Playoffs in der DEL: Wie die Eisbären Berlin sich vom Teufel befreien wollen

Wie heikel gute Vorsätze sind, zeigt sich am Beispiel Constantin Braun. Normalerweise sollte ein bestimmtes Vorhaben nicht nur im unmittelbaren Silvesterumfeld Ansporn sein, sondern eine Orientierung für längere Zeit bieten. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass es dem Eisbären-Verteidiger ähnlich geht wie so vielen anderen Menschen in diesem Land, die ziemlich schnell einsehen müssen, dass sich die hochgesteckten Ziele realistisch nicht erfüllen lassen.

Braun jedenfalls strebt an, „dass wir uns unbedingt noch direkt für die Playoffs qualifizieren“. Schon diese Woche mit zwei Heimspielen gibt entscheidende Hinweise, ob dieser Vorsatz überhaupt haltbar ist. Gegen die Augsburger Panther geht es am Dienstag (19.30 Uhr) zunächst darum, im direkten Kampf um den neuralgischen sechsten Platz mal wieder ein Achtungszeichen gegen einen direkten Konkurrenten zu setzen. Geht der Plan auf, wird die Mannschaft wichtigen Schwung in die Partie gegen die Kölner Haie am Freitag aufnehmen. Patzt das Team von Uwe Krupp aber erneut, geht es vor allem darum, in den kommenden Wochen das Heimrecht für die Pre-Playoffs nicht noch zu verspielen.

Während viele Menschen den Jahreswechsel nehmen, um sich von Gewohnheiten zu trennen, ist das bei einem Eishockeyteam nicht ganz so einfach. Es reicht eben nicht aus, wenn der eine oder andere sich vorgenommen hat, die unschönen Erlebnisse zum Jahresende wie eine Zwangsjacke abzustreifen. Zwölf Stürmer, sechs Verteidiger und zwei Torhüter müssen für eine gemeinsame Vision kämpfen. Florian Busch sagt trotzdem: „Das neue Jahr fühlt sich schon wie ein gewisser Neustart an. Wir müssen uns endlich mal wieder belohnen.“

Eklatante Abschlussschwäche

Das vielleicht größte Problem in diesen Tagen ist die eklatante Abschlussschwäche. „Es ist der rote Faden, der sich durch die letzten Spiele zieht, dass wir aus unseren Torchancen nicht genug Kapital schlagen“, sagt Krupp. Nick Petersen traf beim 1:3 in München nach zuvor sieben Spielen ohne eigenes Tor zwar wieder. Mit 13 Toren und 19 Vorlagen führt er das Scorer-Ranking der Eisbären an. Vom Scharfschützen der Saison-Anfangsphase war allerdings zuletzt nicht viel übriggeblieben. Der spielerisch wohl konstanteste Stürmer der Saison, Darin Olver, fällt nach einem Teilriss des Innenbandes noch etwa fünf Wochen aus.

Alle anderen Stürmer eint, dass sie bislang nicht über einen längeren Zeitraum hinweg überzeugen konnten. Keiner bringt es auf durchschnittlich 0,5 Punkte pro Spiel. Es gibt also eine eklatante Disbalance im Angriff, die das Berliner Spiel durchschaubar macht. Es war häufig in dieser Saison zu beobachten, wie das Eisbären-Spiel lahmt, wenn Petersen und Olver, als er noch wirken konnte, eingebremst werden. Schon das Playoff-Aus im vergangenen Jahr war unter anderem damit zu erklären, dass die einzige Top-Reihe der Hauptrunde um Olver, Marcel Noebels und Barry Tallackson nichts mehr zu melden hatte.

Sinkende Scorer-Werte

Dass Noebels kurz vor dem DEL-Saisonstart wegen eines Kreuzbandrisses ausfiel, liegt außerhalb des Planbaren. Die Statistiken der vergangenen Jahre zeigen allerdings klar, dass die Formkurve ehemaliger Leistungsträger nach unten zeigt. Kapitän André Rankel zum Beispiel galt früher als Torjäger vom Dienst. Nach seinem Karrierehoch in der letzten Meistersaison 2012/2013 mit am Ende 68 Punkten (Tore und Assists) in 61 Spielen inklusive Playoffs wurde die Ausbeute immer geringer – von 0,97 (2013/2014) auf aktuell noch 0,42 Punkte im Schnitt.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei fast allen ehemaligen Meisterstürmern zu erkennen. Bei Busch sank der Durchschnitts-Score seit dem letzten Titel von 0,79 auf jetzt 0,28. Julian Talbot stand im letzten Don-Jackson-Jahr bei 0,8 und stagniert jetzt bei 0,33. Barry Tallackson entwickelte sich von 0,71 auf 0,26. Die jungen Stürmer Laurin Braun und Sven Ziegler wiederum sind noch weit davon entfernt, in absehbarer Zeit eine Führungsrolle einnehmen zu können.

Den Anspruch, Führungsspieler zu sein, sollten auch Zugänge haben. Bei den Stürmer hatten Manager Peter John Lee und Sportdirektor Stefan Ustorf zuletzt kein glückliches Händchen. Weder Spencer Machacek, der sich voriges Jahr den Eisbären anschloss, noch die Sommertransfers Kyle Wilson und Jamie MacQueen haben eingeschlagen. Ausnahmen sind Petersen und zeitweise Daniel Fischbuch, der seine Rolle als Eiswühler erfüllt.

Die Kategorien Pech oder Schicksal, die im Sport oft zu schnell fallen, lassen sich also kaum anbringen, um die Offensivmisere der Eisbären zu erklären. Wenn es darum geht, sich „vom Teufel zu befreien, der uns momentan verfolgt“ wie es Constantin Braun formulierte, macht die Abteilung Attacke derzeit wenig Hoffnung. Entsprechend heikel sind gute Vorsätze für 2017.