Regionalliga Nordost: Warum sich Hertha BSCs Reserve für die Dritte Liga rüstet

Besser hätte es für die Mannschaft von Hertha BSC II nicht laufen können. Am Freitagabend ging das talentierte und couragierte Team von Trainer Ante Covic, 43, im Jahnsportpark bei Gastgeber BFC Dynamo schon nach acht Minuten in Führung. Der 19 Jahre alte Angreifer Anthony Roczen traf zum 1:0. Nach 39 Minuten war es erneut der 1,91 Meter große Roczen, der BFC-Keeper Bernhard Hendl umkurvte und zum 0:2 einschoss. Covic war begeistert. Später erhöhten Trainer-Sohn Maurice Covic (62.) und Gordon Büch (69.) auf 4:0. Die Reserve des Berliner Bundesligisten hat nun bereits 47 Punkte auf dem Konto und steht hinter dem Chemnitzer FC und dem Berliner AK überraschend auf Platz drei der Regionalliga Nordost.

Lizenz beantragt

Dieser souveräne Auftritt der zweiten Mannschaft beim BFC passt zu der Nachricht, dass Hertha BSC II einen Antrag auf Zulassung einer Drittliga-Lizenz gestellt hat. Benjamin Weber, Leiter der Fußball-Akademie des Klubs, bestätigte: „Wir haben unser Interesse bekundet – für den Fall der Fälle.“ Zwar rechnet man bei Hertha BSC damit, dass Chemnitz trotz finanzieller Turbulenzen die Lizenz für die Dritte Liga erhält und direkt aufsteigt – doch zu 100 Prozent sicher ist das nicht.

Die skandalösen Vorkommnisse bei der Trauerbekundung für einen verstorbenen Hooligan und Neo-nazi im Chemnitzer Stadion haben den Verein erschüttert. Mit der Aufarbeitung tut sich der Verein schwer – trotz der Trennung von einigen Mitarbeitern. Der CFC wird von einem Insolvenzverwalter geführt. Einige Sponsoren wollen ein weiteres Engagement erst noch prüfen.

Hinzu kommt, dass der Berliner AK, überraschend keine Drittliga-Lizenz beantragt hat. Präsident Mehmet Ali Han, ein Mann, der mit seinem Klub unbedingt die dritte Kraft im Berliner Fußball sein will, sagte, man habe aufgrund der nach der Winterpause aussichtslos anmutenden sportlichen Lage keine Lizenz beantragt – der Abstand zum CFC auf den Zweiten BAK betrug damals zehn Punkte. Erst in der vorigen Woche aber bezwang der BAK von Trainer Ersan Parlatan den Spitzenreiter in Berlin 2:0. Inzwischen wurde bekannt, dass viele Spieler des BAK enttäuscht und frustriert reagierten, da Ali Han vor der Saison den Aufstieg als Ziel ausgegeben hatte.

So kommen nun plötzlich Hertha BSC II und Wacker Nordhausen ins Spiel. Beide befinden sich in Lauerstellung und haben eine Drittliga-Lizenz beantragt. Bei Hertha läuft das Zulassungsverfahren einfacher und betrifft vor allem den technisch-organisatorischen Bereich, da die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der Bewerbung von Herthas Profis für die Bundesliga geprüft wird.

Ausbildung hat Vorrang

Hertha II hatte nach der Hinrunde auf Platz 4 gelegen, was Trainer Covic als „außergewöhnlich gut“ umschrieb. Zwischenzeitlich blieb das junge Team, das immer wieder neu formiert werden muss, sogar neun Spiele unbesiegt. Nun hat es sich auf Platz drei festgesetzt, was im Falle einer Lizenzverweigerung für Chemnitz den Aufstieg bedeuten würde.

Doch all das ist zunächst Theorie. Covic sagt: „Wir würden bei einem Aufstieg unserer Linie treu bleiben und keine Spieler holen, nur um die Dritte Liga zu halten. Wir machen keine verrückten Sachen.“ Der Trainer sieht sich als Ausbilder und will Spieler entwickeln will, die interessant für die Profis von Pal Dardai sind. Covic sagt aber auch: „Natürlich würden wir uns gegen einen Aufstieg nicht sträuben. Wie hoch inzwischen unser Stellenwert als U23 ist, zeigt schon die Tatsache, dass der Verein die Drittliga-Lizenz beantragt hat.“ Sollte es so weit kommen, sieht Covic Liga drei als ein „Abenteuer“.

Und der Chemnitzer FC ? Der hat am vergangenen Wochenende zumindest sportlich wieder einen Schritt in Richtung Aufstieg getan und Budissa Bautzen mit 1:0 besiegt. Ein Pflichtsieg – nicht mehr und nicht weniger.