Sie stehen in diesem Moment allein an der Linie, den Volleyball in den Händen, Verantwortung kulminiert. Jeder hat da seine Routine. Kyle Russell streckt ihn mit einer Bewegung, die nach Ballett aussieht, weit vor seine breite Brust, dann holt er Luft, bevor er zum Sprungaufschlag ansetzt. Sebastian Kühner prellt den Ball auf den Hallenboden, manchmal führt er ihn hinter dem Rücken von der einen Hand in die andere, bevor Wurf und Sprungaufschlag mit links folgen. Bei Georg Klein oder Jeff Jendryk ist der Ablauf schneller, ihre Anläufe kürzer, sie stupsen den Ball als Flatteraufschlag übers Netz. Sergej Grankin sucht meist das Risiko, scheint im Flug stillzustehen, die Arme wie beim Pfeilabschuss in Position. Manchmal serviert er kurz, direkt in die Lücke.

Der Aufschlag im Volleyball ist wichtig, in den Play-offs wird er noch wichtiger, „in den schwierigen Spielen gegen die besten Teams macht er am meisten Sinn“, sagt BR Volleys-Trainer Cedric Enard. „Es ist die einzige geschlossene Aktion ohne Mitspieler- oder Gegnerkontakt. Nur der eigene Wurf. Du kannst ihn mit taktischer Absicht ausführen, mit Aggressivität, mit Risiko. Darüber musst du dir vorher im Klaren sein.“

BR Volleys leisten sich zu viele Fehler

Im ersten Play-off-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft am Mittwoch in Innsbruck unterliefen den Berliner Spielern 25 Aufschlagfehler bei vier Assen. Die Bilanz der Alpenvolleys: 18 Fehler, sechs Asse. „Der Aufschlag war ein Grund, warum wir 1:3 verloren haben“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Der andere war, dass wir unsere Breakchancen nicht genutzt haben, zu oft haben wir nach einem abgewehrten Ball die Chance, den Punkt zu machen, fahrlässig vergeben.“

In zweiten Spiel der Best-of-five-Serie wollen die BR Volleys am heutigen Sonnabend (17.30 Uhr, Schmeling-halle) den Ausgleich schaffen. Trainer Enard ist guter Dinge: „Obwohl wir schlecht aufgeschlagen haben, war es ein knappes Spiel.“

Gefährliche Aufschläge

Erfahrung hilft, um einen Aufschlag nicht nur sicher, sondern auch gefährlich übers Netz zu befördern, platziert, raffiniert, gewaltig, so dass die gegnerische Annahme Probleme bekommt. „Er muss ja etwas bewirken, ich kann ihn nicht verschenken. Der Aufschlag ist auch eine Frage von Rhythmus. Wir laufen diesem Rhythmus schon die ganze Saison hinterher. Dass wir selbst, wenn wir nicht total im Rhythmus sind, Spiele gewinnen, zeigt die Qualität der Spieler“, findet Niroomand.

Ein Großteil der Taktikvorbereitung beschäftigt sich mit dem Aufschlag. „Spiele ich Risiko oder nicht? Spiele ich in die Zone, per Float, kurz, lang, wen gucke ich mir aus?“, meint Niroomand. Zwei, drei Spieler haben keine Vorgaben, können frei entscheiden, wie sie servieren.

Verunsicherte Volleys-Spieler

Große Aufschlagprobleme hatte in den Play-offs zuletzt Benjamin Patch. „Er ist in der Lage großartig aufzuschlagen“, weiß Enard, „aber er hat angefangen, zu viel nachzudenken.“ Kühner könne die gegnerische Annahme zerstören. Mal zahlt sich das Risiko aus, mal nicht. Nicolas Le Goff schlägt seit Monaten verunsichert auf. „Wir sind dabei, eine gute Variante für ihn zu finden. Sein Flatteraufschlag war nicht gut genug, bei seinem Sprungaufschlag ist das Fehlerrisiko zu hoch“, sagt Enard.

Bei den Alpenvolleys taten sich die Angreifer Kirill Klets, Pawel Halaba und Zuspieler Danilo Gelinski im Service hervor. „Zu Hause gehen sie hohes Risiko, sie sind wirklich gut“, sagt Enard, „aber in der Hauptrunde waren sie in der Schmelinghalle nicht so effizient.“ Da gewannen die Berliner mit 3:0. Ob das im Play-off-Halbfinale erneut gelingt?