Tadej Pogacar (r.) vor Primoz Roglic: Auch die schwere Bergetappe hinauf zum Grand Colombier wurde von den beiden Slowenen dominiert.
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BerlinDas kleine Slowenien, ein Land mit gerade einmal zwei Millionen Einwohnern und einem Faible für Fußball und Wintersport, regiert den Radsport. Wie ist das nur möglich? „Das Ergebnis harter Arbeit“, sagt der 21 Jahre alte Tour-Debütant Tadej Pogacar. Nach seinem Triumph am Grand Colombier ist er der jüngste Fahrer seit 86 Jahren mit zwei Tour-Etappensiegen in einem Jahr. In der Gesamtwertung liegt er nur noch 40 Sekunden hinter Primoz Roglic. Der Rest, insbesondere Vorjahressieger Egan Bernal, ist quasi schon abgehängt.

So begleiten auch Zweifel den wundersamen Höhenflug der beiden slowenischen Stars. Dass einige Spuren in der Blutdopingaffäre um den Erfurter Sportmediziner Mark S. nach Slowenien führen, ist bekannt. Pogacar und Roglic waren davon bislang aber nicht betroffen. Gleichwohl ist der Ruf von alten oder aktuellen Wegbegleitern nicht ganz astrein. Pogacars Entdecker Andrej Hauptman wurde beispielsweise in seiner aktiven Karriere noch vor dem Tour-Start 2000 ausgeschlossen, weil sein Hämatokritwert über 50 Prozent lag.

Gegen Rad-Manager Milan Erzen wurden durch den Weltverband UCI wegen mutmaßlicher Verbindungen zu einem Mediziner aus der Operation Aderlass Ermittlungen eingeleitet. Erzen war 2013 Chefcoach des  Teams Adria Mobil, als Roglic seine Karriere begann. Entsprechende Doping-Fragen prallen an dem früheren Skispringer genauso ab wie die wenigen Angriffe seiner Konkurrenten. „Von meiner Seite aus könnt ihr mir vertrauen. Ich habe nichts zu verstecken“, sagte Roglic.

Seit der neunten Etappe trägt Roglic das Gelbe Trikot. Das dürfte bis Paris so bleiben, sollte ihm sein Landsmann nicht doch noch in die Quere kommen. Zwei Freunde, zwei Landsmänner, zwei Rivalen - aber doch auch grundverschieden. Roglic kam erst mit 26 Jahren zum Radsport, nachdem er seine Skisprung-Karriere beendet hatte. Ein Spätstarter also, ganz im Gegensatz zu Pogacar, der bereits seit seinem neunten Lebensjahr leidenschaftlich in die Pedale tritt. In Jugendzeiten hängte er regelmäßig die älteren Rivalen ab. Und im vergangenen Jahr gewann er bei der Vuelta gleich drei Etappen, was noch keinem Fahrer vor ihm bei einer großen Rundfahrt mit 20 Jahren gelang.

Und auch ihr Fahrstil könnte gegensätzlicher kaum sein. Roglic will mit seinem Team immer alles unter Kontrolle haben, verfolgt strikt einen Plan. So hatte er sich Ende 2015 schon bei den Team-Verantwortlichen vorgestellt. In fünf Jahren wolle er die Tour gewinnen. Der Plan scheint aufzugehen. Genau wie der von Pogacar: Attackieren, wann immer es geht. Pogacar war der bislang einzige Fahrer bei der diesjährigen Tour, der Roglic - abgesehen von Bonussekunden - Zeit abknöpfen konnte. Auf der achten Etappe fuhr er 40 Sekunden auf Roglic heraus, als er den Col de Peyresourde in Rekordzeit hinaufstürmte. Die alte Bestmarke hielten die überführten Dopingsünder Alexander Winokurow und Iban Mayo aus dem Jahr 2003.