Berlin - Karl Geiger zeigte zufrieden den Daumen nach oben, im dichten Schneefall stach sein Gelbes Trikot noch etwas mehr heraus. Einen Tag nach seinem furiosen Auftaktsieg trotzte der 28 Jahre alte Oberstdorfer auch am Sonntag im winterlichen Nischni Tagil der Kälte Russlands und belegte den zweiten Rang. „Traumstart. Gelb trage ich übrigens gerne“, schrieb Team-Weltmeister Geiger in den Sozialen Medien. Den Sieg im zweiten Einzel sicherte sich am Sonntag der Norweger Halvor Egner Granerud. Dritter wurde Österreichs Stefan Kraft.

Die Coolness von Karl Geiger beeindruckte sogar Deutschlands bisher letzten Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald. Nach dem zweiten Platz des Oberstdorfers am Sonntagabend in Nischni Tagil lobte der 47-Jährige in seiner Funktion als Fernsehexperte: „Ich glaube, dass der das gar nicht mitkriegt, ob es schneit oder windet.“ Geiger hatte zuvor bei widrigen Windbedingungen und immer stärkerem Schneefall einen Topsprung gezeigt und Podestrang zwei hinter dem norwegischen Sieger Halvor Egner Granerud erobert.

So gut wie zuletzt Severin Freund im Jahr 2015

Noch am Vortag hatte sein saisonübergreifend dritter Einzelsieg in Serie dem Top-Skispringer aus dem Allgäu nicht nur das begehrte Leibchen des Gesamtführenden beschert, sondern auch eine Siegesserie, wie sie seit Severin Freund 2015 kein anderer Deutscher mehr vollbracht hatte. „Ich bin extrem glücklich über diesen großartigen Start. Mir hat es schon unter den Nägeln gebrannt, ich wollte jetzt loslegen. Mit einem Sieg zu starten, ist unglaublich. Ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr raus“, sagte Geiger.

In den bevorstehenden langen Schanzen-Winter mit Höhepunkten bei der Vierschanzentournee, den Olympischen Winterspielen in Peking und der Flug-WM in Norwegen ist der als konstanter Garant bekannte Geiger perfekt gestartet. Mit 180 Punkten darf er das Gelbe Trikot zudem mit ins finnische Ruka nehmen, wo er es am kommenden Wochenende bei zwei Einzeln erneut gegen die großen Rivalen Granerud und den am Sonntag disqualifizierten Ryoyu Kobayashi verteidigen muss.

Für Geiger spricht eindeutig der Trend. Die vergangene Saison hatte er eindrucksvoll mit zwei Einzelsiegen in Planica, vier WM-Medaillen und weiteren Podestplätzen beim Fliegen und in Rumänien beendet. Neben vielen sportlichen Erfolgen fielen auch die Geburt der Tochter Luisa und eine Corona-Infektion in die heiße Phase der Saison. Am Sonntag kommentierte Geiger seinen Start in der 350.000-Einwohner-Stadt am Ural so: „Platz eins und zwei, das hätte ich mir jetzt so auch noch nicht erdacht. Ich hoffe, dass alles so weitergeht, dass wir alle gesund bleiben.“

In die neue Saison ist er nun so gestartet, wie man es sich als Top-Athlet nur wünschen kann. „Das hat jetzt richtig Spaß gemacht“, sagte Geiger, der quasi das ganze Wochenende grinste. Beim ersten Wochenende des Winters flankierten ihn seine Kollegen, deren Freude auch hinter den FFP2-Masken bestens zu sehen war.

Andreas Wellinger holt erste Weltcup-Punkte seit 2019

Auch die Ergebnisse von Geigers Kumpel Markus Eisenbichler und Rückkehrer Stephan Leyhe machten dem Horngacher-Team Hoffnung. „Eisei“ schaffte als Sechster und Achter zwei sehr ordentliche Resultate, für Leyhe sind nach einem Kreuzbandriss die Plätze 14 und 10 sowie die damit verbundenen Weltcup-Punkte schon ein Erfolg. „Das Fazit fällt gut aus. Ich würde sagen, ich habe mich von Sprung zu Sprung gesteigert. Ich bin mehr als zufrieden“, sagte Leyhe. Olympiasieger Andreas Wellinger holte zum Abschluss des Wochenendes als 17. Weltcup-Punkte – erstmals seit 2019.

Für die Organisatoren weniger erfreulich war, dass es schon am ersten Weltcup-Wochenende Corona-Fälle gab. Bei einer kurzfristig einberufenen Testung wurden unter anderem ein deutscher Betreuer und zwei Springer aus Polen und den USA positiv getestet. Die Personen wurden isoliert, auf die Wettbewerbe hatten die Ausfälle keine große Auswirkung. Bundestrainer Horngacher sprach von einer „massiv schlechten Quarantäne“, in der sich der deutsche Betreuer befinde. Mit den Russen sei „nicht leicht Kirschen essen“, fügte der Coach an.