Dass die Trikots eines sächsischen Kreisoberligisten überregionales Interesse erlangen, geschieht eher selten. Wegen dessen Sponsors hat der Sächsische Fußball-Verband dem Kreisoberligisten SV Bautzen vorige Woche untersagt, seine Trikots weiter zu tragen. In derselben Sache hat ein örtlicher Stadtrat dem Klub damit gedroht, dass er nicht weiter finanziell gefördert werden könne.

Sponsor ist ein Laden aus Wilthen, dessen Produktpalette durchaus rechtsextreme Käuferschichten bedienen könnte. Über den Eigentümer des Geschäfts publiziert ein Nazi-Watch-Forum, eine Internetplattform, die Hintergründe der Neonaziszene darstellen will, dass er früher in einer einschlägigen Neonazi-Band gesungen habe und an Neonazi-Aufmärschen beteiligt gewesen sei. Zum Liedgut etwa habe der Text gezählt: „Einst geprägt, dass Deutsche Volk, von der nordisch germanischen Rasse. Doch schau ich jetzt in viele Augen, verliert sich diese in der Masse. Fast ausgerottet und am Boden, seh ich diese Urgestalt. Unterwandert von fremden Kulturen, doch den Deutschen lässt das kalt.“

Viel spricht also dafür, dass der Laden Produkte, die sich großer Beliebtheit unter Rechtsextremen erfreuen, nicht zufällig verkauft. Viel spricht dafür, dass ein kleiner Verein in der Not seine Kleidung von Menschen mit gefährlichem Gedankengut fördern lässt. Die Frage lautet, ob das in einer demokratischen Gesellschaft statthaft sein soll, oder ob es Sportverbänden zusteht, Sponsoren auf ihre Gesinnung dann zu untersuchen, wenn offenkundig der Staat noch keine Notwendigkeit zum Handeln sieht. Der Laden vertreibt seine Produkte bisher völlig legal im Internet. Ohnehin ist schwer zu sagen, ob allein das Tragen bestimmter Marken verfassungsrechtlich bedenklich sein kann.

Generelles Bekenntnis zur Demokratie erwünscht

Natürlich kann man von Sportvereinen generell ein Bekenntnis zu den demokratischen Werten verlangen. So hatte Präsident Peter Fischer vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt: „Ich werde auf der Mitgliederversammlung eine deutliche Position beziehen, dass es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen.“ Als demokratisch legitimierter Präsident des Klubs kann er durchaus öffentlich die Werte des Vereins nach außen benennen.

Insofern wäre auch in Bautzen, einer Stadt, die durchaus schon mit einer Reihe rechtsextremer Vorfälle unschöne Berühmtheit erlangte, dem örtlichen Sportverein eher zu raten gewesen, selbstständig auf den Sponsor zu verzichten, will er nicht Zweifel an seinen eigenen Werten, seiner Integrität und seinem Demokratieverständnis säen.

Ob allerdings dann Verbände berechtigt sind, Gesinnungsurteile zu fällen und Verbote auszusprechen, scheint eher fraglich. So löblich der Hintergrund und die Entschlossenheit bei Verband und Stadtrat auch sind. Zumindest dienen sie Eltern und Sportinteressierten vor Ort zur Meinungsbildung, ob der SV Bautzen denn tatsächlich der Verein ist, dem man sich anschließen sollte. Sich aus rein ökonomischem Nutzen opportunistisch Sponsoren auszuliefern, sollte zumindest bei den Mitgliedern eindeutige Reaktionen hervorrufen.