Regionalliga Nordost: Sojus gerät in Verruf

Die Bilanz sieht den FC Carl Zeiss Jena klar vorn. In insgesamt 77 Duellen mit dem FSV Zwickau (einst BSG Sachsenring) – vornehmlich in der DDR-Oberliga – gewannen die Jenaer 43 Spiele, 13 endeten Remis und 21-mal siegte Zwickau. Die beiden Traditionsvereine finden sich nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen finanzieller und sportlicher Art in diesem Jahr in der Fußball Regionalliga Nordost wieder, sind viertklassig.

Unfreiwillig im Fokus

Nach dem Tribünen-Eklat am vergangenen Wochenende sind beide Vereine eher unfreiwillig in den Fokus geraten. Das Auftaktspiel der beiden alten Rivalen – Zwickau als Aufsteiger aus der Oberliga und Jena als Absteiger aus der dritten Liga – musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Auf einer Zusatztribüne aus Stahlrohr im Stadion „Sojus 31“ von Zwickau, auf der sich bereits über 800 Jenaer Fans befanden, waren über Nacht etliche Flügelschrauben entfernt worden. Möglicherweise wären Menschenleben in Gefahr gewesen. Die Polizei, die Sabotage nach wie vor nicht ausschließt, tappt weiter im Dunklen. Fakt ist, dass unter der Tribüne manipuliert worden ist. Es ist bekannt, dass zwischen beiden Vereinen eine Fan-Rivalität besteht, dennoch glaubt etwa Matthias Stein, Leiter des Jenaer Fanprojekts, nicht, dass „Zwickauer mutwillig solch eine Aktion starten“. Auch der FSV-Vorsitzende Gerhard Neef sagt, er traue solch eine Aktion den eigenen Anhängern eigentlich nicht zu, „aber die Fanszene ist ein kompliziertes Gebilde.“ Beide Klubs besitzen noch keine neuen Erkenntnisse über den Stand der Ermittlungen.

Spielabsage vor dem Sportgericht

Neues gibt es aber vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Geschäftsführer Holger Fuchs bestätigte die Eröffnung eines Verfahrens vor dem NOFV-Sportgericht. Die Klubs vertreten unterschiedliche Standpunkte. Torsten Ziegner, 34, Trainer der Zwickauer und einst Profi in Jena, sagt: „Ich gehe von einer Wiederholung des Spiels aus.“ Jenas Geschäftsführer Roy Stapelfeld sieht das anders und hofft, dass „das Spiel für uns gewertet wird“. Er sieht „keine höhere Gewalt“ als Grund für die Spielabsage. Jena will mit Trainer Petrik Sander sofort zurück in die dritte Liga und Zwickau will sich laut Ziegner „in der Regionalliga etablieren“.

Fakt ist : Zwickaus Stadion „Sojus 31“ ist ein Provisorium. Das altbekannte Westsachsenstadion mit seinem berüchtigten dunklen Spielertunnel wird derzeit zur reinen Trainingsstätte umgebaut. Zwickaus Stadtrat hat inzwischen den Neubau eines Stadions mit rund 11000 Plätzen beschlossen. Das 20-Millionen-Euro-Projekt soll 2013 starten.