Berlin - Mit weit ausgebreiteten Armen stand Peyton Siva Sonntag Nachmittag an der Bande. Vor Selbstvertrauen und Adrenalin strotzend, ließ er sich vom Publikum feiern. Der Guard hatte gerade mit einem ebenso schwierigen wie wichtigen Dreier das 80:74 für Alba erzielt und die Entscheidung im Duell mit dem Deutschen Meister und Dauerrivalen Bamberg besorgt: 81:75 stand es am Ende.

Dabei hatten die Berliner vor der Partie keine Gewissheit gehabt, in welcher Verfassung der Titelverteidiger aus Bamberg auftreten würde. Der hatte zwar zwei Tage zuvor die griechische Spitzenmannschaft Panathinaikos Athen beim 95:74 deklassiert, doch zuvor in der Bundesliga eine herbe Niederlage in Bonn mit 37 Punkten Differenz kassiert.

Emotional aufgeladen

Sonntag waren es dann auch die Berliner, die den besseren Start erwischten. Angeführt durch fünf Punkte und zwei Korbvorlagen des wie immer soliden Marius Grigonis, legte Alba einen 11:5-Lauf auf das Parkett.

Während dieser die 11.431 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof begeisterte, sahen sich die Gäste früh zur ersten Auszeit gezwungen. Dass diese durchaus Wirkung hatte, war an dem 8:0-Lauf zu erkennen, welchen die Franken anschließend hinlegten und der zum 11:13 aus Berliner Sicht führte. Es sollte der Auftakt in eine ebenso spannende, wie emotional aufgeladene erste Halbzeit sein.

Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Weil sie dabei mitunter durchaus hart zur Sache gingen, erhielt auch bereits erwähnte Emotionalität Einzug in Spiel und Halle. Ein Effekt der dadurch verstärkt wurde, dass die Schiedsrichter sich mit einer Reihe an zumindest diskussionswürdigen Pfiffen beim Berliner Publikum unbeliebt machten.

Lucca Staiger dreht auf

Umso größerer Beliebtheit erfreuten sich Luke Sikma und Peyton Siva. Während Sikma gemäß seinem Ruf als Allzweckwaffe nicht nur 17 Punkte erzielte, sondern auch noch zehn Rebounds einsammelte und drei Assists verteilte, bewies Aufbauspieler Peyton Siva wieder einmal seinen großen Wert für Alba.

Zwar plagt Siva sich nach seiner Schulterprellung noch immer mit Schmerzen herum, dennoch drehte er kurz vor und nach der Halbzeit mächtig auf. Mit einem Dreier und zwei Freiwürfen besorgte er den 36:31-Pausenstand und zeigte sich auch 15 Minuten später gut aufgelegt. Das Ergebnis waren zwei schnelle Dreier und ein Korbleger durch den Guard, die in Kombination mit einem Sikma-Hakenwurf und einem Giffey-Dunk für eine 56:41-Führung sorgten. „Das dritte Viertel war sehr entscheidend“, sagte Alba-Kapitän Niels Giffey nach dem Spiel und führte aus: „Wir haben da viel Selbstbewusstsein gewonnen.“

Dass dieses Selbstbewusstsein noch von großer Bedeutung werden sollte, lag daran, dass im Schlussabschnitt über weite Strecken die Bamberger dominierten. Vor allem der ehemalige Berliner Lucca Staiger taute plötzlich auf. Mit drei Dreiern in Serie, einem davon sogar mit Foul, brachte der Flügelspieler die Gäste quasi im Alleingang wieder ins Spiel, verkürzte auf drei Punkte Rückstand und ließ die Berliner Fans in der Arena zittern.

Ein Signal an den Rest der Liga

Dass dieses Zittern anschließend allerdings schnell wieder durch Jubel, Begeisterung und positive Emotionen abgelöst wurde, war abermals Peyton Siva zu verdanken. Der beantwortete Staigers Vierpunktspiel nämlich ebenfalls per Dreier. Spätestens der oben beschriebene fünfte und letzte Treffer Sivas aus der Distanz machte ihn dann zum Helden des Nachmittags. „Peyton hat heute richtig gut gespielt“, erkannte auch Niels Giffey anschließend an.

Ebenso unbestritten wie die überragende Leistung Sivas ist dabei auch die Bedeutung des Sieges. Der hilft Alba nämlich nicht nur dabei, sich auf Tabellenplatz zwei festzusetzen, sondern ist gleichzeitig ein Signal an den Rest der Liga. Ein Signal, das zeigt, dass Alba in dieser Spielzeit auch die wichtigen Spiele gewinnt. Mit viel Selbstvertrauen und einem starken Siva.