Berlin - Die Kölner Rache schmeckte süß, und Markus Gisdol kostete ausgiebig davon. „Dieser Klub ist verrückt, aber ich liebe diesen Klub“, sagte der FC-Trainer nach dem erlösenden Derbysieg bei Borussia Mönchengladbach, dem eine Party der besonderen Art folgte. Vor dem leeren Gästeblock schwenkte die FC-Mannschaft die aus dem Boden gerissene Eckfahne wie eine Trophäe, obenauf wehte das Trikot von Matchwinner Elvis Rexhbecaj.

„Rache ist süß. Ich habe einfach mein Trikot ausgezogen, und dann haben wir es auf die Fahne gepackt“, sagte der doppelte Torschütze nach dem 2:1 (1:1) im Schneegestöber. Der Eckfahnen-Jubel war die Retourkutsche für eine ähnliche Aktion von Gladbach-Torjäger Marcus Thuram im Hinspiel. „Es tut natürlich weh, wenn die Kölner so feiern“, sagte Gladbachs Weltmeister Christoph Kramer.

Als die FC-Mannschaft zwei Stunden später am Geißbockheim mit Feuerwerk empfangen wurde, war die Kölner Welt endgültig wieder in Ordnung. Wenige Stunden zuvor hatte noch ein Bruch mit den Fans gedroht. Im Internet war ein Video aufgetaucht, in dem Offensivspieler Dominick Drexler FC-Anhänger als „Spacken“ bezeichnet, die bei der Abfahrt des Busses Pyrotechnik gezündet hatten. Drexler entschuldigte sich später, saß bei der Ankunft in Köln, wo erneut zahlreiche Fans die Mannschaft empfingen, aber schon schon nicht mehr im Bus. Horst Heldt kündigte für die verbale Entgleisung bereits eine Strafe an. „Natürlich wird es die geben, das werden wir aber intern regeln. Es wird auch noch einen weiteren Spieler treffen. Wir werden überlegen, ob wir das karitativen Zwecken spenden“, sagte der Manager.

Posse um Mediendirektor

Der Derbysieg aber ließ viele Dinge vergessen, auch die Chaos-Woche mit dem Pokal-Aus in Regensburg und der Posse um den neuen Mediendirektor rückte in den Hintergrund. Gisdol, der auf dem Rasen fleißig mitfeierte, war sichtlich erleichtert. „Wenn ein Team nach so einem verrückten Tag so eine Leistung bringt, lässt man den Gefühlen freien Lauf“, sagte der Coach.

Gisdol hatte allen Grund für seinen Gefühlsausbruch, nach drei Siegen aus vier Spielen ist der Vorsprung auf die Abstiegsplätze etwas angewachsen. Gisdol wollte nach der jüngsten Kritik an seiner Person zwar von „Genugtuung“ nichts wissen, sein Gesicht ließ aber das Gegenteil erahnen. „Heute haben wir gezeigt, was wir draufhaben“, sagte er: „Wir müssen uns einfach klarmachen, was für ein Ziel wir von Anfang an hatten: den Klassenerhalt.“

Dabei helfen soll der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Rexhbecaj, der mit Toren in der 3. und 55. Minute zum Helden wurde. „Elvis ist einer der Jungs, die du als Trainer nur lieb haben kannst. Ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl, dass er eigentlich ein Kölner ist“, sagte Gisdol, der nun auf eine feste Verpflichtung hofft.