Berlin - Dass das Berliner Bundesliga-Derby zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC am Ostersonntag abgesagt wird, hielt sich als Gerücht am Dienstagnachmittag nur für etwa 25 Minuten. Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport stoppte zwar das Pilotprojekt für die Zulassung von Fans über die Ostertage. Dennoch soll im Stadion An der Alten Försterei gekickt werden, auch wenn das öffentliche Leben von Gründonnerstag an für fünf Tage heruntergefahren wird.

Mitten in diesen verschärften Lockdown fällt nicht nur das brisante Duell der Berliner Teams. Tags zuvor soll in das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern angepfiffen werden. Auch bei diesem Duell war zunächst vorgesehen, eine begrenzte Zahl von Zuschauern zuzulassen. Ein Plan, der bereits seit Tagen ad absurdum geführt wurde. Allerdings wäre es ein wirkliches Zeichen der Solidarität, wenn sich die Bundesliga dazu entscheiden würde, den Betrieb ebenfalls ruhen zu lassen. Denn bereits seit dem ersten Lockdown genießt der Profifußball Privilegien, die in Zeiten der anhaltenden Einschränkungen immer schwerer zu vermitteln sind.

Deutsche Fußball-Liga passt Hygienekonzept an

Die Option der Spieltagspause scheint auch nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat entsprechende Gespräche bestätigt. „Das muss bundeseinheitlich geklärt werden. Wenn es die Verständigung auf der Bundesebene gibt, diese Ligaspiele sollen stattfinden, dann werden sie ohne Publikum stattfinden“, sagte Müller (SPD) bei der Pressekonferenz des Berliner Senats am Dienstag.

Die Branche kann und wird natürlich argumentieren, dass der vollgepackte Zeitplan kaum eine Verschiebung zulässt. Auch geht vom Profisport kein allzu großes Infektionsrisiko aus, wenn man internationale Begegnungen ausklammert. Die Deutsche Fußball-Liga hat am Dienstag noch eine „Anpassung des medizinisch-hygienischen Konzepts“ verkündet, das unter anderem sogenannte Quarantäne-Trainingslager beinhaltet. Und natürlich kann sich die Bundesliga einer großen Aufmerksamkeit an den Ostertagen sicher sein, wenn die Möglichkeiten der privaten Zerstreuung doch arg begrenzt sind.

Andererseits würde sich der Profibetrieb mit einem ernst gemeinten Signal in Form einer Pause einen großen Gefallen tun. Gerade auch in Richtung der vielen Amateure, denen weiterhin jegliche Perspektive fehlt, ihrem Lieblingssport wieder dauerhaft nachgehen zu können.