Das mit dem Handtuch war natürlich anders gemeint. Rasid Mahalbasic hatte es aufs Parkett der Oldenburger Basketball-Arena geworfen, das schon. Allerdings um von der Bank aus seinem Unmut über einen ausgebliebenen Foul-Pfiff gegen die Skyliners aus Frankfurt Luft zu machen, nicht als Zeichen der Aufgabe zwei Minuten vor Schluss. Widerstand schien schon vorher zwecklos gewesen zu sein.

Das räumte dann auch Oldenburgs Trainer Mladen Drijencic ein: „Wir haben es heute nicht geschafft, unser Spiel durchzuziehen.“ Der Coach sprach von einem Rollentausch. „Wir haben am Freitag und Sonntag sehr gut gespielt.“ Und am Dienstag beim 74:90 zum Abschluss der Hauptrunde in der Bundesliga (BBL) eben schlecht. Genau anders herum, als es Alba Berlin tat, der Gegner jetzt im Viertelfinale, der am Sonntag in Gießen verlor und sich nun gegen Ulm mit einem spielerisch starken Auftritt rehabilitierte.

Play-offs im Basketball werden von einem Phänomen geprägt, das im Fußball der Pokal für sich in Anspruch nimmt. Eigene Gesetzmäßigkeiten soll der haben, ohne dass diese jemals formuliert worden wären. Im Basketball hält es mancher Trainer für hilfreich, vor der entscheidenden Saisonphase noch einmal eine Niederlage zu durchleiden, es seinem Team zumindest noch einmal schwer zu machen, damit es den Ernst der Lage erkennt. Bei Alba Berlin schätzen die Verantwortlichen das gute Gefühl des Sieges. „Wir wissen aber ganz genau, dass jetzt gar nichts mehr gilt“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi.

Einige grundlegende Fakten spielen jedoch auch am Sonnabend (18.15 Uhr) beim Start in die Serie Best of five eine Rolle. In der Arena am Ostbahnhof empfängt das jüngste Team der Play-offs aus Berlin mit einem Altersdurchschnitt von 22,6 Jahren und Luke Sikma, 28, als Senior eine routinierte Formation. 25,8 Jahre im Schnitt sind die Oldenburger alt, Rickey Paulding firmiert bei den Baskets mit 35 als der Methusalem. „Wir werden gegen sehr erfahrene Teams spielen, die das alles kennen“, sagt Baldi, „die vielleicht nicht so aufgeregt sind. Die den großen Druck für sich gar nicht so verspüren.“

Power Forward Maxime de Zeeuw, 31, hat schon einige Play-offs erlebt, fehlte allerdings am Dienstag gegen Frankfurt wegen einer Muskelverletzung. Mit dem gleichen Befund hatte sich Guard Durant Scott für die Partie entschuldigt. Brad Loesing laboriert an einem Fingerbruch. Die geschwächte Rotation in drei Spielen binnen fünf Tagen zeigte Wirkung bei den Niedersachsen.

Bei Alba pausierten die angeschlagenen Guards Joshiko Saibou und Spencer Butterfield sowie Power Forward Tim Schneider. „In den Play-offs lautet die Frage: Wer kann noch etwas zusetzen, welche Intensität kann man gehen, denn die Abstände zwischen den Spielen werden kürzer“, sagt Baldi. „Deshalb haben Teams mit einem großen Budget 16 oder 17 Leute.“ Albas Trainer Aito Garcia Reneses gewährte gegen Ulm Steve Vasturia 25:12 Minuten Einsatzzeit. Der 22 Jahre alte Guard bescherte seiner Mannschaft ohne nennenswerte Spielpraxis auf Anhieb acht Punkte und vier Assits.

„Jetzt kommt die Money Time“

Bei maximal 15 Partien bis zur Meisterschaft und einem möglicherweise fünften und letzten Finalspiel Mitte Juni wird die Tiefe des Kaders eine Rolle spielen. Der Hauptrunden-Erste Bayern München gilt daher als ein heißer Anwärter auf den Titel. „Es gibt natürlich immer Favoriten, aber ich spüre selbst, dass bisher niemand souverän durchgegangen ist.“ Oldenburg zum Beispiel besiegte Ende März die Münchner 100:77. Die beiden Duelle mit Alba gingen dagegen verloren.

„In diesem Jahr könnte die Stunde eines Teams schlagen, das keiner so richtig auf dem Zettel hat“, sagt Baldi. Die Stunde der Oldenburger? Die erreichten vorige Saison immerhin das Finale, wo sie Bamberg in drei Partien unterlagen. Seit 2013 stehen Platz zwei, drei, sieben und fünf zu Buche. „Oldenburg läuft in all den Jahren immer ein bisschen unter dem Radar“, sagt Baldi.

In der abgelaufenen Hauptrunde sortierten sich die Niedersachsen bei der Trefferquote aus dem Feld mit 50,2 Prozent direkt hinter den Bayern (54,0) und Alba Berlin (50,2) ein. Bei der Effektivität lagen sie ebenfalls knapp hinter beiden Mannschaften, wobei sich Rasid Mahalbasic mit Albas Luke Sikma in der Statistik fast auf Augenhöhe befand.

Aber was heißt das schon? „Jetzt kommt die Money Time“, sagt Baldi. „Alles, was man sich während der Saison erarbeitet hat, kann man relativ schnell wieder aus der Hand geben.“ Albas 18 Siege in Serie bis zum vorigen Sonntag, die Wahl von Reneses zum Trainer und Sikma zum Spieler des Jahres, seien zwar „ein klares Zeichen, dass Fachleute sehen, dass hier etwas aufgegangen ist, wovon nicht zwangsläufig auszugehen war“, sagt der Manager: „Wenn die Saison jetzt zu Ende wäre, könnten wir zufrieden sein.“ Aber es geht ja erst richtig los.

Eine Zahl der Hauptrunde sei trotzdem noch erwähnt. Sie spricht für eine Oldenburger Schwäche unterm Korb: 3,4. So viele Fouls hat Center Mahalbasic im Schnitt pro Partie begangen. Das bedeutet Platz vier unter den Rüpeln der BBL. Für das Handtuch gab’s ein Technisches.