Es waren 29 Punkte Differenz im ersten Spiel der Serie, 15 im zweiten. Mit zwei klaren Siegen hat sich Alba Berlin im Play-off-Viertelfinale gegen Ulm eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen. Lediglich ein Sieg fehlt der Mannschaft von Trainer Aito Garcia Reneses noch, um die nächste Runde zu erreichen. Vieles spricht dafür, dass dieses Vorhaben bereits am Sonntag in eigener Halle gelingt. Vorsicht ist dennoch geboten. „Ulm steht mit dem Rücken zur Wand, sie haben nichts zu verlieren“, sagt Martin Hermannsson.

Alba Berlins Aufbauspieler kennt diese Situation, hat sie mit der eigenen Mannschaft in dieser Saison im Eurocup erlebt. In eigener Halle wurde gegen Málaga ein 21-Punkte-Vorsprung verspielt. Hermannsson stand mit seinem Team in Spiel zwei ebenfalls mit dem Rücken zur Wand – Alba musste gewinnen, um im Wettbewerb zu bleiben; und Alba gewann, schaffte es sogar in das Finale. Auch wenn es dort eine schmerzhafte Niederlage gegen Valencia setzte, so haben die Berliner Erfahrungen gesammelt, die in der entscheidenden Phase der nationalen Meisterschaft von großer Bedeutung sein können. Ein Reifeprozess, wenn man es so nennen will.

Jeder will sich empfehlen

Dass Alba Berlin Spiele gewinnen kann, in denen der Gegner von Beginn an überrollt wird, das war bereits mehrfach in dieser Saison zu sehen. So setzte sich der Dritte der Hauptrunde in eigener Halle auch in Spiel eins durch. Ulm wurde komplett überrannt, bis zum Ende ließ kein Spieler locker. Jeder im Team möchte sich für weitere Einsätze empfehlen.

Immer dann, wenn der schnelle, aggressive und dominante Stil aber mal nicht zum Tragen kam, hatte Alba in dieser Saison Probleme. Insofern sei das letzte Hauptrundenspiel gegen Ludwigsburg noch einmal „ein guter Test gewesen“, wie Martin Hermannsson sagt. Eine Vorbereitung auf das zweite Spiel gegen Ulm, wenn man es so sehen möchte. Eine harte Gangart hatte Thorsten Leibenath seiner Mannschaft verordnet. Als er die von seinen Spielern nicht zu sehen bekam, musste Ulms Trainer die Wut darüber in einer Auszeit erst einmal an der Werbebande auslassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Alba gerade wieder ein zweistelliges Polster erarbeitet.

Alba mit stoischer Ruhe

Und das nicht etwa mit dem Hurra-Basketball aus Spiel eins, sondern mit einer stoischen Ruhe, die eine Spitzenmannschaft auszeichnet. Dem Kampf der Ulmer stellte Berlin Gelassenheit und Abgeklärtheit entgegen, die sich die Mannschaft auch auf europäischer Ebene angeeignet hat. Als die Gastgeber Mitte des zweiten Viertels das Spiel eventuell hätten drehen können, verwandelte Alba erst einen Fastbreak und holte nach dem anschließenden Einwurf direkt einen Ballgewinn, aus dem ein Dreier resultierte. Statt sechs Punkten Rückstand lag Berlin innerhalb von acht Sekunden mit einem Zähler in Führung. Das ist nur ein Beispiel für Ulmer Nachlässigkeiten und Berlins Umgang damit. „Am Ende waren es zu viele Fehler, die von Alba direkt bestraft wurden“, sagte Bogdan Radosavljevic im Fantalk nach der 83:98-Niederlage.

17 Ballverluste leistete sich das Team des ehemaligen Berliners, lediglich zwei Ballgewinne generierte Ulm über die gesamten 40 Minuten. Gerade einmal neun Ballverluste, dafür aber neun Steals setzten die Berliner dem entgegen. Es waren die entscheidenden Faktoren in einem Spiel, in dem die meisten Statistiken fast ausgeglichen waren, Alba aber effektiver und abgeklärter agierte. Und das, obwohl mit Peyton Siva der Routinier, das Alpha-Tier im Aufbau abermals verletzt zuschauen musste. Seine Vertreter haben ein zweites Mal gezeigt, dass sie diesen Ausfall kompensieren können. Auch das haben sie in dieser Saison bei Alba Berlin gelernt.