47-Manager Benjamin Plötz im Zoschke-Stadion, das jetzt umgerüstet wird.
Berliner Zeitung: Thomas Uhlemann

Berlin-LichtenbergDas jüngste Lob für den Regionalliga-Aufsteiger Lichtenberg 47 kam von Andreas Neuendorf, genannt Zecke, dem einstigen Publikumsliebling von Hertha BSC. Neuendorf, seit dieser Saison Trainer der U23 von Hertha, verteilte es nach der überraschenden 2:4-Heimniederlage seiner Mannschaft gegen Lichtenberg. „Es gibt Niederlagen, da habe ich tagelang einen elend langen Hals“, sagte Neuendorf, „aber heute kann ich, ehrlich gesagt, damit leben. Als ein Fußball liebender Mensch kann ich den Lichtenberger Spielern nur gratulieren.“

Der couragierte und spielerisch starke Auftritt der Mannschaft von Trainer Uwe Lehmann hatte auch Neuendorf sehr imponiert. Der Aufsteiger, dessen Akteure allesamt einer Arbeit nachgehen oder studieren, hat sich bis auf Rang neun in der Tabelle vorgeschoben und elf seiner bislang 19 Punkte in der heimischen Hans-Zoschke-Arena, einem reinen schmucken Fußballstadion, errungen. Nun aber beginnt gezwungenermaßen der vorübergehende Umzug ins rund zehn Kilometer entfernte Poststadion nach Moabit, wo am Sonntag die Partie gegen Rot-Weiß Erfurt ausgetragen wird (13.30 Uhr).

Strenge Auflagen des Verbandes

Lichtenberg muss strenge Auflagen des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) erfüllen und einen großen Sicherheitszaun rund um den Gästeblock errichten lassen. Vor allem wenn Teams ins Zoschke kommen, die zahlreiche Fans mit nach Berlin bringen, wäre die Sicherheit nicht mehr zu hundert Prozent gewährleistet. Es geht etwa um die Duelle gegen Energie Cottbus, Rot-Weiß Erfurt, den BFC Dynamo und auch Lok Leipzig.

Das Bezirksamt Lichtenberg ist der Eigentümer des Hans-Zoschke-Stadions, Lichtenberg 47 der Hauptnutzer. Die Kosten für den Sicherheitszaun, rund 200 000 Euro, übernimmt der Bezirk, der auch für weitere Umbauten in den Jahren 2020 und 2021 zuständig ist. Das betrifft eine dringend notwendige Flutlichtanlage und die Überdachung der Sitzplatztribüne.

In dieser Woche aber beginnt Teil eins des Umzugs ins Poststadion, wo auch Liga-Konkurrent Berliner AK seine Heimspiele austrägt. Neben der Partie gegen Erfurt muss 47 zwei weitere Duelle in der Fremde organisieren, am 1. Dezember gegen Energie Cottbus und am 8. Dezember gegen den VfB Auerbach. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt Geschäftsführer Henry Berthy, „wir müssen ja jeden Löffel und jeden Becher mitnehmen.“

Benjamin Plötz, der Sportliche Leiter der Lichtenberger, war nach einer Besichtigung der Ausweichspielstätte begeistert. „Das Poststadion ist top. Haupttribüne, Zäune, Toiletten, VIP-Räume oder auch die Sprecherkabine – alles hat extrem hohe Qualität. Und auch der Rasen ist super.“

Heimspiel-Atmosphäre übertragen

Plötz sagt, es komme nun darauf an, eine Heimspiel-Atmosphäre für Mannschaft und Anhänger zu schaffen. „Wir müssen das 47er-Gen ins Poststadion übertragen.“ Er glaubt, dass die angestammten Anhänger der Mannschaft auch ins Ausweichquartier folgen werden. „Gerade mit Erfurt und Cottbus kommen namhafte Gegner, und wir brauchen unser Publikum.“

Das bislang letzte Duell bei der U23 von Hertha BSC – das Team von Trainer Neuendorf war lange Tabellenführer der Liga – könnte noch einmal einen Schub in Sachen Zuschauer ausgelöst haben, glaubt Plötz. Gut 300 Fans der Lichtenberger waren ins Amateurstadion auf dem Olympiagelände gekommen, um ihr Team zu unterstützen.

Die Mannschaft um den starken Keeper Niklas Wollert oder die Anführer Sebastian Reiniger, Christian Gawe und Thomas Brechler nimmt den Umzug professionell, wird sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Im Moment trainiert das Team allerdings nur auf Kunstrasen, weil im Zoschke rund um den heimischen Naturrasen kein Flutlicht vorhanden ist. Das Training kann erst ab 18 Uhr stattfinden, weil alle Spieler spät von der Arbeit kommen. Und da ist es längst dunkel.

300 Fans aus Erfurt

Benjamin Plötz hofft nun, dass bald eine Planungsgruppe gebildet wird, in der Vertreter des Bezirks, des Vereins und anderer wichtiger Institutionen zusammenkommen, um alle Umbauarbeiten voranzubringen. „Da muss auch Tempo rein“, fordert der Manager. Das erste Spiel der Rückrunde gegen den ZFC Meuselwitz soll am 2. Februar wieder im Zoschke-Stadion stattfinden.

Sportlich hat sich der Aufsteiger gemausert. Das Team des umsichtigen Trainers Uwe Lehmann lebt vom Zusammenhalt, vom großen Teamgeist und seiner Spielkultur. Nach einer zwischenzeitlichen Negativserie trumpfte die Mannschaft groß auf, besiegte nacheinander die Spitzenmannschaften der VSG Altglienicke (2:1) und eben die mit Profis bestückte U23 von Hertha. „Wir haben die Regionalliga hinbekommen, wissen, wie sie funktioniert“, lobt Plötz Trainer und Spieler.

Am Mittwoch nun begann der aufwendige Umzug ins Poststadion, am Sonnabend startet der Aufbau. „Alles muss mit“, sagt Plötz noch einmal, „vom Banner für die Sponsoren über Fahnenstangen bis zu den Tickets.“ Gegner Erfurt wird mit großem Anhang kommen. 300 Fans haben sich angesagt. Das sollte viele Lichtenberger animieren, ihrer Mannschaft nach Moabit zu folgen.