Heute um 10 Uhr fällt beim BFC Dynamo der Startschuss für die neue Spielzeit in der Regionalliga Nordost. Vor dem Auftakt stellte sich Peter Meyer, der Wirtschaftsratsboss der Dynamos, den Fragen der Berliner Zeitung.

Herr Meyer, nicht wenige haben den BFC als Abstiegskandidaten Nr. 1 ausgemacht.

Das ist natürlich auch schon bis zu uns durchgedrungen, stört uns aber nicht. Natürlich sieht das durch die vielen neuen und jungen Spieler gewöhnungsbedürftig aus. Aber wir haben bewusst diesen großen Schnitt gemacht. Wir wollen in der Zukunft mit einem jungen Team etwas aufbauen und vor allem wieder Spaß an der Mannschaft haben. In allen Vertragsgesprächen haben ich gespürt, dass die jungen Spieler etwas aus ihrem Talent machen wollen. Das wollen wir gezielt in den nächsten Jahren entwickeln und fördern. Mit Geduld und Glück profitieren am Ende beide Seiten davon. Die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass leider viele gestandene Spieler einfach keinen Ehrgeiz für höhere Ziele mehr haben und mit der Regionalliga einfach zufrieden sind.

Die Gefahr ist dennoch da, dass Dynamo das verliert, was man sich in den letzten fünf Jahren aufgebaut hat.

Ja, wir wissen, dass nicht alles von heute auf morgen klappen kann, dass dieser Umbruch mindestens ein halbes Jahr Zeit braucht, bis alles ineinander greift. Wir werden die nötige Geduld aufbringen, alle im Verein werden in Ruhe arbeiten können, ohne dass wir in Panik verfallen.

Ist die Wahl von Christian Benbennek auch diesem Konzept geschuldet?

Der Abgang von Mathias Maucksch hat uns unerwartet getroffen. Das Konzept des neuen Trainers deckte sich mit unseren Vorstellungen. Wir wollten bewusst einen Trainer, der keinen großen Bezug zur Regionalliga Nordost hat, der den Verein einfach mal von außen wahrnimmt und seine Ideen zu Veränderungen der Strukturen und Abläufe einbringt. Mit Christian Benbennek haben wir jemanden, der mit jungen Leuten im Leistungsbereich super arbeiten kann, diese besser machen kann.

Aber der Umbruch ist doch nicht nur der Vernunft geschuldet. Dynamo musste auch finanziell abspecken?

Ja, das stimmt natürlich, wir werden den Etat deutlich reduzieren. Aber das Wichtigste ist, die Saison der ersten Mannschaft ist abgesichert. Wir wollen diesen Wahnsinn, der schon zur Normalität geworden ist, nicht mitmachen.

Sie klingen wütend.

Viele Vereine leben über ihren Möglichkeiten und geben Geld aus, was sie nicht haben. Am Ende wird dann die Insolvenz beantragt, maximal neun Punkte abgezogen und weiter geht es. Erst durch eine Änderung im Lizenzierungsverfahren und strengere Regeln bei Insolvenz wird sich das ändern. Bis dahin werden viele weiter alles auf eine Karte setzen. Das ist nicht unser Weg, wir geben nur das aus, was wir einnehmen. Vorrang hat immer ein gesunder Verein, den es auch noch in vielen Jahren gibt, das steht dabei über allem!

Ihnen fehlt noch ein Brustsponsor.

Das Ende der zehnjährigen Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Partner bedeutet für uns eine Lücke in Höhe von 250 000 Euro. Aber uns geht es nicht ums Geld allein. Wir schnüren ein riesiges Paket nach Wunsch und stellen unsere Brust als Werbefläche zur Verfügung, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Soziales Engagement ist uns sehr willkommen. Gerade bei der Finanzierung der angestrebten Umstellungen im Nachwuchs sowie bei unserem Kindergartenprojekt. Mit über 800 Kindern und Jugendlichen im Klub ist das nur mit Mitgliedsbeiträgen allein nicht zu stemmen.

Die Liga ist ja inzwischen fast zu einer Berlin-Brandenburg-Spielklasse geworden mit dem Abstieg von Cottbus und dem Aufstieg von Lichtenberg 47.

Ich freue mich auf beide Spiele. Ein Derby im Stadtbezirk hat seinen eigenen Reiz und die Spiele gegen Energie sind für unsere Fans immer interessant. Dazu kommen viele kurze Fahrten zu den Spielen. Leider gibt es in Berlin nicht ein Format wie die Sendung Sport im Osten beim MDR. Bei mittlerweile zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg müsste das medial besser begleitet werden, beispielsweise durch Livestreams. Die Regionalliga hat eindeutig zu wenig Präsenz in der Öffentlichkeit.

Aber das Interesse an Dynamo selber ist in der letzten Saison deutlich zurückgegangen.

Ja, die letzte Saison hat uns und den Fans den Spaß am Fußball genommen, was auch den lustlosen Auftritten der Mannschaft geschuldet war. Der BFC hat viele Sympathisanten in der Stadt, was bei den letzten DFB-Pokalspielen deutlich sichtbar war. Mit Bautzen, Meuselwitz oder Auerbach kannst du keinen hinter dem Ofen vorlocken, dass geht nur mit Gegnern wie Rostock, Braunschweig, 1860 München oder Magdeburg, eine Liga höher. Aber im Verein spürt man eine Euphorie, als ob jeder auf einen Neuanfang gewartet hat. Wir werden unseren Nachwenderekord an Dauerkarten deutlich übertreffen und erstmals über 500 Dauerkarten vor der Saison verkaufen. Das ist für uns ein Signal und eine Bestätigung der Fans, das viele den Weg des Umbruchs mit uns gehen wollen. Das macht mich stolz und dankbar.

Welche Probleme erwarten Sie durch den Neubau des Jahnsportparks?

Wir sind in sehr guten Gesprächen mit dem Berliner Senat und den zuständigen Verantwortlichen, weil der Umzug ins Sportforum die einzige sinnvolle Alternative für den BFC darstellt. Leider sieht es der Leiter des Sportforums nicht so, was die Sache nicht einfacher macht. Wir merken jedoch in den Sitzungen mit dem Senat, dass man uns nicht alleine lässt. Für die Dauer des Neubaus ziehen wir ins Sportforum und kehren mit der geplanten Stadioneröffnung wieder in den Jahnsportpark zurück.

Das Gespräch führte Mathias Bunkus.