Schneefall ist nicht der Grund, warum am Wochenende nur in einigen Stadien der Premier League gespielt wurde. Zum ersten Mal wird eine sogenannte „Spielpause inmitten der Liga“ abgehalten.
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ManchesterDie Winterpause in der Premier League, die gerade zum ersten Mal abgehalten wird, ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Das geht schon damit los, dass sie gar nicht Winterpause heißt. Die offizielle Bezeichnung lautet “midseason player break“, was übersetzt ungefähr „Spielerpause inmitten der Saison“ bedeutet. Und sie ist auch gar keine richtige Pause. Die Liga spielt ohne Unterbrechung weiter. Sie hat einfach nur einen Spieltag über zwei Wochenenden gestreckt. Drei Partien fanden am vergangenen Wochenende statt (Manchester Citys Spiel gegen West Ham United fiel dem Unwetter zum Opfer), sechs werden   am kommenden ausgetragen. Das bedeutet, dass jede der 20 Premier-League-Mannschaften knapp zwei Wochen spielfrei hat, theoretisch.

Die Idee einer Winterpause bewegt den englischen Fußball schon lange. Anders als die Ligen auf dem Festland wird auf der Insel bekanntlich über Weihnachten und den Jahreswechsel durchgespielt. Die traditionsreichen Termine sind unverrückbarer Bestandteil der   Fußball-Kultur. Allerdings wird die hohe Belastung für die Spieler immer wieder als Erklärung für das schwache Abschneiden der Engländer bei Welt- und Europameisterschaften heran gezogen. Sven-Göran Eriksson, Englands erster Nationaltrainer aus dem Ausland, warf in seiner Amtszeit von 2001 bis 2006 die Idee einer Unterbrechung während der Saison auf. Aktuell sind Pep Guardiola von Manchester City und Jürgen Klopp vom FC Liverpool die hartnäckigsten Aktivisten für eine Entzerrung des Terminplans. Sie fürchten um die Gesundheit ihrer Profis.

Englische Variante der Winterpause

Im Juni 2018 verständigten sich der Verband und die Liga auf eine sehr englische Variante der Winterpause ab dieser Spielzeit. Die heiligen Partien über die Feiertage blieben unangetastet. Außerdem musste Platz bleiben für die beiden englischen Pokal-Wettbewerbe, nämlich den FA-Cup und den Ligapokal. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, mit dem kaum jemand zufrieden ist. Die Times nennt die Winterpause „ein Durcheinander“. Tottenhams Trainer José Mourinho beklagt den fehlenden Nutzen der Neuerung, wenn dafür zwischen dem Ligaspiel bei Aufsteiger Aston Villa an diesem Sonntag und der Partie im Achtelfinale der Champions League gegen Leipzig kommende Woche Mittwoch nur drei Tage Zeit seien. „Die Pause kommt im falschen Moment. Darüber bin ich nicht glücklich“, sagte er.

Die Pause kommt im falschen Moment. Darüber bin ich nicht glücklich.“

José Mourinho

Für Tottenham wurde die Unterbrechung sogar noch verkürzt, weil die Mannschaft wegen eines 1:1-Unentschiedens in der vierten Runde des FA-Cups gegen den FC Southampton zum Wiederholungsspiel antreten musste. Immerhin bot Mourinho bei dem 3:2-Erfolg in der vergangenen Woche die erste Mannschaft auf und war anwesend. Anders als Klopp beim FC Liverpool. Der Premier-League-Tabellenführer und Meister im Wartestand musste nach einem 2:2 beim Drittligisten Shrewsbury Town ebenfalls zum Wiederholungsspiel antreten. Da der Termin in der von der Liga zugesagten Pause lag, schickte Klopp die U23 und blieb dem 1:0-Sieg auch selbst fern. Dieses kontroverse Manöver war eine politische Aktion, um seinem Ruf nach einer Entlastung der Spieler Nachdruck zu verleihen.

Ohnehin ist umstritten, ob die knapp zwei Wochen Freizeit überhaupt einen zusätzlichen Vorteil bringen. Mannschaften, die früh aus dem FA-Cup ausgeschieden sind, hatten auch in der Vergangenheit schon eine Art Winterpause. Liverpool hatte in der abgelaufenen Saison im Februar zehn Tage frei. In der Spielzeit davor waren es sogar 16 Tage. So viel freie Zeit haben in diesem Jahr Manchester United und der FC Chelsea, die beiden Klubs mit der längsten Pause.

Das Fernsehen profitiert

Am meisten von der neuen Unterbrechung im Spielplan profitiert das Fernsehen. Die Rechte-Inhaber Sky Sports und BT Sport wollen durchgehend Premier-League-Fußball zeigen und bekamen diesen Wunsch erfüllt. Die Sender können durch die Staffelung eines Spieltags über zwei Wochenenden mehr Partien des Spieltags übertragen als normalerweise – nämlich alle. Traditionell darf in England am Sonnabendnachmittag kein Fußball im TV laufen. Da in der Winterpause weniger Partien pro Wochenende angesetzt sind, können die Sender durch die Verschiebung der Spiele auf die Randzeiten am Sonnabendmittag oder frühen Samstagabend den kompletten Spieltag live zeigen.

Viele Beobachter haben deshalb den Eindruck, dass die Premier League gar nicht ernsthaft daran interessiert ist, den Profis ein paar freie Tage zu gewähren. „Das Fernsehen regiert. Alles andere kommt an zweiter Stelle – auch das Wohlbefinden der Fußballer“, kommentiert das Magazin FourFourTwo. So wird es auch in Zukunft schwierig mit einer ernsthaften Winterpause im englischen Fußball.