Platzmangel: Berlins Vereine kämpfen mit Standortwechseln

Sie müssten mal wieder nachschauen. In der Oderstraße, wo die Tische schon seit zwei Jahren lagern und darauf warten, dass sie gebraucht werden. Also Anfang 2019, vielleicht. Niemand kann das so genau sagen beim Club für Leibesübungen Berlin 1965 (CfL), nicht in der Tischtennisabteilung, nicht im Vorstand des Spartenvereins, zu dem Gudrun Seeliger gehört. Sie sagt: „Es kann nur besser werden.“ So viel steht wenigstens fest.

Seit Herbst 2015 arrangieren sie sich mit der Situation. Damals wurde ihre Sporthalle am Elfenweg in Neukölln requiriert. Flüchtlinge zogen ein. So wie in 57 andere Berliner Sporthallen auch. 31 sind inzwischen wieder für Vereine nutzbar. Am heutigen Montag zum Beispiel geht die Rudolf-Harbig-Halle offiziell wieder ans Netz, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Wobei ein Netz ein schönes Bild ist, weil sich das nach wie vor eingeschränkte Platzangebot auch auf Vereine auswirkt, die nicht direkt betroffen zu sein scheinen.

Auf den CfL etwa. „Wir bekommen den Engpass doppelt zu spüren“, sagt Gudrun Seeliger. Da ist zunächst die Tischtennisabteilung. Sie musste in die Halle der Oskar-Heinroth-Schule umziehen, die weniger Platz bietet. Statt wie zuvor an zwölf können sie jetzt nur noch an sechs, maximal neun Tischen trainieren. Die übrigen wurden in jenem Raum an der Oderstraße eingelagert, den das Bezirksamt Neukölln zur Verfügung stellt.

„Inzwischen hat sich das Niveau stabilisiert“

„Die Folgen des Umzugs waren sofort zu spüren“, sagt Seeliger. „Viele Mitglieder der Tischtennisabteilung traten sofort aus.“ Kinder und Jugendliche, aber auch Senioren sahen sich nach Angeboten in der Nachbarschaft um, beim TSV Rudow etwa. Oder sie gaben den Sport ganz auf. Danach verließen Trainer den CfL, weil die Bedingungen nicht mehr so gut und der Bedarf nicht mehr so groß waren.

Der Exodus wirkte sich umso gravierender auf die Abteilung aus, da sie bis zum Verlust der angestammten Halle einen stetigen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnete, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Nun schrumpfte die Sparte um die Hälfte auf 150 Mitglieder. „Inzwischen hat sich das Niveau stabilisiert“, sagt Seeliger.

Nicht nur Tischtennis ist beim CfL vom Platzmangel betroffen, auch der Rest des Vereins mit seinen fünf Abteilungen, weil er Teil eines Netzwerkes ist. „Wir stehen ja im Kontakt mit den Vereinen im Bezirk und unterstützen uns, so gut es geht“, sagt Gudrun Seeliger. Als die Handballer des SV Buckow ihre Spielstätte verloren, kamen sie in der Halle unter, die von den Hockeyteams des CfL genutzt wird. Die opferten einen Trainingstag für den Nachbarn.

Eigentlich sollte sich die Situation längst entspannt, der CfL seine Halle am Elfenweg zurück haben, doch warf ein zunächst unbemerkter Wasserschaden den Terminplan völlig über den Haufen. Zeitweilig stand ein Abriss des Gebäudes zur Debatte, weil Feuchtigkeit das Fundament angegriffen hatte. Die Sanierung ist nun doch billiger, kostet aber Zeit. „Zumal Baufirmen schwer zu bekommen sind, vor allem solche, die sich auf Sporthallen spezialisiert haben“, sagt Gudrun Seeliger, die in der Sport AG des Bezirks Neukölln und beim Berliner Hockey-Verband als Jugendwartin tätig ist.

„Vereine über mehrere Standorte verstreut“

Es vergeht kaum eine Woche, in der die Funktionärin nicht mit einem Problemfall konfrontiert wird, sie sagt: „Wir warten auf die nächste Hiobsbotschaft.“ Wie jene, die unlängst aus dem Cole Sports Center in Zehlendorf kam. Eigentlich sollte die Arena längst zurück am Netz sein. „Doch dann hieß es: Tut uns leid, es wurden die falschen Brandschutztüren eingebaut.“ Jetzt wird weitergewerkelt, parallel zum Trainingsbetrieb, immerhin.

Oder der SC Charlottenburg. Dessen Halle der Waldoberschule in Westend war seit Dezember 2014 blockiert, 30 Trainingsstunden musste der Klub streichen. Nun steht in der Liste des Landessportbundes (LSB) mit den ehemals als Flüchtlingsherbergen genutzten Arenen hinter der Waldoberschule, unter dem Punkt Übergabe: „Ja (genaues Datum unbekannt).“

Thomas Härtel ist Vizepräsident des LSB, er sagt: „Wir erwarten, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, damit die Hallen schnellstmöglich wieder für den Sport zur Verfügung stehen.“ Härtel sagt: „Der Druck ist groß.“ Immer noch sind „Vereine über mehrere Standorte verstreut“, wie es Gudrun Seeliger formuliert.

Das macht einen Neustart am alten Standort nicht leichter. Zumal es dauert, die ramponierten Strukturen im Verein wiederherzustellen. „Wenn ein Trainer zwei, drei Jahre in einem anderen Klub gearbeitet hat, kommt der wahrscheinlich nicht mehr zu uns zurück“, sagt Gudrun Seeliger. Sie werden werben, sich an Kitas engagieren, an Schulen. Bis wieder Betrieb herrscht an den Tischen, die seit zwei Jahren schon vor sich hinschlummern, irgendwo in einem Abstellraum in Neukölln.