Berlin - In seiner Militär-Uniform wirkt Dmytro Pidrutschnji müde. Keine zwei Wochen nach seiner Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen in Peking verteidigt der ehemalige Biathlon-Weltmeister aus der Ukraine plötzlich an der Front sein Land. „Ich bin derzeit in meiner Heimatstadt Ternopil und diene in der Nationalgarde der Ukraine. Dieses Foto wurde während des Luftalarms aufgenommen“, schrieb der 30-Jährige bei Instagram.

Hätte Russland nicht in der Vorwoche die Ukraine angegriffen und würde keinen Krieg führen, wäre Pidrutschnji gerade in Finnland. In Kontiolahti beginnt am Donnerstag mit der Staffel der Frauen der drittletzte Weltcup der Saison. Doch bei den ersten Rennen nach Olympia wird nichts mehr so sein wie zuvor. Die Skijägerinnen und Skijäger der Ukraine haben ihre Saison für beendet erklärt. Neben Pidrutschnji verteidigen weitere Landsleute die Heimat, in Julia Dschima gehört auch eine Staffel-Olympiasiegerin von 2014 dazu.

Zuspruch von internationalen Biathleten

„Ich bin allen dankbar, die mir schreiben und sich Sorgen um meine Familie machen, und denen, die die Ukraine unterstützen und helfen“, schrieb Pidrutschnji zu einem Foto, das ihn mit Helm und in militärischer Kleidung zeigt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Verfolgungs-Weltmeister von 2019 aus der Kampfzone im Westen des Landes meldet.

„Erzählt mir nicht, Sport und Politik hätten nichts miteinander zu tun. Sie haben miteinander zu tun, wenn Soldaten und Zivilisten in meinem Heimatland sterben, während du das hier liest“, hatte Pidrutschnji schon am Sonnabend bei Instagram geschrieben und fragte nach finanzieller Hilfe für die ukrainische Armee: „Ich bitte euch, uns zu helfen! Ich bitte dich, bleib nicht weg!“

Für seinen Einsatz erhält Pidrutschnji viel Zuspruch. „Bleib stark“, antwortete der frühere deutsche Weltmeister Benedikt Doll auf Pidrutschnjis Post. „Wir alle sind mit dir“, ergänzte der Italiener Thomas Bormolini. Die norwegische Olympiasiegerin Tiril Eckhoff schrieb: „Pass auf dich auf und bleib stark.“ Dazu hinterließen viele Rivalen Herzen in den ukrainischen Nationalfarben gelb und blau.

Ein Biathlet und zwei Fußballer aus der Ukraine sind gefallen

Große Betroffenheit löste indes der Tod des Nachwuchs-Biathleten Jewhen Malyschew aus, der nach Angaben des Weltverbandes im Kampf gefallen ist – ebenso wie die Fußballer Vitali Sapylo, 21, Nachwuchstorwart von Karpaty Lwiw (3. Liga) und Dimitri Martynenko, 25, vom FC Gostomel (2. Liga). Der 19 Jahre alte Malyschew galt als großes Biathlon-Talent und musste seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen. „Das ist einer zu viel. Beendet den Krieg“, forderte Johannes Thingnes Bö, der Vierfach-Olympiasieger von Peking. Der ukrainische Verband schrieb zur Schreckensnachricht martialisch: „Helden sterben nicht.“

Auch im deutschen Team ist die Situation um die Ukrainer ein großes Thema. „Das hätten wir uns nicht in den schlimmsten Träumen vorstellen können, dass so etwas passiert“, sagte Olympiasiegerin Denise Herrmann. Gemeinsam überlege man, wie man ein Zeichen setzen könne: „Wir wollen definitiv mithelfen.“