Berlin - Spitzenreiter SC Magdeburg, Rekordmeister THW Kiel und zwei Außenseiter, dazu die proppenvolle Halle – und alles live im Ersten: Der deutsche Handball fiebert stark wie lange nicht mehr dem Showdown um den DHB-Pokal entgegen. Nach harten Corona-Jahren feiert die Sportart beim letztmalig in Hamburg ausgetragenen Final Four seine lang ersehnte Wiederbelebung.

„Wir sehen wieder Zuschauer und Stimmung in der Halle. Das ist für das Produkt, aber auch für die Klubs überlebenswichtig“, sagt Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga: „Es wird Zeit, dass wir wieder zu einer Normalität zurückzukommen.“ Der Klubhandball blickt auf eine düstere Zeit zurück. Saisonabbruch, Geisterspiele, Existenzängste: Das System stand vor dem Kollaps. „Vor zwei Jahren haben wir überlegt, ob wir die Liga überhaupt fortsetzen können. Nicht nur für den Moment“, erinnert sich Bohmann. Einige Vereine standen unmittelbar vor dem Ruin.

„Jetzt sind wir wieder am Markt, jetzt können wir uns wieder beweisen“, sagt Bohmann. Nun müsse man im Wettstreit mit anderen Sportarten und Profiligen aber auch zeigen, „dass wir starke Wettbewerber sind. Aus dieser Situation kommen ganz viele wieder raus. Da müssen wir uns am Markt behaupten“.

Da kommt die Pokal-Endrunde gerade recht. Schon die Halbfinal-Paarungen am Sonnabend zwischen Rekordsieger THW Kiel und Titelverteidiger und Füchse-Bezwinger TBV Lemgo (13.30 Uhr) sowie Ligaprimus SC Magdeburg gegen Neuling HC erlangen (16.10 Uhr, alle ARD und Sky) garantieren hochklassigen Sport, die Atmosphäre mit den vier Fan-Lagern in der knapp 13.000 Zuschauer fassenden Arena tut ihr Übriges.

Seit jeher gilt das Final Four im deutschen Klubhandball als der stimmungsvolle Höhepunkt des Jahres. In diesem Jahr zieht das Event zudem einen besonderen Reiz aus der Tatsache, dass es nach fast 30 Jahren (seit 1994 in der Hansestadt) letztmals an der Elbe steigt. In Hamburg sagt man Tschüss – ab dem kommenden Jahr wird die Endrunde in Köln gespielt. „In Hamburg haben wir eine ganze Menge von rauschenden Festen gefeiert. Da haben wir natürlich ein weinendes Auge“, sagt Bohmann. Hamburg habe die Traditionsveranstaltung mit aufgebaut und „zu einem der besten Handballevents der Welt gemacht“.

Doch nach zwei Jahren Pandemie muss auch der Handball mehr denn je auf seine Wirtschaftlichkeit schauen. „Eine Halle mit 20.000 Zuschauern Fassungsvermögen bietet ganz andere Möglichkeiten“, sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker der Handballwoche. Die Aussicht und Erwartung auf deutlich höhere Einnahmen sei „sicher nachvollziehbar“.