La quenelle ist eigentlich eine Lyonnaiser Mehlspeise in Wurstform. Doch französische Jugendliche verstehen darunter etwas anderes – einen Insidergruß mit subversivem oder eventuell auch antisemitischem Charakter. Die linke Hand wird dabei auf den rechten Oberarm gelegt, während dieser straff nach unten gestreckt ist. In letzter Zeit mehren sich die Quenelles im französischen Internet. Unter anderem posierten damit einige gesichtslose französische Soldaten.

Der Europäische Jüdische Kongress (CJE) meint, die Quenelle sei ein „weniger bekannter Nazi-Gruß“. Auch der Dachverband der französischen Juden (Crif) warnt vor einer Verharmlosung dieses Brauchs. Am Weihnachtsabend wurden in Lyon sogar sechs Jugendliche verhaftet, weil sie einen Kellner zusammengeschlagen hatten, der auf Facebook mit der Quenelle posiert hatte.

Bitterböser Humor

Dieser Vorfall machte augenfällig, welche Reizwirkung die Quenelle in Frankreich mittlerweile gewonnen hat. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie am Sonnabend bewusst, als Nicolas Anelka den Gruß nach einem Tor für West Bromwich Albion machte. Die französische Sportministerin nannte dies eine „schockierenden Provokation“.

Anelka erklärte darauf via Twitter, er habe mit der Quenelle nur seinen Freund Dieudonné grüßen wollen. Dieser in Frankreich ebenso bekannte wie umstrittene Komiker gilt als Erfinder des Grußes. Die Frage der Quenelle ist letztlich die Frage, ob Dieudonné ein Antisemit sei.

Politisch ist der Humorist noch schwieriger einzuordnen als etwa der Italiener Beppe Grillo. In seinen Anfangszeiten kandidierte Dieudonné aus Solidarität mit den afrikanischen Sklavennachfahren einmal in einer Pariser Vorstadt gegen eine Kandidatin des rechtsextremen Front National. Seinen beruflichen Erfolg verdankt der als Katholik geborene Atheist einem jahrelangen Duo mit dem jüdischen Humoristen Elie Semoun.

Die beiden überwarfen sich aber, und Dieudonné führte später eine „antizionistische Wahlliste“ an. Den Holocaust tat er als „Pornografie des Gedenkens“ ab, was ihm eine Verurteilung einbrockte.

Dieudonnés Fans reagieren mit der Quenelle

Von Frankreichs Medien seither boykottiert, hat sich Dieudonné eine treue Fangemeinde erhalten, die seinen bitterbösen Humor in seinem Pariser Theater La Main d’Or goutiert. Darunter waren allerdings auch Auftritte mit dem Holocaust-Leugner Robert Faurisson. Die Regierung sieht darin eine „Störung der öffentlichen Ordnung“. Mit diesem Argument will Innenminister Manuel Valls Dieudonné nun an weiteren Auftritten hindern. Fans reagierten im Internet wie zu erwarten war – mit der Quenelle.