Berlin - Wenn sich nach herben Pleiten die Vereinsbosse bei ihren Trainern melden, ist für gewöhnlich dicke Luft angesagt. Christian Benbennek kennt diese Gepflogenheiten der Zunft. Leicht sind solche Telefonate nie. Doch das Gespräch mit Dynamos Wirtschaftsrat-Chef Peter Meyer am Sonnabend, also einen Tag vor dessen 54. Geburtstag, hatte keine branchenüblichen Reflexe zur Folge. „Aber natürlich mussten wir dieses 0:2 in Jena erst einmal ein bisschen analysieren“, so Benbennek. 

In der Tat herrscht ein Redebedarf in Hohenschönhausen. Aus den ersten zehn Spielen holte Dynamo – egal wie ersatzgeschwächt – 27 Zähler. Danach folgten, neben dem Pokalaus bei Sechstligist Füchse Berlin - drei Remis in Folge. In Thüringen langte es jetzt nicht mal mehr zu einem Punkt. Weil der BFC in einem ungewohnt mutlosen Auftritt all die Tugenden vermissen ließ, die ihn sonst ausgezeichnet hatten. 

Benbennek sieht schlechteste Saisonleistung

„Das war unsere schlechteste Saisonleistung. Mit Abstand. Über weite Strecken haben wir nicht stattgefunden. Wir müssen sehen, dass wir das ganz schnell abstellen“, so Benbennek.  Die These, dass seine Kicker den Gang ins Ernst-Abbe-Sportfeld im Unterbewusstsein ein wenig zu leicht genommen hätten, wollte Benbennek sich nicht zu Eigen machen. Obwohl sie menschlich verständlich gewesen wäre.

Seit einigen Wochen kriechen die Weinrot-Weißen ja auf dem Zahnfleisch und stolperten doch nicht. Oder eher kaum. Vor dem Kick in Thüringen hatten sich mit Niklas Brandt und Philip Schulz zwei längerfristig ausgefallene Stammkräfte zurückgemeldet, zudem hatte es unter der Woche mit Andreas Wiegel einen für Regionalligaverhältnisse beachtlichen Zugang gegeben. Das kann schon Auswirkungen auf die Psyche haben. 

BFC sucht die verlorene Leichtigkeit

„Es ist und bleibt so: Wenn wir nicht in jedem Spiel ans Limit gehen, dann wird das nichts. Jeder Punkt muss sich in der Liga erarbeitet werden“, sagt der 48-jährige Trainer mit deutlichen Worten an seine Truppe, die neben der Pleite auch eine erneute Verletzung von Niklas Brandt verkraften musste. 

Von seiner Mannschaft erwartet er nun Selbstkritik bei der Aufarbeitung des Auftritts, bei dem einzig Zugang Wiegel („Der ging ab wie eine Rakete“) zu gefallen wusste. Doch die Peitsche rausholen werde er jetzt nicht. „Wir müssen wieder ein Stück weit die Leichtigkeit finden. Da jetzt draufzuhauen, wäre eher kontraproduktiv“, glaubt Dynamos Übungsleiter. 

Seit vier Spielen ist Dynamo zwar sieglos. Aber groß passiert ist nichts. Man ist immer noch oben dabei. Es wird aber darauf ankommen, nicht weiter abreißen zu lassen. Denn der Aufstieg war zwar der heimliche Wunsch, aber nicht das erklärte Ziel. Und oben mitspielen ist weiterhin möglich. Der BFC ist, nur zur Erinnerung, immer noch Tabellenzweiter. Es ist noch längst nicht alles schlecht in Hohenschönhausen.