Köln - Der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich hat Blutdoping-Behandlungen beim umstrittenen spanischen Sportmediziner Eufemiano Fuentes zugegeben. „Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen“, sagte der 39-Jährige in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Der Ex-Radprofi, der im Februar 2012 bereits gestanden hatte, Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben, behauptet aber, keine anderen Dopingmittel als sein eigenes Blut verwendet zu haben.

Betrugsvorwürfe wies Ullrich trotzdem erneut zurück. „Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen genommen. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben“, sagte Ullrich: „Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen.“

Ullrich war im Februar 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Wegen der Verwicklung in die Fuentes-Affäre wurde er zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt. Sämtliche Resultate seit dem 1. Mai 2005 wurden ihm aberkannt. Sein Tour-Sieg aus dem Jahr 1997 hat weiter Bestand.

Franke attackiert Ulrich

Der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke hat hämisch auf dieses Geständnis reagiert und wirft dem früheren Tour-de-France-Sieger vor, längst nicht die ganze Wahrheit zu sagen. „Das ist ein neuer Europarekord der Lüge. Er hat ja 2006 oder 2007 in vier Sprachen geschrieben, dass er Herrn Fuentes gar nicht kenne. Er hat damals vor Gericht eine Unterlassung gegen mich erwirkt, die ich erst nach viereinhalb Jahren umdrehen konnte“, sagte der Heidelberger Molekularbiologe.

Für Franke ist Ulrichs Behauptung ein Witz. „Er hat germanisches Blut, dazu gehört, geschichtliche Lügen fortzuführen, fortzuführen, weiter, weiter fortzuführen. Jetzt wird sehr zeitnah herauskommen, dass er auch mit verbotenen Substanzen gedopt hat. Er hat andere geschädigt“, sagte er. Ullrich sei „nicht nur ein stiller Lügner, sondern er wollte, koste was es wolle, andere sehr aggressiv zum Schweigen bringen“. Das sei „eine besondere Frechheit“. Aber die größte Lüge komme immer noch von jenen, die Ullrich rechtlich vertreten hätten: „Das sind die größten Gauner, die haben ihn in die Lügen reingeritten.“ (sid)