Toni Leistner auf der Tribüne.
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DresdenDas TV-Interview war gerade in vollem Gange, dann sprang Toni Leistner über die Brüstung, lief die Stufen der Tribüne hoch und schnappte sich einen Fan von Dynamo Dresden. Der Innenverteidiger des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV packte den Anhänger am Kragen und stieß ihn zu Boden. Ein Ordner griff danach ein. "Meine Familie wurde massiv beleidigt", erklärte Leistner nach der 1:4-Pokalniederlage des HSV beim Drittligisten bei Sky seinen Ausraster.

Beleidigung hin oder her, diese Aktion dürfte für den 30 Jahre alten Neuzugang ein Nachspiel haben, auch wenn sich der neue Trainer Daniel Thioune zunächst zurückhaltend äußerte. "Ich habe nichts mitbekommen. Ich habe nur gesehen, dass Toni Leistner den Rückweg angetreten hat von der Tribüne. Da muss im Vorfeld sicher etwas passiert sein. Aber das kann ich nicht bewerten, ich habe weder Bilder noch von was das Ganze ausgegangen ist", sagte Thioune. Leistner ist in Dresden geboren und spielte von 2010 bis zum Zweitligaabstieg 2014 bei den Sachsen.

Die Szene passte zu einem völlig gebrauchten Abend der Norddeutschen. Was als Neustart gedacht war, endete in einer Blamage. Die Hanseaten offenbarten vor dem Ligastart am Freitag (18.30 Uhr/Sky) gegen Fortuna Düsseldorf riesige Probleme.

Yannick Stark (3.), Robin Becker (16.), Christoph Daferner (53.) und Sebastian Mai (90.+2./Handelfmeter) erzielten die Treffer vor 10.053 Zuschauern für den siebenmaligen Pokalsieger der DDR. "Wir haben in den ersten Minuten grobe Schnitzer gemacht", sagte Leistner.

Die Hamburger, die den Bundesligaaufstieg in der Rückrunde der vergangenen Saison leichtfertig verspielt hatten, vergaben hingegen gute Möglichkeiten und standen in der Defensive unsicher. Amadou Onana (89.) gelang nur das zwischenzeitliche 1:3.

Dynamo Dresden feiert den Pokal-Erfolg gegen Hamburg mit über 10.000 Fans im Stadion.
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Stark nutzte die erste Lücke in der neu formierten HSV-Abwehr. Daferner traf acht Minuten später nur den Pfosten, ehe Becker erhöhte. Der dreimalige Pokalsieger kam nach einer halben Stunde besser ins Spiel. Tim Leibold (36.) und Lukas Hinterseer (37.) ließen zwei gute Chancen aber ungenutzt.

Die Gäste starteten in der zweiten Halbzeit offensiv, wurden durch Daferners Distanzschuss aber überrascht. Trotz des Rückschlags versuchten die Hamburger aber noch einmal alles, hatten beim Pfostenschuss von Khaled Narey (68.) aber Pech. Nach dem Abpfiff folgte dann die Szene, die für Leistner Folgen haben dürfte.