„Klar war das eine gute Parade. So wie jeden Tag eben. Nix Neues.“ Sagt Rafal Gikiewicz über Rafal Gikiewicz.
Foto: Ottmar Winter

OrihuelaEs gibt sie ja, diese alten Fußballerweisheiten, die jedes Kind kennt. Elf Freunde müsst ihr sein. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Und bei Torhütern und Linksaußen gilt im Volksmund, dass sie ein bisschen verrückt seien. Nun muss man mit einem Blick auf Unions linke Flanke etwas davon Abstand nehmen. Marius Bülter und Joshua Mees sind eher der Typ Schwiegermutters Liebling denn extrovertiert. Doch was den Torsteher betrifft, passt diese alte Binsenweisheit zu 100 Prozent. Rafal Gikiewicz, der gern von sich in der dritten Person spricht, kann man nicht gerade nachsagen, dass er der übermäßigen Schüchternheit verdächtig ist.

Seine Ausbrüche in der Kabine nach unglücklich ausgegangenen Spielen sind berüchtigt. Kaum einer formuliert seine Ziele so lautstark wie der gebürtige Allensteiner. Zufriedenheit mit dem Erreichten oder sich gar Ausruhen auf dem erschaffenen Polster sind  seine Sache nicht. Auch über die Weihnachtsfeiertage kehrte keine Genugtuung über die Hinrunde der Köpenicker im Hause Gikiewicz ein. „Wir hätten“, sagt der 1,90 Meter große Schlussmann, „fünf, sechs Punkte mehr haben können.“ Gut ist Gikiewicz nie gut genug.

Union siegt im Test gegen Leuven 2:1

Auch im Testspiel an diesem Montagvormittag gegen den belgischen Zweitligisten Oud Heverlee Leuven, als der Schlussmann zwar 2:1 mit seinen Eisernen gewann, aber eben doch einmal hinter sich greifen musste. Und so sieht er auch die Hinrunde seines Teams durchaus selbstkritisch.

Gikiewicz erinnert an Düsseldorf, wo es in der Nachspielzeit bei ihm einschlug und er mit etwas Abstand den Fehler zum K.o. bedeutenden 1:2 bei sich suchte: „Mit meiner Qualität muss ich den halten.“ Er verweist auf das Remis in Paderborn, wo er den Seinen mangelnde Konsequenz und Fokussierung vor dem generischen Kasten attestierte. „Gikiewicz kann mit drei Gegentreffern leben bis 18. Mai, aber nur wenn wir selber vier schießen“, sagt Gikiewicz.

Ein Satz, dessen universelle Gültigkeit nur mit ausreichendem Abstand zu einer Partie fallen kann, wenn er in Ruhe über das Erreichte reflektiert. Unmittelbar nach einem Abpfiff eines solchen Torfestivals würde der frühere Freiburger seinen Vorderleuten lieber den Kopf abreißen. „Die Rückrunde wird immer schwierig. Das kenne ich aus meiner Freiburger Zeit. Die Spiele werden weniger, und auf einmal wächst der Druck“, sagt Gikiewicz nachdenklich mit Blick auf das Ziel Klassenerhalt. „Ein paar Spieler mögen mit 20 Punkten zufrieden sein, aber ihr kennt Gikiewicz. Ich sage nicht wow, ich will immer mehr.“

Sieg und Unentschieden in Testspielen

Der 1. FC Union ist an seinem Marathon-Testtag mit zwei Spielen im Trainingslager an der spanischen Costa Blanca ungeschlagen geblieben. Das Team von Trainer Urs Fischer setzte sich am Montagvormittag in Campoamor mit 2:1 (0:0) gegen den belgischen Zweitligisten OH Leuven durch. Wenige Stunden später spielte der Bundesliga-Neuling an selber Stelle 2:2 (2:0) gegen Royale Union St.-Gilloise, ebenfalls aus der zweiten Liga Belgiens. 

Doch es gibt auch die andere Seite des Rafal Gikiewicz. Den Spaßvogel, der Schabernack treibt. Mit ausgebreiteten Armen stand er nach einer Parade auf dem Trainingsgelände im Real Club Campoamor Golf Resort und forderte von Kollegen eine Huldigung, wie sie römische Gladiatoren in den Arenen nicht besser hätten erwarten können. „Jetzt, Applaus!“, tönte seine Aufforderung über den grünen Teppich.

Gikiewiczs Vertrag läuft aus

Die Blicke seiner gerade an ihm gescheiterten Vorderleute deuteten auf etwas andere Ideen hin. Wenigstens erbarmte sich sein Trainer Urs Fischer und ließ sich leicht zeitverzögert zu einem etwas gelangweilt klingenden „Ja, Rafa, sehr gut“ hinreißen. Damit konfrontiert, schleicht sich ein feines Grinsen in sein Gesicht: „Klar war das eine gute Parade. So wie jeden Tag eben. Nix Neues.“

Gikiewicz handelt mit Bedacht und nicht, um sich als Übertyp hinzustellen. „Wir brauchen gute Stimmung. Vor allem hier im Trainingslager“, sagt er. „Da machen wir auch mal kleine Spielchen und der Verlierer muss den anderen beim Mittag bedienen. Stimmung ist wichtig. Da muss man auch mal Lachen.“ Wo er aber etwas zurückhaltender ist dieser Tage, ist seine Vertragssituation im Sommer.

Sein Anstellungsverhältnis läuft dann aus. Also muss der Spieler Gikiewicz sich mit seinem Manager, also mit sich selbst, beraten. „Ich bin ganz cool. Ich konzentriere mich jetzt auf Alicante und die Vorbereitung. Für mich ist nur wichtig, dass wir in der Liga bleiben, für alles andere ist noch Zeit“, sagt er beim Thema Zukunft ausweichend. Schließlich sei er erst 32, also im besten Torwartalter. „Das ist sehr jung.“ Gikiewicz grinst.

Entscheidend für Gikiewicz ist die beste Zukunftsoption. Sagt Gikiewicz. Und dass er natürlich zufrieden sei in Berlin. Hier erlebt er gerade die beste Zeit seiner Karriere. „Arabien oder so will ich nicht.“ Und doch geht es jetzt auch darum, dass er noch maximal ein bis zwei große Verträge unterschreiben kann. Können oder wollen sich die Eisernen das leisten?

Gikiewicz sieht Union weiter erstklassig

„Geld ist wichtig, aber nicht alles“, sagt der Torwart. „Ich habe in Freiburg mehr verdient und bin doch zu Union in die Zweite Liga gegangen. Da geht es um mehr als das. Die Familie muss sich wohlfühlen. Ich muss spielen“. Ein Treuebekenntnis zum Klub will er sich jedoch nicht entlocken lassen, immerhin hatte Manager Oliver Ruhnert ja versucht, mit ihm eine auch für die Zweite Liga gültige Vertragsverlängerung anzugehen. Eine Frage, die sich für Gikiewicz im Übrigen nicht stellt. „Ich haben zum Manager schon gesagt, dass brauchen wir nicht, Union bleibt in der Ersten Liga.“