Berlin/Leipzig - Schlechtester Bundesliga-Start, höchste Niederlage gegen Bayern München und eventuell schon das Ende der Meisterchancen: Bei RB Leipzig schlagen die Superlative derzeit in die Negativrichtung aus. Nach dem Erfolgsrausch der vergangenen Jahre droht dem Klub die erste Krise. „Wir haben im Moment nicht die Ergebnisse. Das gibt dann ein bisschen Stress“, gab Trainer Jesse Marsch nach dem 1:4 gegen den Rekordmeister zu und räumte ein: „Wir brauchen ein wenig mehr Zeit, wir müssen lernen.“

Diese Zeit wird seine Mannschaft kaum bekommen. Denn nach vier Spieltagen der Fußball-Bundesliga hat RB nur drei Punkte auf der Habenseite, dafür aber schon sieben Zähler Rückstand auf die Bayern. Und die sind aktuell nur Zweiter hinter Spitzenreiter Wolfsburg – keine Gemengelage, um Selbstvertrauen aufzubauen.

Nur drei Punkte für Leipzig statt eingeplanter acht

Vorstandschef Oliver Mintzlaff gibt sich gelassen. Noch. „Wir gehen seit Jahren unseren Weg und werden ihn konsequent weitergehen. Ich glaube nicht, dass wir nach vier Spieltagen unsere Saisonziele korrigieren müssen. Das Vertrauen in Jesse Marsch ist da“, sagte der 46-Jährige. Die Zwischenbilanz, so viel räumte er ein, passte Mintzlaff allerdings überhaupt nicht: „So haben wir uns den Start nicht vorgestellt.“

Mindestens acht statt der erspielten drei Punkte hatte man eingeplant. Das Spiel gegen die Bayern offenbarte, dass der durch die Abgänge von Trainer Julian Nagelsmann, Abwehrchef Dayot Upamecano und Kapitän Marcel Sabitzer nötig gewordene Umbruch schwierig ist. So deutlich war der Qualitätsunterschied zu den Bayern in der Bundesliga im eigenen Stadion noch nie.

„Es war nicht alles schlecht, aber wir haben hoch verloren. Das müssen wir analysieren“, sagte Torschütze Konrad Laimer. Dem österreichischen Nationalspieler war mit einem Traumtor der einzige Leipziger Treffer gelungen. Zu wenig gegen die souveränen Münchner, die vor 34.000 Zuschauern durch Robert Lewandowski (12. Minute/Handelfmeter), den überragenden Jamal Musiala (47.), Leroy Sané (54.) und Eric Maxim Choupo-Moting (90.+2) trafen.

Dass es schon in wenigen Tagen bei Manchester City weitergeht, macht die Sache noch komplizierter. Zu befürchten ist die nächste klare Niederlage, zumal City auf ähnlichem Niveau wie München spielt.

Jamal Musiala zaubert beim FC Bayern

Dem Team von Marsch kann man weder Willen, noch Motivation, noch Kampfstärke absprechen. Doch einige taktische Fragen wirft die Bayern-Niederlage auf. So verzichtete Marsch beim Stand von 1:3 darauf, einen zweiten Stürmer zu bringen. Stattdessen wurde der glücklose André Silva schlicht durch Yussuf Poulsen ersetzt. Nach einer Stunde nahm Marsch in Dani Olmo den besten Leipziger vom Platz, um ihn nicht zu sehr zu belasten. Der schwache Dominik Szoboszlai durfte dagegen 90 Minuten durchspielen.

Bei den Münchner sorgte dagegen ein Einwechselspieler für neue Magie. „Jamal Musiala war der Zauberer des Spiels“, sagte Nationalspieler Thomas Müller. In der Tat ragte der 18-Jährige bei den ohnehin starken Bayern noch einmal heraus, nachdem er kurz vor der Halbzeit für den verletzten Serge Gnabry ins Spiel gekommen war. Dabei war es nicht nur sein Tor zum 2:0 oder die Vorlage zum 3:0. Vielmehr bekam das Spiel der Bayern mit der Einwechslung Musialas eine gewisse Leichtigkeit. „Es hat Spaß gemacht. Wir üben Spielzüge wie bei meinem Tor im Training. Da muss man nicht viel nachdenken“, gab Musiala zu Protokoll. Hinzu kommen Talent und Instinkt des Teenagers, sodass auch der Trainer schwärmt: „Er ist ein Straßenfußballer oberster Kategorie“, sagte Julian Nagelsmann.