Regionalliga Nordost: Andere Berliner Klubs sind abgestürzt, der BAK peilt den Aufstieg in die Dritte Liga an

Mehmet Ali Han gibt sich kämpferisch. Der Präsident des Berliner AK sagt mit Blick auf die Rückrunde der Fußball-Regionalliga: „Wir werden das Maximale herausholen und uns um unsere eigene Küche kümmern.“ Bauunternehmer Ali Han, seit vielen Jahren die prägende Figur des Vereins, benutzt das Bild von der „Küche“, um die Konzentration auf die Leistungen der eigenen Mannschaft zu lenken und auf Dinge, die die Wirtschaftskraft des BAK stärken sollen. Was beim souveränen Tabellenführer, dem Chemnitzer FC, oder beim unmittelbaren BAK-Verfolger Rot-Weiß Erfurt passiert, beobachtet Ali Han natürlich, „aber das können wir ja alles nicht beeinflussen“.

Der Berliner Athletik-Klub befindet sich in einer besonderen Tabellen-Situation. Auf Platz eins thront Chemnitz mit 51 Punkten und ist normalerweise uneinholbar. Dahinter hat sich der BAK auf Rang zwei vorgeschoben (39 Punkte) und wird auf Rang drei von Rot-Weiß Erfurt bedrängt (36 Punkte). Die Berliner von Trainer Ersan Parlatan haben eine „Sandwich-Position“ eingenommen zwischen den beiden ehemaligen DDR-Oberligisten. Das Besondere in dieser Spielzeit ist, dass der Meister der Regionalliga Nordost direkt in die Dritte Liga aufsteigen wird und keine der ungeliebten Relegationsspiele bestreiten muss. Der Anreiz, am Ende ganz oben zu stehen, ist deshalb besonders groß.

Trainingslager in Belek

Obwohl Ali Han sagt, dass er sich nur auf die eigenen Kräfte konzentrieren will, ärgert ihn die Lage in der Liga zwischen zwei Klubs, die im Vorjahr in die Insolvenz gegangen waren.

Erfurt stieg als Tabellenletzter aus der Dritten Liga ab, wurde wegen Insolvenzantrag mit zehn Punkten Abzug bestraft. Chemnitz musste als Tabellenvorletzter der Dritten Liga nach unten, wurde auch wegen Insolvenzantrag mit neun Punkten Abzug belegt. Beide Klubs wurden dann in die Regionalliga Nordost eingegliedert, was bereits im Sommer 2018 den Unmut von Ali Han hervorrief. Der schimpfte damals: „Teams wie Erfurt und Chemnitz verbrennen Gelder und gehen einfach in Insolvenz.“ Er, der beim BAK jahrelang gute Aufbauarbeit geleistet hat, fühlte sich irgendwie benachteiligt. So wie andere Vereine auch.

Erfurt drückten rund acht Millionen Euro Schulden, das Insolvenzverfahren wurde Anfang Juni 2018 eröffnet, bei Chemnitz begann das Verfahren Ende Juni vorigen Jahres. Von rund 2,5 Millionen Euro Schulden war dort die Rede. Beide Klubs haben ihre immensen wirtschaftlichen Probleme inzwischen besser in den Griff bekommen. Chemnitz bekam als nun ausgegliederte Fußball-GmbH vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) im Dezember nach langer Prüfung die Spielgenehmigung für die Rückrunde. Auch Rot-Weiß Erfurt ist dabei, die Profimannschaft auszugliedern. Die Thüringer beklagen aber noch immer rund 6,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Trotz dieser Unsicherheiten bei den beiden Hauptkonkurrenten des Berliner AK glaubt etwa Mehmet Öztürk, der Sportliche Leiter, nicht daran, dass der Chemnitzer FC noch aus irgendeinem finanziellen Grund straucheln könnte. „Das ist unwahrscheinlich, aber wir müssen dennoch an Chemnitz dranbleiben“, fordert Öztürk von seinen Spielern, die im täglichen Training stehen. Zuletzt trumpfte der BAK in einem Testspiel beim Tabellenletzten der Regionalliga, Optik Rathenow, groß auf und siegte mit 6:1. Vom 22. bis zum 29. Januar geht das Team ins Trainingslager nach Belek in die Türkei, wo Testspiele gegen Halberstadt und Gießen geplant sind.

Das Ziel, irgendwann dritte Kraft im Berliner Fußball zu werden, haben sie beim BAK nicht aufgegeben. Andere Vereine, die auch diese Vision verfolgen, sind im Moment bitter abgestürzt. Der BFC Dynamo kämpft gegen den Abstieg, Viktoria 89 bangt nach einem Insolvenzantrag noch immer um die Existenz der Regionalliga-Mannschaft.

Die ist beim BAK absolut gesichert. Mit der Hinrunde ist man bei BAK sportlich zufrieden, nur mit dem Pokal-Aus im Achtelfinale gegen Altglienicke (1:4) hadern Öztürk und auch Ali Han noch immer. „Das war schmerzhaft“, so Öztürk. „Völlig unnötig“, ärgerte sich Präsident Han. Der vermisste zudem eine Siegesserie seiner Mannschaft, die sie noch näher an den Chemnitzer FC herangebracht hätte. „Wir brauchen noch mehr Konstanz.“

Ali Han, der im Alter von 16 Jahren aus der Türkei nach Berlin kam und zum erfolgreichen Unternehmer aufstieg, arbeitete zuletzt eifrig im Hintergrund an der Zukunft des Vereins, „der mir unglaublich am Herzen liegt.“

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 8. Januar wollte Han ursprünglich über den möglichen Einstieg eines Investors informieren. Die Versammlung wurde aber kurzfristig aufgrund von „organisatorischen Problemen“ abgesagt. Han sagte dieser Zeitung: „Die Gespräche mit einem möglichen Investor waren noch nicht so weit, um zu unseren Mitgliedern und an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Die Drittliga-Lizenz beantragt

Gerüchten zufolge soll es sich um eine Gruppe um den ehemaligen Bundesliga-Profi Souleymane Sané, dem 57 Jahre alten Vater des bei Manchester City beschäftigten Nationalspielers Leroy Sané, handeln, die in den BAK investieren will. Vater Sané bestritt einst 55 Länderspiele für den Senegal. Mehr als Mutmaßungen sind das aber bislang nicht. Han hält sich bedeckt, sagt, es sei „alles in Arbeit, aber im Fußball ändert sich ja jeden Tag, jede Stunde die Situation.“ Er möchte keine Luftschlösser bauen, ist durch das negative Beispiel, das Viktoria 89 geliefert hat, gewarnt. Er sagt dazu: „Die haben Fehler im Umgang mit einem Investor gemacht, das ist insgesamt aber sehr traurig.“

Ali Han möchte vor allem in die Struktur des Vereins investieren. „Wir waren in der Liga zuletzt immer oben dabei, haben eine gute Jugendarbeit und leisten viel in Sachen Integration“, sagt Han stolz. Er glaubt, vielleicht Mitte oder Ende Februar eine Zusammenarbeit mit einem neuen Investor verkünden zu können. Und: Eine Drittliga-Lizenz will der Berliner AK natürlich beantragen.