Berlin - Diese letzte, fast schon lästige, weil sportlich unbedeutende Aufgabe ist nun also auch erledigt: Chemnitz, diesen guten Aufsteiger noch einmal geschlagen, zwei weitere – für die Platzierung nicht mehr wichtige –  Punkte geholt, vor allem aber eine Familienpackung voll Selbstvertrauen und Rhythmus aus Sachsen mit nach Berlin genommen. „Diese Siegermentalität ist wichtig“, hatte Alba-Kapitän Niels Giffey schon wenige Tage zuvor nach dem Erfolg gegen Tabellenführer Ludwigsburg gesagt, „mit dem richtigen Stil, mit dem richtigen Selbstbewusstsein zu spielen“, sei für die kommenden Wochen wichtig.

Erst Final Four, dann Start in die Playoffs

Denn erst jetzt, in diesen nächsten Wochen, wird es um die Titel gehen. Final Four um den BBL-Pokal am Wochenende in München, wenige Tage später starten die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft. Die mittlerweile von fast allen Teams absolvierten 34 Saisonspiele waren auch diesmal nur das Vorgeplänkel, die letzten Duelle mit den Spitzenteams ein wenig Säbelrasseln und Reviermarkieren vor möglichen Aufeinandertreffen in späteren Best-of-five-Serien.

Weniger mit dem 91:81 am Sonntag in Chemnitz, aber viel mehr mit dem deutlichen 100:62 in München und dem knappen 79:78 gegen Ludwigsburg hat Alba Berlin Duftmarken hinterlassen, die auch noch in ein paar Tagen zu riechen sein werden. Und die Spieler können es kaum abwarten. „Es war eine lange Saison. Jetzt das Cup-Finale und dann die Playoffs – ich kann es kaum erwarten“, schrieb Alba-Point Guard Peyton Siva auf seinen Social-Media-Kanälen, „das ist der beste Teil der Saison.“ Auch Teamkollege Jonas Mattisseck ist bereits „heiß auf die Playoffs und den Pokal“.

In beiden Wettbewerben gehen die Berliner als Titelverteidiger ins Rennen. Viele denken bereits an Endspiele gegen die Bayern oder Ludwigsburg um die Meisterschaft und den BBL-Pokal. Aber: Diese Duelle müssen verdient werden. Im Pokalhalbfinale heißt der Berliner Gegner Göttingen und muss am Sonnabend erst einmal bezwungen werden. „Wir haben sie in der Saison zweimal geschlagen, aber es ist ein brandgefährliches Team“, sagte Johannes Thiemann nach dem Sieg in Chemnitz vor dem Mikrofon von Magentasport. Der Nationalspieler und seine Teamkollegen wissen um die eigene Stärke, unterschätzen den Gegner aber keinesfalls. Erst im Falle eines Sieges beschäftige man sich mit dem Endspiel und erst am Anschluss daran mit dem Konkurrenten in den Playoffs.

Hamburg Towers sind ein unangenehmes Matchup für Alba Berlin

Natürlich haben Johannes Thiemann und der Rest des Teams mitbekommen, dass sie in der Meisterrunde, die am 19. Mai beginnt – deren genaue Termine aber noch nicht feststehen – auf die Hamburg Towers treffen werden. Es hätte gegen Ulm auch eine vermeintliche schwerere Aufgabe geben können, aber die Towers haben sich in dieser Saison als unangenehmes Matchup für die Berliner präsentiert: Beide Spiele gegen Hamburg gingen verloren. Die Duelle gegen das Team aus der Hansestadt wirkten wie ein Kampf gegen die eigenen Waffen. Und doch sind die Berliner Favorit in dieser Serie. Die Doppelbelastung mit Spielen in der Euroleague ist weggefallen, gegen Ende der Saison scheinen alle Alba-Spieler ihre Playoff-Form gefunden zu haben. „Es geht darum, mit dem richtigen Stil, mit dem richtigen Selbstbewusstsein zu spielen“, sagte Niels Giffey, „dass wir wieder mit einer Klarheit spielen, mit der richtigen Aggressivität reingehen.“

Klarheit und Aggressivität waren in den beiden Vergleichen mit Hamburg ausbaufähig, sind aber, wenn man das Viertelfinale überstehen möchte, die benötigte Basis. Erst dann darf man sich mit möglichen Gegnern beschäftigen. Die Fans haben das freilich schon getan. Mögliche Halbfinalgegner der Berliner wären Crailsheim, Oldenburg oder Ulm, gerade die beiden Letztgenannten hat man in den vergangenen Jahren in der entscheidenden Saisonphase stets geschlagen. Fest steht auch, dass es erst im Finale ein Aufeinandertreffen mit Ludwigsburg oder Bayern München geben könnte. Gegen die Bayern hat Alba beide Bundesliga-Vergleiche gewonnen und Ludwigsburg erst vor wenigen Tagen geschlagen. Die Berliner scheinen für den besten Teil der Saison gut gerüstet.