BerlinDie Spaltung in der Regionalliga Nordost wird tiefer. Schon die sieben Berliner Klubs formen keine Einheit. Während Viktoria 89 und die VSG Altglienicke als Spitzenreiter und Tabellenzweiter vehement „Hü“ rufen, fordern Lichtenberg 47, BFC Dynamo, Tennis Borussia und seit neuestem auch der Berliner AK ein klares „Hott“; Hertha II hält sich bedeckt, wenn es um die Frage geht, wann weitergespielt werden soll. Schon bevor der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) am Donnerstag beschloss, ab 4. Dezember wieder mit Punktspielen loszulegen, hatte sich der 1. FC Lok Leipzig mit einem offenen Brief an den Verband gewandt.

Tenor: Ein Wiederbeginn sei unverantwortlich und gesellschaftlich im Lockdown nicht zu vertreten, zu viele wirtschaftliche und pandemische Rahmenbedingungen ungeklärt. Bei einer Konferenz des NOFV mit Vertretern aller 20 Klubs hatte sich das Gros am 4. November noch dafür ausgesprochen, den Ligabetrieb schnell wieder zu starten. Auch der Berliner AK hatte sich damals für einen Neustart schon Ende November ausgesprochen. Jetzt ist er aber um eine Erfahrung reicher.

Ende Oktober hatte die VSG Altglienicke nach der 0:2-Niederlage beim BAK nachträglich Einspruch gegen die Wertung eingelegt. Der Grund: ein positiver, vor der Partie auch gemeldeter Corona-Test der externen Athletiktrainerin des BAK. „So etwas wollen wir nicht“, sagt BAK-Präsident Ali Han. „Ganz Berlin lacht darüber. Die VSG wusste Bescheid, sie wollte ja spielen.“

Bevor die Liga weitergehe, müsse der NOFV eine klare Linie vorgeben, sonst könne jeder Klub ja spontan einen Corona-Verdacht melden, wenn er keine Lust oder zu viele Verletze habe. „Wir brauchen Planbarkeit“, sagt Han. Er fragt, wer umfassende Corona-Schnelltests bezahlen soll, die pro Partie zwischen 1500 und 2000 Euro kosten. Weil die Klubs nun schon viel zu viele Spiele in viel zu kurzer Zeit absolvieren müssen, schlägt Han statt der Rück- eine K.-o.-Runde vor: Die zehn oberen und die zehn unteren Klubs sollen je Auf- und Absteiger ermitteln.

Nach einer Freigabe sieht es derzeit nicht aus

Bei Lichtenberg 47 wundert man sich über den Kommunikationsverlauf des NOFV-Beschlusses, der die Vereine über die Medien erreichte, aber wichtige Fragen offenlässt. „Wie sollen wir die Geisterspiele finanzieren?“, fragt der Sportliche Leiter Benjamin Plötz. „Erst wenn eine sinnvolle Strategie vorliegt, können wir über einen Neustart sprechen. Wir Vereine wollen ja nicht kaputtgehen.“ Auch TeBe wehrt sich gegen einen Liga-Neustart Anfang Dezember. „Wir haben neue Rekordzahlen bei den Infektionen“, sagt Vorstandsmitglied Tobias Schulze. Weder gesellschaftlich noch finanziell ergäben Geisterspiele Sinn.

Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann sieht die Lage anders. Er hatte einen Brief an den Senat entworfen, mit der Bitte, den Spielbetrieb in Liga vier wieder zu erlauben. In Brandenburg, Sachsen und Thüringen könnten Regionalligisten wieder spielen. Diese Freigabe fehlt in Berlin und Sachsen-Anhalt. „Eine Änderung dieser Regelung ist derzeit nicht beabsichtigt. Sie ist auch abhängig von den Ergebnissen der Beratungen der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten und der Kanzlerin in der nächsten Woche. Eine Änderung dieser Vorschrift setzt voraus, dass sich die Inzidenzahlen signifikant nach unten verändern. Danach sieht es im Land Berlin derzeit leider nicht aus. Ein regulärer Spielbetrieb ist damit weiter ausgeschlossen“, ließ Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, am Freitag wissen.

Außer der VSG Altglienicke fand Teichmann keine Unterzeichner für seinen Brief. „Der NOFV hat sich an den Äußerungen aus der damaligen Videokonferenz orientiert. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass gewisse Vereine jetzt ihre Meinung von links nach rechts drehen“, sagt er. Zwei, maximal drei Spiele ohne Zuschauer im Dezember sehe er als Erfahrungswerte, auf die man aufbauen kann: Außerdem würde Weiterspielen Hoffnung und Perspektive bringen. „Wir haben Hygienekonzepte entwickelt, damit wir alle unseren Beruf ausüben können“, sagt Teichmann. „Daher gehen wir davon aus, dass wir am 6. Dezember gegen Jena zu Hause spielen.“