Der Abend begann feierlich für die Eisbären. Jens Baxmann wurde leicht verspätet für sein 800. DEL-Spiel geehrt. Und zusammen mit seinen Teamkollegen wollte er an einem neuen Anlass zur Freude arbeiten. Und dieser Plan ging auf. In der Verlängerung erlöste Mark Olver die Gastgeber mit seinem Tor zum 5:4. Mit einem Sieg in Nürnberg am Sonntag (15 Uhr) stehen die Berliner im Finale.

Gästetorwart Niklas Treutle hatten anfangs alle Hände voll zu tun. Allerdings vergaben die Gastgeber auch leichtsinnig mehrere Großchancen. Jamie MacQueen, der in der 16. Minuten einen Schuss von Kai Wissmann zum 1:0 abgefälscht hatte, sagte zwar: „Mir gefällt das Tempo, das wollen wir beibehalten und sogar noch erhöhen.“ Aufwand und Ertrag standen allerdings in keinem Verhältnis zueinander.

Die Gastgeber waren schockiert

Die Ice Tigers brauchten dann auch nur das Tempo zu erhöhen (24./25.), um innerhalb von 91 Sekunden dieses Spiel zu drehen und zum ersten Mal in dieser Serie überhaupt in der Berliner Arena in Führung zu gehen. Und zwar mit ihrer gewohnten Konterart. Beim Ausgleich musste EHC-Keeper Petri Vehanen einen Schuss abprallen lassen, das nutzte David Bjorkstrand. Beim 1:2 aus Gastgebersicht ließ sich ausgerechnet Baxmann düpieren. Weil er einen hohen Puck nicht kontrollieren konnte, stürmte Nürnberg im Zwei-gegen-Eins auf Vehanen zu, Brandon Segal verwertete. Der Schock war den Gastgebern anzumerken.

Ausgerechnet im chronisch schwachen Powerplay kamen sie eineinhalb Minuten vor der zweiten Pause aber zum Ausgleich. Marcel Noebels traf per Abfälscher, was zugleich die Bestätigung war, dass sich eine taktische Umstellung bewährt hat. Weil die Powerplay-Startformation um James Sheppard bislang wenig Durchschlagskraft erzeugte, bekamen an diesem Abend Noebels und Co. mehr Überzahlzeiten.

Luft anhalten und hoffen

Dieses Anschlusstor hatte eine entkrampfende Wirkung. Die Berliner wirkten nun wieder kreativer. Nick Petersen leitete einen satten Hieb von Blake Parlett zum dritten abgefälschten Eisbärentor um (45.). Dass die Eisbären in Powerplay sogar auf 4:2 erhöhten, weil Frank Hördler von der Blauen Linie genau zielte, passte zu einem Abend, der die bislang wildesten Wendungen aller Serienspiele beinhaltete.

Von einer Entscheidung war das Spiel zu diesem Zeitpunkt nämlich noch weit entfernt. Leonhard Pföderl wollte auch diesem Spiel seinem Ruf als oberster Eisbärenschreck wieder gerecht werden. Erst führte er die Ice Tigers mit seinem Tor heran, dann bereitete er für John Mitchell zum Ausgleich vor – innerhalb von 34 Sekunden (56.). Und so folgte die dritte Verlängerung im fünften Spiel. Und das trotz 53:31 Torschüssen und keiner einzigen Strafzeit für Berlin.

Und die Eisbärenanhänger in der ausverkauften Halle mussten einige Male die Luft anhalten, weil die Nürnberger gefährlich vors Berliner Tor kamen. In Minute 72 belohnte sich Mark Olver dann für eine starke Einzelleistung und lässt Berlin von weiteren Feierlichkeiten träumen.