Rafal Gikiewicz trägt derzeit eher Alltagskluft als Torwartkleidung.
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BerlinVor knapp zehn Tagen erfreute Rafal Gikiewicz ein letztes Mal im Internet mit seinen Wettkampf-Persiflagen im heimischen Wohnzimmer. Diesmal war es eine Hommage an Katarina Witt, die 1988 zu Michael Jacksons Bad in Calgary bei den Olympischen Spielen Gold gewann. Gikiewicz in knapper Lederjacke und auf Schlittschuhen – köstlich. Nahezu unbeachtet brachte der 32-Jährige dabei ein Detail unter.   Auf dem Twitter-Video steht in großen Buchstaben „The End“. Ein Hinweis, dass vorigen Sonntag die Zeit des Homeoffice bei den Eisernen ablief und Union wieder in eine Art Mannschaftstraining einsteigen wollte.

Vielleicht steckt in diesem kurzen „The End“ aber ja noch mehr? Könnten   diese Worte auch als unbewusst tiefenpsychologische Ankündigung verstanden werden, dass die Zeit des Torstehers bei Union im Sommer endet? Eigentlich hatte der 32-Jährige angekündigt, dass er sich bis Ende März festlegen wollte, was seine Zukunft betrifft. Also ob er bei Union verlängert oder noch mal versucht, sein Können anderswo kräftig zu monetarisieren. „Die Epidemie hat alles auf den Kopf gestellt“, sagt Gikiewicz im Interview mit „Kanal Sportowy“ zum Vertragspoker.

Gikiewicz spricht freimütig über Hertha

Verhandlungen laufen nun einmal schwer, wenn der Markt zum Erliegen gekommen ist und keiner weiß, wie viel Geld danach wieder im Umlauf sein wird. Es ist eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten, die nicht einfach per Dreisatz zu lösen ist dieser Tage.

Im Köpenicker Forsthaus verdrehen sie zuweilen die Augen, wenn ihr Schlussmann mal wieder freimütig etwas in seiner Heimat zum Besten gibt. Scheint so, als ob vertraute Mundart bei ihm stets die Zunge löst.

Das jüngste Beispiel passt da ins Bild. Gemäß dem Fangesang der Köpenicker, die die Hymne von Frank Zander spöttisch in ein „Nur zu Hertha geh’n wir nicht“ umdichteten, erklärte Gikiewicz in der polnischen Sendung „Eleven Call Live“, ein Gesprächsangebot mit den Blau-Weißen über eine Kontaktperson   von vorneherein abgelehnt zu haben.

Eine Frage des Geldes

Am anderen Ende der Stadt wissen sie wohl wenig davon. Aber Gikiewicz schilderte seine Version, dass ein ehemaliger Profi, der nahe Berlin lebe und gute Kontakte zur Hertha pflege, Gespräche mit den Bossen angeboten habe. „Ich habe abgesagt. Für kein Geld könnte ich das verkaufen, was ich mit Union erreicht habe“, so Gikiewicz. Dank Investor Lars Windhorst sei Hertha sicher   gut aufgestellt, ein Angebot wäre für ihn „wahrscheinlich um ein Vielfaches höher als das von Union. Aber ich kann das nicht machen, weil für mich im Leben andere Werte wichtiger sind als Geld“, sagte er.

Das klingt für den Fan erst mal gut. Doch es heißt nicht, dass Union und er sich einig werden. Wie wichtig ihm das Geld ist, hatte er zuletzt mehrfach betont. Und sein „dann werden sie einen anderen Torwart holen und ich einen neuen Verein suchen“ klang nicht wirklich wie ein Treuebekenntnis zu den Eisernen.