Sevilla - Es mutete irgendwie surreal an, als sich Joachim Löw hinter dem Podium erhob und die schwarze Maske über seinen Mund schob. Sichtlich angeschlagen hatte der Bundestrainer nach der 0:6-Lehrstunde von Sevilla in der virtuellen Pressekonferenz zwar Rede und Antwort gestanden, aber selten wirkten rund um die deutsche Nationalmannschaft so viele Fragen offen wie nach der Abfuhr gegen Spanien. Das verspielte Final-Four-Turnier in der Nations League stellte im Olympiastadion der andalusischen Provinzhauptstadt das mit Abstand geringste Übel dar, geht es doch jetzt darum, ob Löw wirklich der richtige Mann auf seinem Posten ist.

„Ob ich mir Sorgen um meinen Job machen muss“, sagte der 60-Jährige, „müssen sie andere fragen.“ Immerhin sprang ihm Oliver Bierhoff fast zeitgleich am ARD-Mikrofon zur Seite. „Das Vertrauen ist da, daran ändert auch dieses Spiel nichts“, erklärte der für die Nationalmannschaften zuständige DFB-Direktor. Doch der 52-Jährige hat die Antennen weit ausgefahren. Dass Bierhoff am Wochenende etwas überraschend erklärte, der Vertrauensbeweis für Löw sei vom Abschneiden bei der EM 2021 abhängig, wirkt plötzlich wie eine düstere Vorhersehung. Selten begleiteten den DFB-Tross so viele Zweifel wie am Mittwoch beim Rückflug nach Düsseldorf mit Zwischenstopp in München.

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