Berlin - Kevin Trapp steht nach dem Confed-Cup 2017 und der WM 2018 bei der EM 2021 vor seinem dritten großen Turnier mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, für die der Torwart von Eintracht Frankfurt bisher fünfmal im Einsatz war. Der 30-Jährige wirkt sehr entspannt beim Interview aus dem DFB-Mannschaftshotel in Seefeld/Tirol. Am Mittwoch in Innsbruck gegen Dänemark wird er aber Manuel Neuer den Vortritt lassen müssen. 

Herr Trapp, ist Manuel Neuer einfach zu gut, um an ihm vorbeizukommen?

Manu hat die letzten ein, zwei Jahre wieder bewiesen, auf welch konstant hohem Niveau er spielt. Wir verstehen uns super. Er ist ein klasse Typ, der sehr viel Charakter und Persönlichkeit mitbringt, zu dem man auch außerhalb des Platzes immer gehen kann. Und außerdem kann man sich von ihm sehr viel abschauen. 

Bundestorwarttrainer Andy Köpke sagt, alle drei, Sie, Neuer und Bernd Leno verstünden sich richtig gut. Übertreibt er da nicht ein bisschen?

Nein. Natürlich hat jeder die Ambition, spielen zu wollen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr, sehr ehrgeizig und mit wenig nicht zufrieden bin. Aber hier geht es um das eine große Ziel. Darauf wollen und müssen wir zusammen hinarbeiten. Ganz ehrlich: Das Verhältnis unter uns Dreien, auch unter uns Vieren, wenn Marc (André ter Stegen, Anm. d. Red.) noch dabei ist, ist wirklich sehr, sehr gut.

Köpke sagte auch, Sie und Leno bewegten sich hinter Neuer auf Augenhöhe, er könne noch nicht sagen, ob es eine klare Nummer zwei und drei für die EM 2021 gibt. Vielleicht würde auch von Spiel zu Spiel gewechselt. Können Sie damit leben?

Wie gesagt: Ich bin sehr ehrgeizig und ambitioniert. Mein Ziel ist es, die klare Nummer zwei zu sein. Darauf arbeite ich hin. Ich will im Training zeigen, dass die Mannschaft sich auf mich verlassen kann und dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde.

Sie waren beim Confed-Cup 2017 dabei, als es super lief, und 2018 bei der WM, als alles schiefging. Was sind für Sie die Lehren daraus?

2017 hat keiner etwas erwartet von uns. Und wir haben schnell gemerkt: Die Stimmung in der Mannschaft war unfassbar gut. Das hat uns durch das Turnier getragen und war ein Grund, weshalb wir so erfolgreich waren. 2018, das muss man ehrlich sagen, sind einige Dinge schiefgelaufen. Wenn man in der Vorrunde als amtierender Weltmeister ausscheidet, kann definitiv nicht alles gestimmt haben.

Wie ist die Stimmung jetzt?

Ich habe ein ähnliches Gefühl wie 2017. Wir haben ein super Klima innerhalb der Mannschaft, auf dem Platz geht es sehr konzentriert und fokussiert zu, wir pushen uns gegenseitig und leben den Mannschaftsgedanken. Jeder hat diesen Willen. Außerhalb des Platzes herrscht eine unfassbar gute Stimmung. Das ist eine sehr gute Mischung und ich bin sehr davon überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen werden. 

Sie haben sich Klavier beigebracht, sie haben ein Unternehmen gegründet. Wie haben Sie die bisherige Corona-Zeit auch psychologisch überstanden, zumal Ihre Verlobte oft weit weg war und man nicht so einfach reisen konnte?

Es war definitiv sehr schwierig. Wir hatten als Profisportler das Privileg, dass wir weiterarbeiten durften. Ich habe die meiste Zeit im Stadion verbracht, weil das die einzigen Momente waren, in denen ich mit Leuten zusammentreffen durfte. Für meine Verlobte und mich war es wirklich nicht einfach, es hat zunehmend an den Nerven gezerrt. Dennoch geht es uns im Verhältnis noch sehr gut. Dafür bin ich dankbar. Zumal meine Firma sehr viel Spaß macht und ich einige interessante Bücher gelesen habe, die ich sonst nicht geschafft hätte. Dazu das Klavier. Ich wäre unglücklich geworden, wenn ich nur vor dem Fernseher gehockt und Videospiele gespielt hätte.

Gibt es vielleicht für die Zeit nach Corona private Pläne, vielleicht gründen Sie eine Familie? Sie sind ja auch nicht mehr der Allerjüngste.

Da haben Sie Recht (lacht). Ich habe heute Morgen auf dem Weg zum Training schon gesagt, ich werde im Juli 31. Die Zeit vergeht so schnell. Mit meiner Verlobten habe ich in Paris schon zusammengewohnt, obwohl sie ja auch viel unterwegs ist. Natürlich haben wir Familienpläne.