Eiserner Abwehrriegel: Neven Subotic, Rafal Gikiewicz und Marvin Friedrich nach dem 3:1 gegen Borussia Dortmund.
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BerlinZu den Begleiterscheinungen des Fußballer-Berufes zählt, den überwiegenden Teil seiner Arbeit am Wochenende zu verrichten. Nicht selten kommt es zudem vor, dass man auch noch an seinem Geburtstag malochen muss. So ergeht es Rafal Gikiewicz an diesem Sonnabend. Der Torsteher des 1. FC Union wird sein 32. Wiegenfest beim Gastspiel gegen den FC Bayern in der Münchner Arena (15.30 Uhr) erleben.

Freilich würde er seinen Ehrentag gerne im Kreise seiner Liebsten verbringen − mit Ehefrau Ania und den beiden Kindern Piotr und Mateusz. „Für meine Familie ist es nicht so schön. Aber wir sind eben Profifußballer. Das gehört zu unserem Beruf“, sagt Gikiewicz. Er freue sich sogar richtig auf den Tag. Schließlich sei alles angerichtet für „eine große Party auf dem Platz“. Die Bayern. Die Bundesliga. Die ganz große Bühne. „Schaut mal, wie viele Leute zu meinem Geburtstag kommen: 75 000. Das ist doch Wahnsinn, oder nicht?“, sagt der Pole grinsend.

Eine tragende Säule

Einmal habe der 1,90 Meter große Schlussmann in seiner Laufbahn an seinem Ehrentag gespielt. Mit Eintracht Braunschweig war das, in der Zweiten Liga gegen 1860 München. Passenderweise in jener Arena in Fröttmanning, in der er heute auflaufen wird. „Wir haben damals ein 2:1 geholt“, erinnert sich Unions Nummer eins. „Nach dem Spiel bin ich mit dem Team in die Kurve gegangen und habe von den Fans ein Ständchen bekommen.“ Das wünscht sich der gebürtige Allensteiner (Olsztyn) auch heute. Der Rahmen passt: 7 500 stimmgewaltige Fans begleiten die Eisernen.

Gikiewicz zählt zu den Säulen bei Union. In der Aufstiegssaison wurde er von den Fans zum „Unioner des Jahres“ gewählt. In den ersten Spielen der noch jungen Saison offenbarte der sonst so sichere Schlussmann allerdings kleinere Unsicherheiten. Er sei eben ein normaler Mensch und kein Robocop, wehrte sich Gikiewicz damals gegen die Kritik. Jeder mache Fehler. Auch er, der im vergangenen Spieljahr in 15 von 36 Spielen, inklusive der Relegation gegen Stuttgart, ohne Gegentor blieb. „Union braucht einen Gikiewicz in Topform“, sagt der ehemalige Freiburger über sich.

Im Fokus wird neben Gikiewicz auch die Dreierabwehrkette um Marvin Friedrich, Keven Schlotterbeck und den wiedergenesenen Neven Subotic, der wohl den Vorzug vor Michael Parensen erhalten wird, stehen. Sie haben zuvorderst eine Aufgabe: Robert Lewandowski stoppen. Ein absoluter Topstürmer sei das, sagt Unions Trainer Urs Fischer. Für seine Verteidiger gehe es vor allem darum, in den Eins-gegen-Eins-Situationen den Mut nicht zu verlieren. Fischer ahnt: „Wenn wir am Ende wirklich einen Punkt holen, dann machen wir ein ganz tolles Spiel und Lewandowski verballert auch ein paar Chancen.“

65 Millionen Euro Marktwert

Auf 65 Millionen Euro wird der Marktwert des gebürtigen Warschauers beziffert. Damit ist Lewandowski beinahe doppelt so viel wert wie der ganze Union-Kader (36 Millionen). „Zu meinem Geburtstag“, sagt Gikiewicz, „wünsche ich mir drei Punkte – und vielleicht einen gehaltenen Elfmeter gegen Lewandowski.“ Das wäre das absolute I-Tüpfelchen für Gikiewicz („Ich will acht Mal in dieser Saison zu Null spielen“). Von 19 Strafstößen im Bayern-Trikot hat Lewandowski nur zwei verschossen. Beide gingen ans Aluminium. Von insgesamt 24 Bundesliga-Elfmetern scheiterte der Modellathlet nur einmal am Torhüter.

Gikiewicz kennt Lewandowski aus der Nationalmannschaft. „Er hat Respekt vor mir“, sagt der Unioner. Sohn Piotr, 8, ist ein Fan des Weltklassestürmers. „Als ich noch in Freiburg gespielt habe, haben wir uns oft vor den Spielen im Hotel getroffen. Ich habe meinen Sohn einmal mitgenommen. Er hat sich ein Autogramm für sein Paniniheft geholt und war hinterher richtig glücklich.“