Southampton - Als sich der neue Trainer des FC Southampton vor drei Wochen der Öffentlichkeit vorstellte, in auffallend gutem Englisch, wie die heimische Presse wohlwollend vermerkte, gab er als Ziel an, seinen Namen in der Premier League bekannt zu machen. Was man eben so sagt, wenn man in ein neues Land kommt und eine neue Liga. Im Fall des Österreichers Ralph Hasenhüttl ist das mit dem Namen allerdings etwas kompliziert.

Die Debatte darüber, wie man den Mann aus Graz korrekt ausspricht und was sein Name übersetzt heißen könnte, war ja schon da, als Ralph Hasenhüttl sich noch in Verhandlungen mit dem abstiegsbedrohten Klub von der Südküste Englands befand. Liverpools Trainer Jürgen Klopp erklärte interessierten Reportern die richtige Aussprache und dozierte anschließend, dass Hase auf Englisch „rabbit“ heiße und hüttl keine Bedeutung habe.

Lockerer Einstand als Rabbithutch

Als der ehemalige Übungsleiter von RB Leipzig selbst dann in Southampton vorgestellt wurde, um die Nachfolge des früheren Bayern-Profis Mark Hughes anzutreten, korrigierte er, dass der zweite Teil seines Namens sehr wohl eine Bedeutung habe, nämlich in etwa kleine Hütte. „Jürgens Deutsch ist nicht sehr gut, sein Englisch ist besser“, sagte Ralph Rabbithutch über Jürgen Klopp und löste damit allgemeine Erheiterung aus.

Überhaupt wird Hasenhüttls Ankunft in England von einer Leichtigkeit begleitet, die ungewöhnlich ist im Abstiegskampf. Sein Einstand ist gelungen, auch sportlich. Der 0:1-Niederlage gegen Cardiff City folgte ein 3:2-Erfolg gegen den FC Arsenal – es war die erste Niederlage seit 22 Spielen für den Klub aus Nordlondon. Und zuletzt konnte sich Hasenhüttl einen 3:1-Sieg bei Huddersfield Town gutschreiben lassen. Zum ersten Mal seit April des vergangenen Jahres gewann Southampton zweimal nacheinander.

Erinnerungen an die Titanic

Die Mannschaft um die ehemaligen Bundesliga-Profis Jannik Vestergaard und Pierre-Emile Höjbjerg hat die Abstiegsplätze verlassen und geht mit frischer Zuversicht in die hektische Phase um Weihnachten und Silvester. An diesem Donnerstag ist West Ham im Stadion St. Mary’s zu Gast, am Sonntag kommt Meister Manchester City. Das neue Jahr beginnt mit dem Besuch beim FC Chelsea. Hasenhüttl kann in diesen Partien weiter daran arbeiten, schon früh Kultstatus bei seinem neuen Arbeitgeber zu erlangen.

Bei seiner Präsentation versprach er, dass die Mannschaft unter ihm vollen Einsatz zeigen und jeder Spieler wissen werde, was zu tun sei. Eine Sicherheit für den Klassenerhalt sei das aber nicht: „Wer eine Garantie will, muss eine Waschmaschine kaufen.“ Als er nach seinen ersten Gedanken bei dem Angebot aus Southampton gefragt wurde, gestand er, dass er an die Titanic dachte, die aus der Hafenstadt zu ihrer schicksalhaften Jungfernfahrt aufgebrochen war. „Ich hoffe, dass ich nicht gleich mit dem ersten Eisberg zusammenstoße“, sagte Hasenhüttl.

Spitzname: Alpen-Klopp

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, doch auf seinen Spitznamen als „Alpen-Klopp“ reagierte Hasenhüttl zurückhaltend: „Ich mag den Namen nicht besonders. Ich will mein eigener Charakter sein.“ Vor seinem Heim-Debüt gegen Arsenal spendierte er den Dauerkartenbesitzern Freibier.

Nicht nur wegen dieser Großzügigkeit kommt der neue Trainer an. Die ihm entgegengebrachten Sympathien waren beim Sieg gegen Huddersfield zwei Tage vor Heiligabend sogar zu hören. Die Fans dichteten für ihn das Lied „Last Christmas“ um, anstatt an „someone special“ wollten sie ihr Herz dieses Jahr lieber an „Hasenhüttl“ verschenken. Southamptons Hauptsponsor ließ Plakate aufhängen mit der Aufschrift: „Welcome to Ralphampton.“

Zweifelhafter Ruf

Eine Rettungsmission bei einem Verein in Not birgt immer Risiken, doch die Saints, die Heiligen, wie Kicker aus Southampton heißen, könnten für Hasenhüttl der ideale Einstieg für eine Laufbahn in der Premier League sein. Die Mannschaft ist für einen Abstiegskandidaten eigentlich zu gut besetzt. Der Verein ist solide seit der Übernahme 2009 durch Markus Liebherr aus der gleichnamigen Baumaschinen-Dynastie. Nach seinem Tod erbte seine Tochter Katharina den Klub. Im vergangenen Jahr verkaufte sie die Mehrheit der Anteile an den chinesischen Investor Gao Jisheng. Sein Ruf gilt als zweifelhaft.

In den vergangenen Jahren diente Southampton vielen Spielern als Sprungbrett, zum Beispiel Adam Lallana, Dejan Lovren, Sadio Mané und Virgil Van Dijk, die jetzt beim FC Liverpool beschäftigt sind. Auch Trainer Mauricio Pochettino empfahl sich an der Südküste für höhere Aufgaben. Er betreut seit vier Jahren Tottenham Hotspur, wird immer wieder als Wunschkandidat von Real Madrid angeführt und hat beste Chancen, zur neuen Saison zum Nachfolger von José Mourinho bei Manchester United ernannt zu werden.

Eishockeytrainer als Chef

Southampton ist immer wieder das Kunststück gelungen, den Verlust von wichtigem Personal zu kompensieren, auf und neben dem Platz. Doch in der abgelaufenen Spielzeit wäre dem Verein sein Status als Zulieferer der Großklubs fast zum Verhängnis geworden. Nach Van Dijks Wechsel nach Liverpool für die Rekordsumme für einen Abwehrspieler von mehr als 80 Millionen rettete sich die Mannschaft nur mit Mühe vor dem Abstieg. Der im März engagierte Hughes erwirtschaftete die schlechteste Siegesrate eines Southampton-Trainers in der jüngeren Vergangenheit. Hasenhüttl soll dem Team wieder eine sportliche Identität geben.

Die ersten Anzeichen machen Mut. Der Neuankömmling setzt auf viel Laufarbeit, eine aktive Spielweise und Gegenpressing. Die Parallelen zu Klopp sind unverkennbar. Beide sind außerdem gleicht alt, nämlich 51, und haben gemeinsam ihre Trainerlizenz gemacht. Mit seinem Erfolg in Liverpool ist Klopp ein Wegbereiter für andere Trainer aus dem deutschsprachigen Raum.

Hilfreich war auch, dass Southamptons Vorsitzender Ralph Krueger, ehemaliger deutsch-kanadischer Eishockey-Spieler und -Trainer, offen für ungewöhnliche Lösungen ist. Während andere Abstiegskandidaten der Premier League gerne auf gestandene Trainer aus England setzen, wählte er einen Österreicher mit kompliziertem Namen.