Für Ante Covic ist diese Woche die heikelste seiner bisherigen viermonatigen Amtszeit. Während sich gefühlt ganz Berlin bereits im Derbyfieber befindet und das erste Bundesliga-Duell zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC an diesem Sonnabend herbeisehnt, muss Herthas Cheftrainer die Sinne seiner Spieler für das Highlight vor dem Highlight schärfen. „Wir sind gut beraten, alle Konzentration auf Mittwoch zu legen“, mahnte er dann auch vor der zweiten Pokalrunde gegen Dynamo Dresden. Pokal und Liga seien „grundsätzlich zwei völlig unterschiedliche Wettbewerbe – das hat nichts miteinander zu tun“. 

Das stimmt natürlich. Und Covic wäre schlecht beraten, wenn er etwas anderes sagen würde. Doch zur Wahrheit gehört eben auch, dass zwei Pflichtspiele innerhalb von weniger als 68 Stunden selbstverständlich eng miteinander verknüpft sind. Das weiß auch Covic aus seiner Zeit als U23-Coach in der Regionalliga. Also kündigte der gebürtige Berliner vor seiner ersten englischen Woche als Bundesligatrainer auch „den einen oder anderen Wechsel“ an.

Ewiger Traum

Das Knifflige: Normalerweise würde sich die Pokal-Partie gegen den formschwachen Tabellenvorletzten der Zweiten Liga anbieten, um eine sogenannte Kaderpflege zu betreiben. Doch angesichts Herthas Pokalhistorie, seltenen Heimspielen in diesen Wettbewerb und dem nicht enden wollenden Traum vom Einzug ins Finale im eigenen Stadion kommt der Partie eine immense Bedeutung zu. Der Pokal ist schließlich weiterhin der kürzeste Weg ins internationale Geschäft, weswegen es für Manager Michael Preetz „eminent wichtig“ ist, eine Runde weiterzukommen. Hinzu kommt, dass das Olympiastadion wegen der mehr als 30 000 Gästefans fast ausverkauft sein wird, was bekanntlich bei Hertha-Spielen nur sehr selten vorkommt. „Es ist zwar nur die zweite Runde, aber es fühlt sich nach mehr an“, gesteht auch Covic. „70 000 Zuschauer und Flutlicht werden für eine tolle Atmosphäre sorgen.“

Diese Ausgangslage macht den Spagat für Covic so schwer. Und obwohl davon auszugehen ist, dass er dennoch einige nur wenig zum Einsatz gekommene Profis in die Startelf befördert und andere für das Duell in Köpenick schont, hüllt er sich bezüglich seiner Personalwahl in Schweigen. Stattdessen warnt er lieber vor dem Gegner. „Dynamo kann mit nur einem einzigen Spiel einen Stimmungswechsel schaffen. Das ist gefährlich.“

In einer ähnlichen Ausgangslage befindet sich Hertha BSC dann am Sonnabend, wenn es im Stadion An der Alten Försterei um die Stadtmeisterschaft geht. Einem Spiel, das außerhalb der Wertung stattfindet, auch wenn es sich natürlich um ein Punktspiel handelt. Um ein Spiel, dessen Ausgang für die Stimmungslage im Klub doch wesentlich ist.