Berlin - Peter Schlickenrieder scharrt vor der „Drei-Loipen-Tournee“ mit den Hufen. „Die Vorfreude ist riesig – und der Auftrag klar. Wir wollen Olympiatickets lösen“, sagt der nimmermüde Bundestrainer, der selbst an Weihnachten in Gedanken schon bei der Tour de Ski war. Schließlich warten ab Dienstag sechs Rennen in drei Ländern auf das deutsche Langlaufteam, das bislang eine unerwartet erfreuliche Saison erlebt hat.

Doch nun kommt es knüppelhart: Erst geht es in die tief verschneite Schweiz, dann rund um den Jahreswechsel auf die WM-Strecke in Oberstdorf und schließlich zum mörderischen Finale nach Italien – alles innerhalb von acht Tagen. „Wir erwarten keine Wunderdinge, gerade der Einstieg könnte etwas schwerer fallen. Aber ich denke, dass wir in Val di Fiemme zu alter Stärke zurückkommen und dort ein starkes Finish hinlegen“, sagt Schlickenrieder.

Weil Topstars wie Überfliegerin Therese Johaug entweder ganz fehlen oder wie der dreimalige Olympiasieger Johannes Hösflot Kläbo (beide Norwegen) schon nach den Rennen in Lenzerheide aussteigen, ist Schlickenrieders Team durchaus für Ausreißer nach oben gut. Janosch Brugger, Thomas Bing und Andreas Katz haben daher den „klaren Auftrag“, zweimal in die Top 15 zu laufen und somit das Ticket für Peking zu buchen.

„Wir wollen in voller Mannschaftsstärke zu Olympia“, fordert Schlickenrieder. Routinier Jonas Dobler, Lucas Bögl und Friedrich Moch sowie mit einer halben Norm auch Florian Notz haben früher als erwartet ihr Olympia-Soll erfüllt – freilich auch, weil beim Weltcup in Ruka zahlreiche Stars nicht am Start waren. Gleiches gilt bei den Frauen für Hoffnungsträgerin Katharina Hennig und Victoria Carl sowie zur Hälfte Pia Fink.

Carl wird daher nach den Etappen in Oberstdorf wieder ins Training zurückkehren, bei der zuletzt erkälteten Hennig ist die Tour-Planung unsicher. „Ich würde gerne durchlaufen, wenn der Körper mitmacht. Am Ende würde ich mich über eine Top-Ten-Platzierung freuen“, sagt Hennig. Vor allem in den Etappen über zehn Kilometer rechnet sich die 25-Jährige etwas aus, beim Weltcup-Auftakt in Ruka war sie über diese Distanz sogar Dritte geworden, nur wenige Sekunden hinter der seit Jahren alles überragenden Therese Johaug. In den Sprint-Entscheidungen war das DSV-Team dagegen zuletzt ohne Chance, Hennig ist daher die Hoffnungsträgerin im Team von Bundestrainer Peter Schlickenrieder.

Den Schlussakkord bildet am 4. Januar wie gewohnt der „Final Climb“ auf die Alpe Cermis, bei dem es die letzten vier Kilometer nur noch bergauf geht. Ein großer Teil des Feldes verzichtet dort fast schon traditionell auf den Start. Doch wer den ersten bedeutenden Titel des Winters gewinnen will, muss sich nach der einwöchigen „Tor-Tour“ noch ein letztes Mal quälen.