Bei einem Eishockey-Quartett wäre Matthias Plachta die Trumpfkarte schlechthin. Was für ein kompletter Spieler er ist, offenbarte der Stürmer der Adler Mannheim am Dienstagabend − zum großen Leidwesen der Eisbären Berlin. Den Ausgleich zum 1:1 erzielte der 25-Jährige per Schlagschuss aus der Distanz. Bei der 2:1-Führung seiner Mannschaft staubte er ab. Beim 3:3, das die Siegträume der Hauptstädter dreieinhalb Sekunden vor der Schlusssirene so jäh beendete, hatte er sich in den freien Raum geschlichen. Und beim entscheidenden 4:3 in der Verlängerung, das Mannheim in dieser Playoff-Serie (Modus: best-of-seven) mit 1:0 in Führung brachte, schloss er einen schier aussichtslosen Alleingang mit einem Handgelenkschuss ab. 

Bis zum Heimspiel am Freitag (19.30 Uhr) müssen sich die Eisbären nun überlegen, wie sie diesen Trumpf neutralisieren können. Im Eins-gegen-Eins-Duell wird es schwierig. Kaum ein Berliner Verteidiger wird es über die gesamte Spielzeit mit Plachta aufnehmen können. Nicht umsonst galt er als Kandidat für die NHL, wechselte 2015 auch nach Nordamerika, kam über 76 Einsätze bei zwei Farmteams in der AHL allerdings nicht hinaus.

Es wird vielmehr darum gehen, als gesamte Abwehr ein Zeichen zu setzen. Jonas Müller hat eine Idee, wie das funktionieren kann: „Er muss wissen, dass er nicht noch mal so nah vors Tor kommt.“  Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis müsse man ihm vielleicht extra einen mitgeben.  Anders als beim spielentscheidenden 4:3, wo auch Müller zu den Statisten gehörte, „müssen wir noch aggressiver spielen und dürfen ihn gar nicht erst schießen lassen“.

Mit dieser Herangehensweise sollten natürlich alle Adler-Stürmer bearbeitet werden. Eisbären-Trainer Uwe Krupp sagte über diesen Viertelfinal-Auftakt: „Mannheim hat einige torgefährliche Spieler, unter anderem Plachta.“ Für ihn zählte vielmehr der sehr beachtliche Auftritt seiner eigenen Mannschaft, die den Favoriten in fremder Halle schon fast besiegt hatte: „An der Leistung meiner Mannschaft kann ich gar keine Kritik üben. Wir sind gut gestartet, haben ein gutes Spiel gespielt, wir haben gezeigt, dass wir mit Mannheim mitspielen können.“

Fehlendes Scheibenglück

Auch für Müller spielte am Mittwoch die Niederlage nicht mehr die tragende Rolle: „Natürlich waren wir alle sauer“, sagte er, „aber am Freitag kommt schon das nächste Spiel. Chancen haben wir uns genug herausgespielt.“ Das Scheibenglück, das in den Pre-Playoffs bei den Eisbären lag, hatten diesmal die Mannheimer auf ihrer Seite. Drei Berliner Schüsse landeten am Pfosten oder an der Latte. Der Ausflug Spencer Machaceks zum Tennis, als er die Scheibe aus der Luft ins Tor schaufelte, wurde nach Videobeweis nicht gegeben. Eine umstrittene Entscheidung.

Von der Mannschaft, die sich durch die Hauptrunde geschleppt hatte, ist nichts mehr zu erkennen. Auch nach dem Marathonmatch vom Freitag, das in der dritten Verlängerung überhaupt erst die Playoff-Qualifikation brachte, wirkten die Berliner spritzig und willig in den Zweikämpfen. Müller sagte: „Wir haben zu uns gefunden. In den Playoffs macht jeder noch einen Schritt mehr Richtung Tor und jeder Check wird zu Ende gefahren.“ Dass Daniel Fischbuch angeschlagen vom Eis musste, merkte man den Berlinern nicht an. Dennoch wäre sein Mitwirken am Freitag sehr wichtig, die Entscheidung  darüber fällt erst noch.

Im zweiten Spiel wird sich auch zeigen, ob die Mannheimer jetzt besser auf die Eisbären eingestellt sind. Am Dienstag wirkten sie doch sehr überrascht vom forschen Auftritt der Gäste. Mannschaften, die aus den Pre-Playoffs kommen, wirken anfangs einfach etwas rhythmischer.     Müller weicht bei seiner Antwort etwas aus: „Wir sind bereit und fit.“ Für die Adler im Allgemeinen und Plachta ganz speziell.