Die Hausnummer ist problemlos zu finden. Ein erstes Logo gibt auch den Hinweis, dass sich der „Adlerhorst“ hier befinden soll. Und doch fühlt man sich als Unwissender beim Gang über den Hinterhof irgendwann verunsichert. Spätestens als der Weg nur noch in Richtung einer KfZ-Werkstatt zu laufen scheint, wirkt es, als ob der PBC Adler Berlin seinem Vereinsleben doch an einem anderen Ort nachgeht. Erst das zweite Logo über der Werkstatt und das kleine Hinweisschild am Aufgang D geben in der Monumentenstraße 35 in Schöneberg endgültig Gewissheit, dass sich die Heimspielstätte des Verbandsligisten, das Billardaire, in der ersten Etage befindet. 1991 wurde das Billardaire eröffnet und war so etwas wie die Rettung die Adler. Denn die standen zu diesem Zeitpunkt kurz vor ihrer Auflösung. „Zum Glück haben sie aber hier überlebt“, erzählt Birol Isikay.

Die Adler gibt es seit 1980

Der selbstständige Bauunternehmer ist heute der Vorsitzende des Vereins, an dessen Entstehung er allerdings nicht beteiligt war. Auch deshalb kann er nur spekulieren und sich durch Recherche Informationen darüber einholen, warum sich die Schöneberger den König der Lüfte für ihren Vereinsnamen auserkoren haben. „Bei der Vereinseintragung hat wohl eine Eva Adler mit unterschrieben“, erzählt Isikay, „ich denke mir, dass da der Name herkommt.“

Ganz genau weiß er es aber nicht. Seit 1980 bereichern Adler die Tierwelt der Berliner Poolbillard-Szene, kreisen über den Buffalos oder Dolphins, die ebenfalls in der Hauptstadt beheimatet sind. Insgesamt 14 Vereine existieren derzeit in Berlin, ganz oben, also in der 1. Bundesliga, spielt aber keiner. „Für die Größe und die Einwohnerzahl Berlins haben wir wenig Mitglieder“, sagt Birol Isikay, „es gibt ein paar erfolgreiche Berliner Spieler, aber im Gegensatz zu den westlichen Bundesländern hängen wir da ein bisschen hinterher.“ Der Berliner, aber auch der deutsche Billard-Verband sind sehr engagiert, haben das vergangene Wochenende unter das Motto „Deutschland spielt Billard“ gesetzt.

Jagdrevier am Kleistpark

In manchen Ligen startete dabei schon die Saison, in Berlin wurde das erste Turnier der Young Oldies gespielt. Karsten Schleitzer vertrat dabei die Adler. Er ist einer von 22 Mitgliedern zwischen Anfang 20 und Mitte 60 in dem Verein, der zwischen dem U-Bahnhof Kleistpark und dem S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke sein Jagdrevier verteidigt. Sportlich haben die Adler dort schon bessere Zeiten erlebt. Mehrere Berliner Meister haben sie in den 39 Jahren ihres Bestehens hervorgebracht. Auch der aktuell beste Spieler Berlins, André Lackner, der mehrfach Deutscher Meister geworden ist und aktuell in Reihen des 1. PBC Wedding in der 2. Bundesliga spielt, hat bei den Adlern begonnen.

Noch voriges Jahr spielte die erste Mannschaft der Adler in der Regionalliga. „Die ist mehrmals nur knapp am Aufstieg in die 2. Bundesliga gescheitert“, erzählt Birol Isikay. Doch diese erfolgreiche Mannschaft musste sich auflösen. Berufswechsel, Wechsel des Studiums und daraus resultierende, fehlende Zeit oder ein Wechsel des Wohnorts erzwangen ein Ende des so erfolgreichen Teams. In einem Sport, von dem man nicht leben kann, haben logischerweise andere Dinge Priorität.

Der Adlerhorst in der Monumentenstraße ist allerdings auch so etwas wie eine Castingbühne. Denn: Nicht nur die Adler spielen und trainieren hier, sondern auch jeder Billardinteressierte kann an den zahlreichen Tischen eine ruhige oder eben sportliche Kugel schieben. Nach einem sportlich durchwachsenen Jahr, in dem die neue erste Mannschaft den Klassenerhalt in der Verbandsliga nur schaffte, weil parallel die zweite Mannschaft aus der Landesliga aufstieg, haben sich auch ein paar neue Spieler im Verein angemeldet. „Neben den Mannschaften in der Verbands- und Landesliga haben wir auch eine Mannschaft in der Kreisklasse gemeldet, das ist so eine Art Schnupperteam“, sagt der Vereinsvorsitzende, „da können die ganz Neuen, die in den vergangenen Monaten eingestiegen sind, auch ihre Spielpraxis sammeln.“

Werbung für Poolbillard

In so einem Turniermodus lerne man am besten, hat schon einen gewissen Druck. Viele der Neulinge finden den Weg dorthin und zu den Adlern über Mundpropaganda. Eine offensiv ausgelegte Werbekampagne, um neue Mitglieder zu gewinnen, gibt es nicht. „Die Leute finden den Laden im Internet, schreiben uns dann auch mal per E-Mail an und dann trifft man sich mit denen“, so Isikay, „wenn es passt, werden sie mit eingebunden.“

Den Adlern ist es wichtig, dass die Vereinsmitglieder in den Ligen spielen und nicht nur angemeldet sind, um kostenlos im Billardaire spielen zu können. Dort möchten die Adler künftig stattdessen auch wieder ein Training mit einem ausgebildeten Trainer anbieten. Aktuell gibt es nämlich keinen. Aber: „Zwei unserer Spieler sind bereit, einen Trainerschein zu machen. Wir wollen dann auch wieder Jugendtraining anbieten, aber dafür braucht es eben die richtige Ausbildung und Erfahrung, um sie anzuleiten“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Hilfe für Anfänger

Damit die Neulinge nicht allein im Spielbetrieb gelassen werden, wird ihnen für den Verlauf der Saison ein erfahrener Spieler zur Seite gestellt. Denn: „Billard ist ein Gentleman-Sport“, so Isikay. Dinge wie sportliche Fairness, eine vernünftige Begrüßung und respektvoller Umgang gehören genauso dazu, wie eine einheitliche Kleidung, welche aus einer schwarzen Stoffhose, eleganten Schuhen und einem Poloshirt mit dem Vereinslogo besteht. Schließlich möchten die Adler auch in Zukunft wieder dazu beitragen, dass gute Spieler in Berlin ausgebildet werden. Davon gibt in der Hauptstadt nämlich zu wenig.