In Leipzig sitzt ein eingetragener Verein (e.V.), der helfen soll, das Geschäft eines Brausedosenherstellers aus Österreich anzukurbeln. Dazu wäre es nicht schlecht, wenn dieser Klub RB halbwegs populär wäre. RB steht für Rasenballsport, da der Name des Sponsorgetränks nicht zulässig war. Doch mit der Popularität gestaltet es sich schwierig.

De facto konnte zuletzt kaum einer Mitglied werden, weil der jährliche Beitrag auf stolze 800 Euro festgesetzt wurde plus 100 Euro Aufnahmegebühr. Nächste Woche treffen die Mitglieder, zuletzt war von acht die Rede, sich zu einer Versammlung.

Da sollen die Profiabteilung plus alle Teams bis zur U16 in eine GmbH ausgegliedert werden. Der Verein gibt keine Auskünfte, er lässt − als Einziger in den deutschen Eliteligen − dazu auch keine Medien zu. Er gibt sich als Geheimbund. Er beantwortet nicht mal Fragen zur Höhe des Beitrages oder zur Anzahl ordentlicher Mitglieder. Er erweckt den Eindruck, dass er gern populär wäre, aber keine Ahnung hat wie.

Er steht unter Druck. Schon seine Zulassung zu den Bundesligen hing am seidenen Faden: Die Deutsche Fußball-Liga verlangte ein neues Logo und einen ernsthafteren Vereinsbetrieb mit der Öffnung für echte Mitglieder.

Bei einer GmbH darf wieder niemand Ungebetenes mitreden. Bisher war das Konstrukt nur für das Finanzamt interessant: Ein e. V. profitiert von steuerlichen Vorteilen. Allein: Nur er oder seine Tochtergesellschaften sind zum Spielbetrieb zugelassen. Doch was bleibt RB, dem Verein, der nur Fußball bietet, noch, wenn alle wichtigen Teams ausgliedert werden − fast niemand, außer Präsidium samt verschwiegenem Pressesprecher.

Zuletzt beim Spiel gegen St. Pauli sind RB sogar die eigenen Fans davongelaufen. Weil es keine Stehplätze gibt im modernisierten Zentralstadion, haben einige auf den Sitzplätzen gestanden. Die Aufmüpfigen sind aus der Arena hinausgeworfen worden. Andere sind aus Solidarität gefolgt. Eigenwilliger ist noch kein Klub populär geworden.