Reform: Kubas Sportler dürfen ins Ausland

Die großen Veränderungen kommen auf Kuba immer kleingedruckt daher. Man muss schon genau die Parteizeitung Granma lesen, wenn man wissen will, welchen Reformschritt die Regierung in Havanna gerade wagt. Am Freitag stand eine kleine Meldung im Parteiblatt, die überraschende Neuerungen in einem Sektor verkündete, an dem der Reformeifer von Präsident Raúl Castro bisher vorbeigezogen war.
Die kommunistische Karibikinsel erlaubt ihren Sportlern ab kommendem Jahr, im Ausland lukrative Profiverträge zu unterschreiben. Der allmächtige Ministerrat entschied ferner, dass auch Trainer künftig in den großen Ligen der kapitalistischen Welt anheuern dürfen. Einzige Einschränkung: Die Spitzenathleten müssen immer zu internationalen Turnieren nach Kuba zurückkehren oder für die Nationalmannschaften zur Verfügung stehen. Und sie müssen Steuern auf der Insel zahlen. Die Reform, die für die Baseballer Kubas bereits nach Abschluss der Saison im November greift, ist eine der vielen Veränderungen, die bis vor Kurzem noch undenkbar schienen auf der Insel. Schließlich hat Kuba den Profisport 1961 offiziell abgeschafft.

Spitzensport ist Staatsziel

Aber im Juli hatten die Behörden einigen Baseballspielern punktuell erlaubt, Profiverträge in Mexiko zu unterschreiben. Und nun folgt die Öffnung des gesamten Sektors. Laut Granma werden weitere Reformen folgen: „Dies ist erst der Anfang“, heißt es in dem Artikel.

Wie alle sozialistischen Staaten ist auch in Kuba der Spitzensport Staatsziel. Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sollen vor allem die Anerkennung des Landes in der Welt mehren. So war Kuba bei Olympia phasenweise sehr erfolgreich. In Barcelona gewann die Mannschaft 33 Medaillen, davon 16 goldene. Die Insel war viele Jahre Weltklasse im Volleyball der Frauen und Männer, ist führend im Box-Sport, erfolgreich in der Leichtathletik und hat eine ausgezeichnete Ausbildung von Baseballern, dem Nationalsport schlechthin. In der jüngeren Vergangenheit machten kubanische Sportler international auch im Bahnradsport und Judo auf sich aufmerksam.

Zuletzt gingen die Erfolge jedoch zurück, auch weil für die Förderung des Spitzensports in wirtschaftlich schweren Zeiten das Geld fehlt. Bei den Olympischen Spielen vergangenes Jahr in London gewann Kuba gerade noch 14 Medaillen, davon fünf goldene.

Autos und Häuser für Athleten

Mit der Öffnung des Sports will die Regierung nicht nur an den lukrativen Verträgen der Sportler im Ausland mitverdienen, sondern auch die Flucht bekannter Athleten oder ganzer Mannschaften verhindern. „Es ist eine Schmach für die kubanische Regierung, wenn die großen Stars desertieren, um in anderen Staaten ihrem Beruf nachgehen zu können“, sagte Sportanalyst Craig Calcaterra vom US-Fernsehsender NBC.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder Baseballspieler, aber auch Boxer, Gewichtheber, Bogenschützen, sogar Fußballspieler, Tänzer und Turner abgehauen. Rund zwei Dutzend Kubaner spielen mittlerweile erfolgreich in der Baseball-Profiliga MLB in den USA. Jüngster Verlust ist der hoch talentierte 22-jährige Outfielder Yasiel Puig, der 2012 über Mexiko in die Vereinigten Staaten floh und bei den Los Angeles Dodgers einen Siebenjahresvertrag für 42 Millionen Dollar (31 Millionen Euro) unterzeichnete. Daheim bekam er gerade umgerechnet 15 Euro Staatslohn.

Um diese Unterschiede zu verringern, hat die Regierung jetzt eine Erhöhung der Sportlerbezüge auf Kuba beschlossen. Schon seit Langem werden erfolgreiche Athleten und Medaillengewinner mit Autos und Häusern zum Bleiben auf der Insel überredet, aber jetzt soll auch noch eine gestaffelte Entlohnung hinzukommen.

Künftig werden Medaillengewinner bei Olympischen Spielen umgerechnet 45 Euro bekommen, Baseball-Spieler in der nationalen Liga 40 Euro verdienen. Wichtigste Veränderung: Die Preisgelder, die kubanische Athleten im Ausland einstreichen, dürfen sie in Zukunft zu 80 Prozent behalten. Bisher blieben ihnen nur 20 Prozent.