Plan B: Warum Alba seine Offensive variabler gestalten will

Es läuft. Akeem Vargas steht hinter der Drei-Punkte-Linie, wirft auf den Korb, trifft, bekommt den Ball zurückgepasst, wirft, trifft. Auf der anderen Seite der Trainingshalle dieselbe Übung: Albas Power Forwards Tim Schneider und Hendrik Drescher werfen und treffen. „Das Spiel von außen ist unsere Stärke im Moment“, sagt Kapitän Niels Giffey, der vom Rand des Parketts aus die morgendliche Szenerie im Blick hat. „So lange wir in dem Flow sind und alle von außen gut werfen, sollten wir genauso weiterspielen.“

Trefferquote von 49,8 Prozent

Am Sonntag stellten die Berliner Basketballer in Bremerhaven mit 17 verwandelten Distanzwürfen einen Saisonrekord auf. Pro Partie kommen sie durchschnittlich auf eine Trefferquote von 49,8 Prozent und sind damit bei den Dreiern das effizienteste Team der Bundesliga, noch vor den Bonnern. Die kommen zwar auf zehn Distanztreffer im Schnitt gegenüber 9,7 bei Alba, brauchen dafür aber mehr Versuche.

Am Sonnabend (18 Uhr, Arena am Ostbahnhof) könnte sich die Treffsicherheit erneut auszahlen. Göttingen verfügt nicht über zwei Brecher auf den langen Positionen, anders als etwa die Bayern, Bamberg oder Alba in Bestbesetzung. Bei Göttingen verkörpert Dennis Kramer mit 2,09 Metern am ehesten einen klassischen Center. „Unkonventionelle Matchups“ erwartet Giffey daher. Er könnte wieder von der Position des Small Forwards auf die des Power Forwards rücken, während Tim Schneider und Luke Sikma zwischenzeitlich als Center agieren.

Starke Distanzschützen

In einer vertrackten Angriffssituation wiederum kann ein Dreier die Lösung sein. Nicht zuletzt dann, wenn eine Mannschaft Alba mit einer Zonenverteidigung aus dem Konzept bringen will wie zuletzt Bremerhaven. Denn sie kann es sich auf Dauer nicht erlauben, gefährliche Berliner Angreifer ungedeckt außen stehen zu lassen. Immerhin verfügt Alba gleich über sechs Dreierschützen mit einer Quote von mehr als 40 Prozent, wobei Marius Grigonis auf 48,9, Niels Giffey auf 47,1 und Spencer Butterfield auf 46,1 Prozent kommen.

Doch aus einer Stärke kann eine Schwäche werden, wenn ein Team über keinen Plan B verfügt. Giffey sagt: „Die Frage ist: Wie reagiert man, wenn das Spiel einen anderen Verlauf nimmt?“ Wenn sie einen schlechten Tag erwischen und die Bälle nicht in den Korb wollen. „Wir haben uns deshalb vorgenommen, unser Spiel ein bisschen aufzufächern.“ Indem sie zum Beispiel per Pick and roll, dem Blocken und Abrollen, in die Zone vordringen.

Ein variables Spiel ist gefragt

„Es hängt aber immer davon ab, wie die gegnerische Mannschaft in der Verteidigung steht“, sagt Albas Trainer Aito Garcia Reneses. Wichtig sei daher, die Balance zwischen dem Spiel außen und innen zu finden, wichtig sei also die Fähigkeit umzuschalten, aber auch auf die Offensivrebounds komme es an, die zweite Chancen eröffnen, sei es durch einen Pass aus der Zone heraus oder den Abschluss am Brett.

Von einem variablen Spiel dürfte Alba auch am Sonntag Woche profitieren. Dann tritt das Team bei den Bayern an. Bogdan Radosavljevic könnte nach seiner Schulter-OP im Februar wieder auf dem Parkett stehen. Giffey sagt: „In diesem Spiel würde uns Bogi sicher helfen.“