Eigentlich sind die Spielertage von Aito Garcia Reneses schon eine ganze Weile vorbei. Seit 1973, um genau zu sein. 45 Jahre ist es her, dass der 71-Jährige zuletzt für den großen FC Barcelona seine Basketballschuhe schnürte. Nichtsdestotrotz ließ die Trainerlegende es sich unter Woche nicht nehmen, mit einem Augenzwinkern sein Comeback anzukündigen. Krafttraining mache er schon wieder, sagte er, imitierte einen Bizepscurl und lachte. Es war ein lustiger Scherz bezüglich eines weniger lustigen Umstandes. So herrscht bei Alba Berlin vor dem unangenehmen Auswärtsspiel in Bonn am Sonntag (17.30 Uhr, Sport1) Personalnot auf den großen Positionen. Auch, weil ein Einsatz von Tim Schneider nach dessen Nasenbein- und Nasenscheidewandbruch fraglich ist.

Im Grunde ist die Mannschaft von Alba dafür ausgelegt, auch mehrere zeitgleiche Verletzungen kompensieren zu können. Elf Spieler bilden den festen Profi-Bestand, hinzukommen der nachverpflichtete Ergänzungsspieler Steve Vasturia und vier Doppellizenzspieler, die in dieser Saison auch schon bei den Profis auf dem Parkett standen. Gegen Bonn droht das 16 Mann starke Kollektiv nun auf neun, bestenfalls zehn (mit Schneider) Spieler zusammenzuschrumpfen. Während Center Bogdan Radosavljevic und Guard Bennet Hundt verletzt ausfallen, sind die Doppellizenzspieler Henrik Drescher und Jonas Mattisseck mit der Jugendnationalmannschaft unterwegs. Hinzu kommt, dass die Ausländerregelung einen Einsatz von Vasturia und Center Kresimir Nikic unmöglich macht.

Training mit Maske

„Es ist schwer, noch jemanden zu verlieren, weil wir auf den großen Positionen sowieso schon dünn besetz waren“, kommentiert Forward Luke Sikma. Tatsächlich ist Albas Center Dennis Clifford seit Wochen allein auf weiter Flur. Gesellschaft unter den Körben leisten ihm dabei im Wechsel Sikma, Kapitän Niels Giffey und zuletzt oft auch Schneider.

Letztgenannter hatte sich zuletzt als eine echte Alternative auf der Position vier herausgestellt. Besonders dann, wenn Sikma statt Clifford in der Zone agiert, setzt man auf den 20-Jährigen. „Er hat sich als guter Werfer und durch seine gute Verteidigung etabliert“, erklärt Giffey. In den letzten acht Bundesligaspielen hat Schneider jeweils mindestens zwölf Minuten gespielt. Bei seinem 19-Punkte-Auftritt in Erfurt waren es fast 30. Schneider ist ein wichtiger Bestandteil der Berliner Strategie, welche versucht, den Ausfall von Center Radosavljevic mit kleineren, beweglichen und wurfstarken Forwards zu kompensieren. Sollte in Bonn nun auch Schneider selbst fehlen, würde Albas Aufstellung noch kleiner. Giffey zufolge müsste dann beispielsweise Marius Grigonis als Forward aushelfen. Gegen physisch durchaus starke Bonner bringt dies ein Risiko mit sich.

„Die Verletzungen sind ja nichts Neues."

Folglich versucht man bei Alba alles, um Schneiders Nase nur eine Woche nach deren folgenreichem Zusammenprall mit der Schulter der Würzburgers Maurice Stuckey spielfähig zu bekommen. Unter anderem wurde im Berliner Unfallkrankenhaus eine maßgeschneiderte Carbon-Maske für Schneider gefertigt. Ob er diese schon am Sonntag in Bonn präsentieren wird, soll kurzfristig entschieden werden. Während das Training am Freitag ohne den 20-Jährigen stattfand, soll der Gesichtsschutz im sonnabendlichen Abschlusstraining probegetragen werden. „Ich hoffe, dass er spielen kann. Aber das Wichtigste ist, dass er sich gut fühlt“, machte auch Trainer Aito Garcia Reneses einen Einsatz von Schneiders Befinden abhängig.

Unabhängig davon, ob Schneider mitwirkt oder nicht, kann Alba am Sonntag einen wichtigen Schritt mit Blick auf die Play-offs tun. Bei einem Sieg würden sich die Berliner den so wichtigen Heimvorteil in der ersten Runde sichern. Sikma ist zuversichtlich, dass dies trotz kleinem Kader gelingt: „Die Verletzungen sind ja nichts Neues. Wir haben sie das ganze Jahr über gut kompensiert.“ Und sollte es doch hart auf hart kommen, gibt es ja immer noch den Trainer, der bereitstünde.