Berlin - Für Ralf Minge war die Abtauchphase nur relativ kurz. Während er bei Dynamo Dresden nicht mehr erwünscht war, ist er beim Halleschen FC nun sehr willkommen: Minge ist nach einer einjährigen Auszeit zurück im operativen Fußball-Geschäft. Beim HFC übernimmt der 60-Jährige von sofort an die Vertragsgespräche und Kaderplanung für die kommende Drittliga-Saison. Minge soll den Verein in den kommenden zwei Jahren voranbringen.

„Wir freuen uns, dass wir mit Ralf Minge einen sehr erfahrenen Fachmann verpflichten konnten, der schon mehrfach bewiesen hat, dass er Vereine konsequent weiterentwickeln kann“, sagte HFC-Präsident Jens Rauschenbach und bezog sich dabei nicht nur auf die Profimannschaft, sondern auch auf den Nachwuchsbereich bis hin zum Scouting. „Wir sind überzeugt, dass der HFC genau dieses ganzheitliche Denken und Handeln braucht, um sich weiterzuentwickeln“, betonte Rauschenbach.

Es geht um konzeptionell-strategische Ziele

Mit Minge habe er sich bereits vor fünf, sechs Wochen ausgetauscht und dann schnell Konsens gefunden, dass man den neuen Weg nach Corona gemeinsam gehen will. „Die Aufgabe hat mich von den ersten Gesprächen an gereizt. Der HFC ist ein ostdeutscher Traditionsverein, in dem sehr viel Potenzial steckt, wie sich beim Neubau des Nachwuchsleistungszentrums oder bei der breiten Fan- und Sponsorenbasis zeigt“, sagte Minge.

Das Entscheidende sei nicht das Vertragsangebot gewesen, sondern die inhaltliche Komponente, betonte der 36-fache DDR-Nationalspieler. „Es geht ganz klar darum, am Wochenende Fußballspiele zu gewinnen, aber es geht auch um konzeptionell-strategische Ziele. Der Zug im Profi-Fußball fährt schnell. Um da mithalten zu können, dürfen die Gedanken nicht am Samstag enden, wenn das Spiel vorbei ist“, sagte Minge. Sein Ziel sei es, die mittel- und langfristige Arbeit voranzutreiben.

Zuerst muss er aber eine Mannschaft für die neue Saison formen. Und die Frage klären, wer diese trainiert. Der Vertrag mit dem bisherigen Coach Florian Schnorrenberg läuft aus und ist noch nicht verlängert. Ab Donnerstag soll es intensive Gespräche geben, in deren Mittelpunkt zunächst eine intensive Auswertung der zu Ende gehenden Spielzeit steht.

Über Minges Vorgänger Ralf Heskamp wurde bei der Präsentation kaum ein Wort verloren. Er sei von seinen Aufgaben entbunden und freigestellt, sagte Rauschenbach ohne Gründe zu nennen. Zwischen dem Präsidenten und dem nunmehr ehemaligen Sportdirektor hatte es unterschiedliche Auffassungen in Sachen Personalfragen gegeben.

Minge hatte im Juni 2020 als Sportchef in Dresden aufgehört. Seitdem hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Verbindung zwischen dem HFC und Dynamo ist traditionell eng, Minge und der frühere Halle-Manager Ralph Kühne pflegten ein enges Verhältnis. Für den sehr mit Dresden verbundenen Minge ist es das sechste Engagement außerhalb der Elbestadt. Er war auch für den FC Erzgebirge Aue, Bayer Leverkusen, Fortuna Köln, für den DFB und für die Nationalmannschaft Georgiens tätig.