Am Ende war Ümit Ergirdi ganz gefasst. Der Spielführer des Berliner Regionalligisten FC Viktoria 89 stand am Spielfeldrand des Cantianstadions, beantwortete eine Frage nach der anderen und ließ sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen, dass seine Mannschaftskollegen ihn währenddessen mit Bier übergossen.

Vier Minuten zuvor hatte es noch ganz anders ausgesehen: Im Finale um den Berliner Landespokal gegen den SV Tasmania Berlin konnte der 32-Jährige seine Emotionen nicht zügeln, in der 89. Minute wurde er wegen eines zu rüden Fouls des Spielfeldes verwiesen. 2:1 führte sein Team da, doch der Gegner aus Neukölln drängte weiterhin aufs Tor.

„Es war echt schwer, draußen zu stehen und der Mannschaft nicht mehr helfen zu können“, gab Ergirdi zu. Seine Mitspieler schafften es, auch dank des herausragenden Torhüters Marcus Rickert, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Vor 3 468 Zuschauern im Jahnsportpark konnten sie den ersten Pokalsieg seit 61 Jahren feiern.

Eintracht Frankfurt kommt

„Was wir in den letzten dreieinhalb Jahren erreicht haben, ist phänomenal“, sagte Ergirdi. Fast genau seit dieser Zeit spielt er in Lichterfelde, hat erst den Aufstieg in die Oberliga und in der vergangenen Saison in die Regionalliga mitgemacht.

Gegen den Verbandsligisten aus Neukölln tat sich seine Mannschaft aber anfangs sehr schwer. Von einem Zwei-Klassen-Unterschied war über 90 Minuten lang nichts zu sehen. Zunächst war es sogar die Tasmania, die sich die ersten Chancen herausarbeitete, aber immer wieder an dem starken Rickert scheiterte. „Wir wussten, wenn wir das erste Tor schießen, wird vieles einfacher für uns“, sagte Ergirdi, „vielleicht waren wir deshalb so nervös.“

In der 29. Minute aber konnte sich sein Team auf die Stärke bei den Standards verlassen: Gleich die erste Ecke für Viktoria köpfte Murat Doymus zum 1:0 ins rechte Eck. „Das war eine große Erleichterung“, sagte er. Als Tim Lensinger in der 67. Minute nach dem Freistoß von Adrijan Antunovic zum 2:0 erhöhte, glaubten viele, die Partie sei bereits entschieden. Doch elf Minuten später führte ein Tumult im Strafraum zum Elfmeter für Tasmania, den Salvator Rogoli sicher zum 1:2 verwandelte.

„Meiner Meinung nach war das eine Schwalbe“, sagte Ergirdi. Letztendlich war es aber genau diese Entscheidung, die aus der dahindümpelnden Partie noch einmal ein richtiges Pokalfinale machte – mit dem glücklicheren Ende für Viktoria. Die dürfen nun in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt antreten. „Das freut mich als Wiesbadener natürlich besonders“, sagte Torschütze Doymus.

Ob Ergirdi auch dabei sein darf, bleibt noch abzuwarten. „Ich hoffe, die Strafe für die Rote Karte gilt nicht verbandsübergreifend“, sagt er. Mit seinem kleinen Aussetzer stand er aber nicht allein. Nach ihm wurde noch der oftmals als Jürgen Klopp der Berlin-Liga bezeichnete Tasmania-Trainer Abu Nije Richtung Tribüne verwiesen. „Ümit stand zwei Meter hinter mir und hat sich kaputt gelacht, als ich auch dazu kam“, sagte er. Dann räumte er sogar ein: „Man hätte auch nicht unbedingt Rot gegen ihn geben müssen.“