Peter Pekarik (r.) schaffte mit der Slowakei durch ein 4:2 nach Elfmeterschießen gegen Irland den Einzug ins Playoff-Endspiel für die Europameisterschaft. Gegner im November ist Nordirland.
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BerlinDie Nationalmannschaft der Slowakei hatte 17 Jahre nach der Trennung von Tschechien eigentlich schon das Größte erreicht. Die sozialistische CSSR hatte mit ihrem Fußballteam über Jahrzehnte immer wieder im Weltfußball für Furore gesorgt. Nun war die Slowakei alleine zum ersten Mal bei einer WM dabei. Im fernen Südafrika galt sie 2010 in der Vorrunden-Gruppe F als sympathischer Exot. Ein 1:1 gegen Neuseeland, ein 0:2 gegen Paraguay. Die Aussichten auf ein Weiterkommen waren bescheiden. Denn der letzte Gruppengegner war der amtierende Weltmeister. Doch es kam alles ganz anders. Am 24. Juni 2010 sorgte die kleine Slowakei im Stadion von Johannesburg für die WM-Sensation, kegelte Italien mit 3:2 aus dem Turnier und war im Achtelfinale.

Dieser Tag ist bei Herthas Peter Pekarik ganz fest im Herzen und in den Erinnerungen eingebrannt. Er war damals 23 Jahre alt und als Stammspieler dabei, als der David den Goliath schlug. „Wir haben an diesem Tag unser ganzes Land glücklich gemacht. Die Menschen haben vor Freude auf den Straßen getanzt. Wir Spieler haben damals in Südafrika im Mannschaftshotel die Bilder im Fernsehen gesehen und waren unfassbar glücklich und stolz“, erinnert sich Pekarik immer wieder gerne.

Der rechte Außenverteidiger ist sonst kein Freund der überschwänglichen Worte. Er ist ein ruhiger Vertreter in der Unterhaltungsbranche Fußball. Doch dieses Erlebnis hebt er immer hervor. Es ist ihm nicht nur wichtig, es ist sein stiller Antrieb – seit mehr als einem Jahrzehnt. Der 33-Jährige macht seinen Job, zuverlässig und ohne Murren, wenn er nicht spielt.

Zwei Jahre nach der Sensation von Johannesburg kam er vom VfL Wolfsburg zu Hertha BSC in die Zweite Liga. Sechs Jahre war er unverzichtbarer Stammspieler bei den Blau-Weißen. Damit war in der Saison 2018/19 beim ehemaligen Hertha-Trainer Pal Dardai Schluss. Pekarik machte nur noch drei Bundesligaspiele. Seine Zeit bei Hertha schien abzulaufen, weil ihn viele im Verein für zu alt, zu langsam und zu offensivschwach hielten. Doch der solide Abwehrspieler ließ sich nicht davon beeindrucken. Selbst im Sommer 2019 formulierte er für viele überraschend seine Wünsche: „Ich möchte so viele Spiele wie möglich für Hertha machen, um mich damit weiter für das Nationalteam zu empfehlen. Ich will noch einmal ein großes Turnier spielen und mit der Slowakei bei der EM dabei sein.“

Bei den meisten Menschen erntete er dafür ein freundliches Lächeln, gepaart mit einem Schuss Mitleid. Die Einordnung, dass Pekarik ein alternder Profi ist, der einer Illusion auf seinen letzten Karrieretagen hinterherrennt, wurde auch zunächst brutal bestätigt. Keine Einsätze bei Dardai-Nachfolger Ante Covic, auch nicht bei Jürgen Klinsmann.

Erst Bruno Labbadia entdeckte die wahren Qualitäten des Slowaken. Er brauchte in der kriselnden Hertha für die verunsicherte Mannschaft im Mai erfahrene Profis. Pekarik spielte nach der Corona-Zwangspause in allen neun Restpartien der Saison. Sein am 30. Juni auslaufender Vertrag wurde am selben Tag um ein weiteres Jahr verlängert. In seiner bescheidenen und gelassenen Art sagte er: „Ich bin nun schon seit acht Jahren in Berlin und freue mich, dass ich auch weiterhin Herthaner bleibe.“ Seine Beharrlichkeit, sein Fleiß hatte sich ausgezahlt, und in ihm schlummert seitdem noch mehr das große Ziel.

Donnerstag, kurz vor Mitternacht, ist Pekarik der Euromeisterschaft wieder ein Stück näher gekommen. Mit der Slowakei bezwang er im Halbfinale der EM-Qualifikation Irland nach einem Elfmeter-Krimi 4:2. Das Endspiel um einen der vier letzten Plätze für das paneuropäische Turnier findet gegen Nordirland am 12. November statt. Pekarik könnte in diesem seltsamen Corona-Jahr der große Gewinner bei Hertha werden. Ganz still, beinahe heimlich. Das ist fast so eine große Sensation wieder der WM-Sieg gegen Italien vor zehn Jahren.