Für Jürgen Klopp beginnt die Titelverteidigung mit dem FC Liverpool, auch wenn er diese Sichtweise ablehnt.
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ManchesterOffiziell geht der FC Liverpool als Titelverteidiger in die Premier-League-Saison, doch Jürgen Klopp hat seine eigene Sichtweise. „Wir werden den Titel nicht verteidigen. Wir unternehmen einen neuen Angriff auf den Titel“, so lautet die Interpretation des Trainers. Er hatte sie schon am Ende der abgelaufenen Spielzeit in die Welt gestellt, als das Feuerwerk über dem Anfield-Stadion anlässlich der ersten Meisterschaft seit 30 Jahren noch nicht verraucht war. Klopps Strategie hinter dieser Aussage ist offensichtlich. Seiner Mannschaft will er klarmachen, dass die Erfolge der Vergangenheit nicht mehr zählen, wenn am Sonnabend gegen Aufsteiger Leeds United der Anpfiff zur Saison erklingt.

An die Beobachter sendet der Deutsche das Signal, den FC Liverpool nicht mit dem strengen Blick zu sehen, unter dem ein amtierender Titelträger eben steht. Ob die Öffentlichkeit dieser Deutung folgt? Unwahrscheinlich. Natürlich ist Liverpool besonders im Fokus. Zumal der Klub eine Herangehensweise wählt, die als riskant bis fahrlässig angesehen wird. Klopp vertraut auch in der neuen Spielzeit im Grunde komplett der Meistermannschaft. Außer Konstantinos Tsimikas von Olympiakos Piräus als Backup für Linksverteidiger Andrew Robertson hat Liverpool keine Transfers getätigt.

FC Chelsea bedient sich in der Bundesliga

Manchester City ist wohl wieder Liverpools ärgster Konkurrent. Entscheidend für den Erfolg der Citizens wird sein, dass sie ihre Abwehrschwäche abstellen. Neben dem niederländischen Nationalspieler Nathan Aké könnten bis zum Ende der Wechselperiode noch weitere Verstärkungen für die Defensive folgen. Interessant ist die Rolle des Trainers: Zum Start seiner laut Vertrag letzten Saison wird Pep Guardiola so kritisch betrachtet wie noch nie in seiner Zeit in England – nach der Demütigung in der Meisterschaft (der Rückstand auf Liverpool betrug 18 Punkte) und dem wieder einmal frühen Aus in der Champions League gegen Olympique Lyon nach erneut rätselhaften Personalentscheidungen.

Von allen englischen Vereinen das meiste Geld ausgegeben hat der FC Chelsea, umgerechnet mehr als 200 Millionen, unter anderem für Timo Werner und Kai Havertz. Für Klubikone Frank Lampard gibt es in seiner zweiten Saison an der Seitenlinie keine Ausreden mehr. Die Blues müssen um den Titel mitspielen, andernfalls könnte Besitzer Roman Abramowitsch schnell die Geduld verlieren.

Wie zum Start einer Saison üblich fliegen ein paar Giftpfeile. Klopp wundert sich über die üppigen Ausgaben der Konkurrenz in Pandemie-Zeiten. „Für Vereine, die von Ländern und Oligarchen besessen werden, scheint es weniger wichtig zu sein, wie unsicher die Zukunft ist“, sagte er im BBC-Interview und spielte auf die Geldquellen der Konkurrenten an. Der Kampf um die Krone im englischen Fußball ist eröffnet.