ruf, einen großen Namen“, sagt Rekdal. „Rosenborg Trondheim baut gerade eine neue Mannschaft zusammen, wo Per als erfahrener Profi eine führende Rolle einnehmen soll. Er wird das garantiert packen. Wir Norweger freuen uns auf ihn.“

Rückkehr nach Norwegen

Schon im Dezember 2018 verriet mir Skjelbred, dass er irgendwann wieder zu Rosenborg zurückkehren möchte, und dort, wo alles begann, seine Karriere beenden will. Jetzt steht bald die Rückkehr an. Damit schließt sich der Kreis, denn Skjelbred gab bei Rosenborg im Jahr 2004 als 16-Jähriger sein Debüt bei den Profis. Gerade hat er einen Vertrag bis Dezember 2022 bei Rosenborg unterschrieben.

Fakt ist: Ich werde ab der neuen Saison interessiert verfolgen, wie sich Norwegens Rekordmeister Rosenborg entwickelt. Und die Kartoffel. Ganz sicher, lieber Per!