Pyrotechnik beim Ruhrderby: Spirale der Eskalation

Dortmund - Horst Heldts Laune war schlecht und zwar „nicht erst nach dem Spiel“, wie der Manager von Schalke 04 erzählte. Denn es hatte rund um das Revierderby wieder einmal Ärger gegeben. Polizeieinsatzleiter Peter Andres resümierte zwar, dass die „Einsatzkonzeption mit dazu beigetragen hat, dass Randalierer das Gesamtbild dieser spannenden Fußballbegegnung nicht trüben konnten“, doch vor dem Stadion gab es mehrere Verletzte und 35 Festnahmen. Solch eine Bilanz wird bei der Polizei mittlerweile als Erfolg gewertet.

Angesichts dieser Vorfälle ist es etwas merkwürdig, dass ein anderer Vorfall, bei dem es keine Verletzten gab, zumindest medial viel härter verurteilt wurde. In der Schlussphase war es den Schalker Fans gelungen, eine aufwändige Pyrotechnik-Choreographie umzusetzen, was der WDR-Sportchef Steffen Simon in der Sportschau mit bitteren Worten kommentierte: „Liebe Kinder, das sind die Männer bei denen Ihr Euch bedanken könnt (…), wenn Ihr keine Stehplätze mehr vorfindet, wenn Ihr groß seid. Einige wenige machen die über Jahre gewachsene Fankultur der Bundesliga in kurzer Zeit kaputt.“

Für diese Aussage wird Simon in den Fanforen wüst beschimpft, die ARD fährt offenbar die Linie der Deutschen Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bundes: Die Ultras werden stigmatisiert, ins Abseits gedrängt.

Die Spirale der Eskalation dreht sich und die Aktion einiger Schalker in Dortmund kann als Teil dieser Dynamik betrachtet werden. Es war ein generalstabsmäßig geplantes Konzept, das umgesetzt wurde.

"Dann zündeln wir erst recht"

In der 80. Minute wurde im Schalker Block ein Banner entrollt, blau-weiß gestreift. So eine Aktion gibt es normalerweise nicht während des Spiels, weil solch ein Tuch vielen Zuschauern die Sicht verdeckt. Doch in diesem Fall sollte die Fahne einen ganz bestimmten Zweck erfüllen. Plötzlich kamen mit Mützen und Schals vermummte Fans unter dem Stoff hervor, sie kletterten auf den Zaun und ließen bengalische Feuer abbrennen. Schiedsrichter Florian Meyer unterbrach die Partie, bis die Feuerwerkskörper abgebrannt waren.

Dann verschwanden die Pyrotechniker wieder unter dem Tuch und zogen sich um, damit sie später auf den Aufnahmen der Sicherheitskameras nicht identifizierbar sind. Jeder im Block schien zu wissen, was zu tun ist.

Matthias Stein, der Leiter des Fanprojektes in Jena, hat solche perfekt geplanten Aktionen vor Kurzem in der taz vorausgesagt. Die Antwort der Ultragruppen auf die größer werdende Liste von Verboten laute: „Ihr könnt uns beschränken, wie ihr wollt, dann zündeln wir erst recht.“