Pro Vereinsfusion: Berlin braucht einen neuen Hauptstadtklub

Berlin - Herzlichen Glückwunsch, will man den zwei Berliner Vereinen Victoria 98 und Lichterfelder FC zurufen, die lieber morgen als übermorgen miteinander verschmelzen möchten. Das bündelt Kompetenz und Potenzial, und wer weiß, vielleicht verschnürt der Fußball umme Ecke die Menschen im Südwesten zu einer neuen Nachbarschaft.

Aber eben im Südwesten. Zwei solcher Vereine gibt es schon, die nicht Berlin repräsentieren, sondern Gartenkolonien, Kieze, Stadtteile. Im alten Westen ist das Hertha BSC und den in den östlichen Stadteilen der 1. FC Union Berlin. Der fusionierte Tempelhof-Klub ist in dieser Landschaft deshalb Pappel unter Pappeln. Er löst die große Frage aber nicht: Nämlich die nach einem Verein, der keine Bezirke repräsentiert, sondern eine ganze Stadt.

Dieser Verein könnte allen eine zweite Heimat sein, die nicht in Tempelhof, Charlottenburg oder Köpenick aufgewachsen sind, sondern in Burgstädt, Buxtehude oder Brügge. Wenige sind das nicht, und mindestens 30.000. Die würden den alten Jahnsportpark auf jeden Fall vollmachen. Das Stadion liegt allerbest im Herzen der Stadt, dann auch noch im Prenzlauer Berg, dem Zentrum der Zugezogenen , er ließe sich leicht umbauen und stünde auf historischem Boden. An der Cantianstraße spielte früher der erste Mehrfachmeister der DDR, der FC Vorwärts Berlin.

Es müsste sich nur endlich jemand finden, den die Not nicht plagt und der Gedanke an eine Geburt in der Retorte nicht schreckt. Notfalls könnte er auch mit irgendeinem Klub verschmelzen. Darauf immerhin versteht man sich mittlerweile in Berlin.