Guter Fußball, gute Laune: Die VSG Altglienicke unterhält ihre Fans prächtig. Auch wenn es derzeit nicht allzu viele sind.
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BerlinDie Überraschungsmannschaft der VSG Altglienicke hat wieder die Tabellenspitze der Regionalliga Nordost übernommen, auch wenn die Situation wegen zahlreicher Spielausfälle etwas unübersichtlich ist. Das Team von Trainer Karsten Heine siegte im schweren Auswärts-Duell bei Chemie Leipzig 4:2. Heine sagte: „In diesem Vergleich war alles drin. Schöne Tore, Hektik, Kampf und ein Platzverweis gegen uns.“ Der erfolgreiche Coach hatte seinen Spielern zuvor gesagt: „Bei Chemie zu gewinnen, war schon vor 60 Jahren sehr schwer.“ Der Erfolg der VSG wurde noch aufgewertet, weil Energie Cottbus beim ZFC Meuselwitz nur zu einem 1:1 kam. Die anderen Duelle mit Beteiligung von Spitzenteams – Berliner AK gegen Lok Leipzig und Nordhausen gegen Hertha II waren wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt worden.

Relegation am 20. und 24. Mai

Am Wochenende gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Meldung heraus, die für die besten Vereine aus dem Nordosten von großer Bedeutung ist. Der Meister der Staffel Nordost steigt in der kommenden Spielzeit 2020/21 direkt in die Dritte Liga auf. Im Mai, am 20. und 24., aber muss der Staffelsieger zwei Relegationsspiele gegen den Meister der Staffel West bestreiten. Alle vier Vereine, die sich noch Hoffnungen machen können, hatten in der vorigen Woche pünktlich die Lizenzunterlagen für die Dritte Liga beim DFB eingereicht. Einige der potenziellen Aufstiegs-Kandidaten könnten allerdings Probleme bekommen – vor allem die VSG Altglienicke wegen der geforderten Kapazität des Heimstadions von 10 001 Plätzen.

Herthas U23, sportlich derzeit am weitesten von Platz eins entfernt, kann das moderne Amateurstadion im Olympiapark mit 5 400 Plätzen und einer Flutlichtanlage als Heimspielstätte vorweisen. Für die zweiten Teams von Profiklubs reichen in der Dritten Liga Stadien mit lediglich 5 000 Plätzen als Bedingung aus. Das ist eine Anzahl, die sich viele der möglichen Aufsteiger aus allen Staffeln gerne als Richtzahl vom DFB gewünscht hätten.

Bei Berlins aussichtsreichstem Verein, der VSG Altglienicke, ist die Stadionfrage offener denn je. VSG-Geschäftsführer Marco Schröder sagte dieser Zeitung: „Uns hat natürlich der sportliche Erfolg unserer Mannschaft überrascht. Wir hatten zu Saisonbeginn nicht damit gerechnet, dass wir uns mit der Zulassung zur Dritten Liga befassen müssen. Die Stadionfrage ist unser ganz großes Problem.“

Das Team von Trainer Karsten Heine spielt im Moment im Jahnsportpark, genauso wie der BFC Dynamo. Doch das 19 000-Zuschauer-Stadion soll am Jahresende geschlossen und abgerissen werden. Ein Neubau ist geplant und der gesamte Sportpark soll zu einer zentralen Inklusions-Sportanlage samt Stützpunkt für den Behindertensport ausgebaut werden. Das Vorhaben unterstützen alle Berliner Regionalligisten. Schröder: „Unser aller Wunsch: Der Umbau sollte möglichst schnell und zügig erfolgen. Später könnten dann vielleicht fünf, sechs Vereine dort spielen.“ Die VSG Altglienicke trainiert inzwischen auf der Willi-Sänger-Sportanlage in Baumschulenweg, die nach und nach für die Regionalliga fit und zur Heimat der VSG gemacht werden soll. Schröder: „Der DFB empfahl uns, erst einmal aus formal-juristischen Gründen, diese Anlage an der Köpenicker Landstraße als Standort anzugeben. Im Falle eines Aufstiegs soll mit der Sportpolitik Berlins über eine Drittliga-Spielstätte geredet werden.“

Die Lage für die VSG ist äußerst verzwickt. Bleibt man in der Regionalliga, würde man die Hinrunde noch im Jahnsportpark absolvieren. „Für die Rückrunde 2021 haben wir bei Hertha eine Anfrage gestellt, ob wir im Amateurstadion spielen können“, sagt Marco Schröder. Angestrebt ist aber, so bald wie möglich auf der Willi-Sänger-Anlage in Liga vier spielen zu dürfen.

Was aber passiert, sollte die VSG tatsächlich Platz eins in der Regionalliga Nordost belegen und auch die beiden Relegationsspiele gegen den Staffelsieger aus dem Westen gewinnen? Schröder: „Im Moment hätten wir kein geeignetes Stadion.“ Das Flutlicht im Jahnsportpark als Alternative bis Jahresende besitzt keine 800 Lux, die der DFB vorschreibt, auch das Poststadion mit seinen 10 000 Plätzen, wo der Berliner AK spielt, soll erst eine Flutlichtanlage bekommen. Geschäftsführer Schröder berichtet von Gesprächen über das Olympiastadion oder auch die Alte Försterei als Ausweichmöglichkeiten, aber konkrete Ergebnisse gibt es nicht. Die Kosten wären für die VSG enorm, die im Moment nur einen Zuschauerschnitt von rund 450 Fans aufweisen kann. Trainer Heine sagt: „Wir können auch vor kleiner Kulisse guten Fußball zeigen.“

FC Energie und Lok Leipzig haben es leichter

Einfacher scheint die Situation für Energie Cottbus und den 1. FC Lok Leipzig zu sein. Der ehemalige Erstligist Energie Cottbus besitzt mit dem „Stadion der Freundschaft“, wo 22 000 Fans die Spiele verfolgen können, über eine taugliche Arena, die einst sogar die Profis des FC Bayern München oder die von Hertha BSC fürchteten.

Der ehemalige DDR-Oberligist 1. FC Lok Leipzig müsste das altehrwürdige Bruno-Plache-Stadion mit einer Kapazität von 10 900 Plätzen modernisieren, eine Rasenheizung einbauen und zusätzlich 2 000 Sitzplätze schaffen. Sollten bestimmte Partien, eventuell aus Sicherheitsgründen, nicht im „Plache“ stattfinden dürfen, hat Lok Leipzig beim DFB das Erfurter Steigerwaldstadion als Ausweich-Arena angegeben. Der insolvente FC Rot-Weiß Erfurt wird in der Oberliga seine Spiele auf einem anderen Platz austragen.

Ob der DFB einem möglichen Überraschungs-Aufsteiger VSG Altglienicke in der Stadionfrage ein wenig entgegenkommen würde? Geschäftsführer Marco Schröder: „Das glaube ich nicht. Davon können wir nicht ausgehen.“