Pierre Pujol ist einer, der gerne zaubert. Mal wird eine Abwehr direkt zum Zuspiel – was zuweilen auch seine eigenen Mitspieler überrascht –, mal variiert er in der Aufschlagstechnik, immer wieder mit unerwarteten Pässen. Der quirlige Franzose, Zuspieler der BR Volleys, hat Spaß am Spiel. Das bewies der 35-Jährige auch am Dienstagabend vor 4 329 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle, als er mit den Volleys die Helios Grizzlys Giesen mit 3:0 (25:18, 25:16, 26:24) schlug und im zweiten Saisonspiel den zweiten Erfolg einfuhr.

Pujol kennt die Atmosphäre bei Heimspielen schon aus seiner ersten Spielzeit in der Hauptstadt, auch deswegen hielt sich die Nervosität in Grenzen. „Die Atmosphäre war ein Hauptgrund für mich, wieder für Berlin zu spielen. Darauf habe ich mich sehr gefreut“, sagt er. „Für mich ist der Spieltag der beste Tag der Woche. Du darfst spielen, du darfst das machen, was du willst und kannst.“

Grankin bleibt die Nummer 1

 Als Zuspieler ist Pujol Dreh- und Angelpunkt im Spiel, er kommuniziert viel, bringt Energie auf das Feld. Manchmal zu viel. „Wir haben großes Vertrauen in Pierre, er macht das sehr gut – solange er nicht überdreht“, sagt Kaweh Niroomand, Geschäftsführer des Vereins, trocken.

Es ist eine Luxussituation für die BR Volleys, dass Pujol eigentlich als zweiter Zuspieler eingeplant ist. Mit Sergej Grankin wird in Kürze die Nummer eins zurück in Berlin erwartet, der Russe war noch im Einsatz für sein Nationalteam. Dass die Volleys den Saisonstart ohne Grankin sowie die US-Amerikaner Benjamin Patch und Jeffrey Jendryk schadlos überstanden haben, liegt auch an Pujol. Vielleicht schon beim Supercup am Sonntag (14 Uhr/Sport1) gegen Friedrichshafen, spätestens aber zum nächsten Ligaspiel wird er für Grankin wieder weichen müssen.

Topspieler in Japan

Bei den BR Volleys funktionierte nach dem Auftakterfolg gegen Königs Wusterhausen auch gegen Giesen bei Weitem noch nicht alles, aber angesichts der Umstände – eine komplizierte Vorbereitung und ohne drei etatmäßige Startspieler – doch schon erstaunlich viel. Und vor allem viel mehr als im vergangenen Jahr, als es spielerisch zu ähnlichem Zeitpunkt deutlich mehr Luft nach oben gab. „Viele Abläufe können ja noch gar nicht da sein. Dass wir auch ohne die drei Topspieler, die noch in Japan sind, trotzdem eine gute Qualität erreichen können, beruhigt“, bestätigt Niroomand. „Dass jetzt noch einmal neue Spieler dazukommen, beschleunigt den Prozess natürlich nicht unbedingt.“

Am Sonntag wird das Trio voraussichtlich erstmals im Kader stehen, das Duell mit Pokalsieger Friedrichshafen ist ein weiterer Härtetest für den deutschen Meister.